#ThrowbackThursday: "Alter Schwede"

Von Maximilian Kisanyik
Donnerstag, 12.10.2017 | 14:23 Uhr
Björn Borg gewann elf Grand-Slam-Titel
© getty

In #ThrowbackThursday werden legendäre oder fast vergessene Tennisspieler neu beleuchtet und erzählt was die Ex-Stars heutzutage so machen.

Im Jahr 1972 machte ein 15 Jahre alter Schwede zum ersten Mal auf sich aufmerksam. Der "Blondschopf" aus Stockholm gewann sein erstes Davis-Cup-Match für Schweden gegen den neuseeländischen Top-Spieler Onny Parun nach einem 0:2-Satzrückstand. Der Beginn der großartigen Karriere des Björn Rune Borg.

Schon in jungen Jahren zeichnete Borg vor allem sein stoischer, emotionsloser Auftritt auf den Tennisplätzen aus - der Spitzname "Ice-Borg" war daher schnell passend. Der Grund für seine Ruhe liegt in seiner Jugend - dort war von Besinnung auf dem Court nicht viel zu sehen. Im Jugendalter galt Borg als aufbrausend und wurde einmal wegen seinem Verhalten von der Klubanlage geworfen. Dass ihm das nie wieder passiere, würde er ab sofort einfach immer den Mund auf dem Tennisplatz halten, erklärte Borg später.

Neben seinem jungen Alter und seiner Coolness revolutionierte Borg den Tennissport vor allem durch seinen Spielstil. Die bislang starre und unveränderte "Shake-Hands"-Griffhaltung wandelte der Schwede in einen Top-Spin-Griff um. Sowohl auf der Vorhand als auch auf der, damals noch rar gespielten beidhändigen, Rückhand sorgte Borg für Aufsehen - den Schläger unterschiedlich zu drehen, glich einem Unding. Der Erfolg sollte Borg rechtgeben. Mit dem "Western"-Griff auf der Vorhand und dem "Eastern"-Griff auf der Rückhand brachte er seine Gegner reihenweise zur Verzweiflung. Bereits in seiner ersten Profisaison im Jahr 1973 verhalf ihm seine Entwicklung zu zwei Achtelfinalteilnahmen bei den Australian- und French-Open, sowie zum Erreichen des Wimbledon-Viertelfinals. Der Schwede mit den langen, blonden Haaren und dem markanten Stirnband war nun jedem Tennis-Kenner ein Begriff.

Der König von Paris

Nur ein Jahr später krönte sich der Sandplatzspezialist zum König von Paris und feierte seinen ersten Major-Triumph - zehn weitere sollten folgen. Insgesamt gewann der "Ice Man" fünf Wimbledon-Titel und reckte sechsmal (1974, 1975 und 1978-1981) den Coupe des Mousquetaires bei den French Open in die Höhe. Vor allem im 16. Arrondissement in Paris galt Borg als unschlagbar und wurde als "Sandplatzkönig" gefeiert - diesen Titel gab er nun an Rafael Nadal ab, der 2017 seinen zehnten Titel in Roland Garros gewann.

Insgesamt stehen 64 Titel in der Vitrine des mittlerweile 61-Jährigen. Die Karriere des schwedischen Superstars nahm jedoch eine unerwartete und tragische Wende. Im Alter von 26 Jahren nahm sich Borg eine viermonatige Auszeit vom Tennis und beendete kurz darauf seine Karriere. Zur damaligen Zeit war der Begriff des "Burnout" nicht bekannt; Borg erlebte jedoch genau das. Der frühe Ruhm und die ständige Aufmerksamkeit kosteten Borg eine lange Karriere.

Seine ruhige und zurückhaltende Art hat der Mann aus Stockholm aber auch bis heute nicht verloren. Nach seinem Karriereende wurde es ruhig um den zweimaligen Träger der renommierten schwedischen Svenska-Dagbladet-Goldmedaille - ganz von der Bildfläche verschwunden ist er jedoch nie.

Ein Film für zwei Legenden

Bereits 1980 veröffentlichte Borg sein erstes Buch "Mein Spiel, mein Leben". Als Geschäftsmann stellte sich die ehemalige Nummer eins der Weltrangliste jedoch nicht so geschickt an. Versuche im Sportartikel-Bereich endeten 1996 im Konkurs. Auch ein Comeback-Versuch des Schweden schlug fehl. Jedoch gewann er in den darauffolgenden Jahren als Werbeträger immer mehr an Wert und gilt heute als einer der Botschafter der Sportart.

Erst vor kurzem trat Borg wieder in das Rampenlicht der Stars und Gesichter des Tennis. Beim Laver Cup in Prag fungierte er als Kapitän des Teams Europa und feierte den Sieg der ersten Ausgabe des Show-Turnieres an der Seite von Roger Federer, Nadal oder Dominic Thiem. "Ich war sehr nervös auf der Bank, vermutlich noch mehr als die Jungs, die auf dem Platz standen", erklärte Borg nach dem entscheidenden Punktgewinn.

Auch auf der großen Leinwand wurde Borg zusammen mit seinem ehemaligen Dauerrivalen John McEnroe geehrt. Am 19. Oktober 2017 startet der Film "Borg vs McEnroe" in den Kinos in Deutschland. Dabei wird die enge Rivalität der beiden dargestellt. Die Sports Illustrated ehrte das Mitglied der Tennis Hall of Fame mit dem Vergleich von Superstars aus anderen Bereichen: "Er war größer als das Spiel. Er war einer wie Liz Tayler oder Elvis Presley", schrieb das Livestyle-Magazin im Jahr 1991. Und dieser Vergleich passt: Borg gehört zu den größten Legenden im Tennis und revolutionierte den Sport mit der gelben Filzkugel wie kaum ein anderer.

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