Tennis-Insider: Richtiges Verhalten bei Gegner mit Handicaps

Wie spielt man gegen angeschlagene Gegner?

Von Marco Kühn/tennis-insider.de
Samstag, 14.10.2017 | 07:57 Uhr
Ein angeschlagener Gegner ist oft schwerer zu bespielen als ein fitter
© getty

Wir alle kennen die Geschichte vom angeschlagenen Boxer. Diese besagt, dass Gegner mit einem großen Handicap meist noch gefährlicher sind. Sie sind schwerer einzuschätzen, werden nicht mehr für voll genommen und damit unterschätzt. Diese Einstellung macht den angeschlagenen Boxer noch stärker, als er eigentlich ist.

Man weicht von seiner eigenen Taktik meist komplett ab, da man sich nur noch mit dem Gegner beschäftigt. Die erste Frage dreht sich darum, ob der Gegner vielleicht nur simuliert. Kann das Handicap überhaupt ernst gemeint sein? Hat der Gegner wirklich etwas? Stellt sich heraus, dass der Gegner tatsächlich angeschlagen ist, ist man damit beschäftigt herauszufinden, wie sehr der Gegner in seinen Fähigkeiten eingeschränkt ist.

Hat man dies herausgefunden, wird man oft mit bis dato unbekannten Stärken dieses Gegners konfrontiert. Kann man aufgrund einer Verletzung keine richtige beidhändige Rückhand mehr spielen, verbessert sich der Slice - weil er eben öfters gespielt wird. Dies kann auch während eines Matches, innerhalb einiger Aufschlagspiele, passieren.

Sei flexibel

Es ist selbst für Profis fast unmöglich, sich nicht mit dem Gegner und dessen Verhaltensweisen zu beschäftigen. Deswegen solltest du dich so gut es geht auf dich und deine spielerischen Möglichkeiten konzentrieren. Dein Gegner spielt nur noch Slice, weil er sich am Handgelenk verletzt hat?

Akzeptiere dies, hinterfrage es nicht weiter und schau, ob du mit dem Slice des Gegners umgehen kannst. Fällt es dir schwer auf den Slice zu antworten, gehe mehr über die Vorhand. Auch, wenn du vor der Verletzung deines Gegners hauptsächlich in die Rückhand deines Gegners gespielt hast. Sei taktisch flexibel, lass dich aber nicht von der Verletzung des Gegners diktieren. Du wirst dein taktisches Konzept eventuell über den Haufen werfen müssen.

Deswegen ist es für dich wichtig, dass du dir selbst nicht zu viele Fragen stellst, die deinen Gegner betreffen. Gehe pragmatisch vor. Wie in dem genannten Beispiel mit der Rückhand-Slice. Du kommst mit dem Slice nicht klar, obwohl es deine Taktik war immer über die Rückhand zu gehen? Ok, dann richte deine Taktik neu aus und suche Mittel und Wege, um zu deinen Punkten zu kommen.

Nutze die neuen Schwächen aus

Du willst das Match gewinnen? Dann darfst du keine Rücksicht nehmen. Dein Gegner würde es an deiner Stelle vermutlich ebenso handhaben. Ist dein Gegner angeschlagen, werden sich neben neuen Stärken auch neue Schwächen für dich öffnen. Bleiben wir bei dem Beispiel mit dem Handgelenk und dem Slice, der nur noch auf der Rückhand gespielt werden kann. Wenn es für deinen Gegner nicht mehr möglich ist die Rückhand durchzuziehen, kannst du dies nutzen, um die zu kurzen Bälle des Gegners zu attackieren und über die Rückhand ans Netz anzugreifen.

Es wird für deinen Gegner schwierig werden mit einem Slice dich zu passieren oder einen Lob zu spielen. Wenn dein Gegner so angeschlagen ist, dass er sich nicht mehr richtig bewegen kann, streue vermehrt Stoppbälle ein. Du sollst natürlich nicht bei jedem zweiten Ball einen Stopp spielen, dies wäre taktisch totaler Unsinn.

Es geht darum die Schwächen deines Gegners auszunutzen. Gehört zu diesen Schwächen das Laufen, muss dein taktisches Konzept Stoppbälle beinhalten. Bei zu vielen Stopps kann sich selbst der angeschlagene Gegner darauf einstellen und sich bereits früh auf den Weg Richtung Netz und T-Linie machen.

Fazit

Halte deine Augen offen und beobachte deinen angeschlagenen Gegner genau. Du bist kein Psychologe und auch kein Chirurg. Deswegen brauchst du keine Ferndiagnosen zu stellen. Für dich zählt einzig und allein die neue Matchsituation und wie du diese am besten mit deinen eigenen spielerischen Möglichkeiten angehen kannst.

Finde, so schnell es geht, die neuen Stärken und Schwächen deines Gegners heraus, denn diese werden sich verschieben. Schätze die Situation zu jedem Aufschlagspiel neu ein und reagiere dementsprechend. Sei flexibel, behalte die Nerven und lasse dich nicht zu sehr von deinem Gegner ablenken.

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