"Ich habe das nicht für möglich gehalten"

Freitag, 07.07.2017 | 00:33 Uhr
Sebastian Ofner
© GEPA

Sebastian Ofner ist bislang die Sensation beim diesjährigen Wimbledonturnier. Der 21-jährige Österreicher spielt das erste Mal auf Rasen und stand nach seinem Drittrundeneinzug Rede und Antwort.

Von Christian Albrecht Barschel aus Wimbledon

Cool, cooler, Sebastian Ofner! Der 21-jährige Österreicher steht bei seiner Grand-Slam-Premiere in Wimbledon sensationell in der dritten Runde. Ofner setzte sich auf Court 6 gegen Jack Sock nach einer Achterbahnfahrt der Gefühle mit 6:3, 6:4, 3:6, 2:6, 6:2 durch. Nun geht es in der dritten Runde gegen den Weltranglisten-Zwölften Alexander Zverev aus Deutschland.

Für Ofner ist Wimbledon die erste Hauptfeldteilnahme auf der ATP-Tour. Damit es dazu überhaupt kam, musste sich der Weltranglisten-217. durch die Qualifikation in Roehampton spielen - ebenfalls die erste Grand-Slam-Quali in seiner Karriere. Dort gewann Ofner, der zuvor nie auf Rasen gespielt hatte, im Finale sein erstes Best-of-five-Match, und das nach 0:2-Satzrückstand (in Wimbledon wird das Quali-Finale über drei Gewinnsätze gespielt.) Im Hauptfeld fegte er in der ersten Runde den Brasilianer Thomaz Bellucci vom Platz. Nun gab es den nervenstarken Sieg gegen Jack Sock.

Was Ofner, der mit dem Einzug in die dritte Runde ganz nah in Richtung Top 150 kommen wird, über seinen Sensationslauf zu sagen hatte, lest ihr hier im aufgezeichneten Interview.

Sie haben vor Kurzem noch viele Future-Turniere gespielt. Wie fühlt sich das nun an, in der dritten Runde in Wimbledon zu stehen?

Ich kann es nicht glauben, ich habe auch ein paar Challenger gespielt. Da habe ich gemerkt, dass ich nicht allzu weit entfernt bin. Und nun hat es anscheinend Klick im Kopf gemacht.

Haben Sie sich selbst überrascht mit dem Lauf?

Ich habe das nicht für möglich gehalten. Das war das erste Mal, dass ich gegen solch einen guten Spieler gespielt habe. Er ist die Nummer 18 in der Welt, und ich habe gewonnen. Ich bin am Samstagmittag vor der Qualifikation nach London geflogen und habe nur zwei Stunden auf Rasen trainiert bis zum Quali-Beginn am Montag. Von daher habe ich damit überhaupt nicht gerechnet.

Sie haben bislang 18 Sätze von der Qualifikation bis in die dritte Runde gespielt. Spüren sie das schon?

Derzeit fühle ich mich richtig gut, ein bisschen spüre ich meinen Körper. Aber alles ist okay.

Nun geht es in der dritten Runde gegen Alexander Zverev. Was können wir erwarten?

Er ist jünger als ich und stand schon in den Top Ten. Es wird wahrscheinlich schwerer als gegen Jack Sock. Er ist bereits einer der besten Tennisspieler. Ich werde alles versuchen, um das Match zu gewinnen. Ich habe ein paar Matches von ihm gegen Dominic Thiem gesehen, auch sein Finale in Rom gegen Novak Djokovic. Daher weiß ich auch, wie er spielt.

Machen Sie in Wimbledon etwas besser als bei anderen Turnieren?

Ich denke, was ich nun besser mache, ist, dass ich mich nun auf mich konzentriere und nicht auf den Gegner. In den letzten Monaten habe ich viel und hart trainiert. Wir haben viel an meinem Aufschlag und meiner Vorhand gearbeitet. Das ist sicherlich ein Grund, warum ich nun hier bin.

Worin besteht der Unterschied zwischen den Qualifikationsplätzen in Roehmapton und der Atmosphäre in Wimbledon?

Hier ist es alles viel pompöser, die Plätze sind natürlich auch besser. Es ist alles so groß, neu und man kann als Spieler haben, was man will. Ich habe zuvor nur einmal ein ATP-Turnier gespielt, das war letztes Jahr in der Qualifikation in der Wiener Stadthalle. Dann gleich beim ersten Grand Slam sich zu qualifizieren und die dritte Runde zu erreichen, ist unbeschreiblich.

Es fiel auf, das Ihre Klamotten wild durcheinander sind, von Schuhen über Hose bis zur Jacke.

Ich habe derzeit keinen Klamottensponsor. Natürlich hoffe ich, dass sich nun was tut.

Für wie viele Tage haben Sie Klamotten dabei?

In der Qualifikation habe ich mit dem gleichen Dress alle drei Matches gespielt. Einmal habe ich es gewachsen (lacht). Jetzt im Hauptfeld habe ich wieder die gleichen Klamotten benutzt, aber gewaschen (lacht).

In Österreich gibt es überhaupt keine Rasentradition, nicht mal einen gescheiten Rasenplatz. Sie spielen das erste Mal auf Rasen, Sie müssen ein besonderes Naturtalent für diese Art von Spiel haben?

Vielleicht. Ich serviere sehr gut, meine Rückhand ist prädestiniert für Rasen. Sie ist sehr flach und schnell. Ich hatte etwas Angst wegen meiner Vorhand, dass ich da etwas Probleme haben könnte, aber ich habe mich vom ersten Moment sehr wohlgefühlt. Das war sicherlich ein entscheidender Faktor.

Nach dem Match kamen Zuschauer zu Ihnen und wollten Autogramme und Selfies haben. War es das erste Mal für Sie?

Das habe ich noch nie erlebt. In der Wiener Stadthalle war es nach dem ersten Quali-Match auch ein wenig so, aber nicht in dem Ausmaß. Das war ein gutes Gefühl.

Sie haben einen Bundesheer-Banner auf Ihrer Jacke. Waren Sie beim Heer bzw. werden Sie vom Heer gesponsert?

Ich bin seit zwei Jahren beim Bundesheer und werde gesponsert. Ich bin Militärsoldat auf Zeit bis zum Jahr 2019, derzeit bin ich Corporal. Das ist das Letzte, was man in der Sportförderung werden kann.

Als wir Journalisten zusammengestanden haben und Ihr Spiel verfolgt haben, fiel immer wieder der Name Falco. Was sagt Ihnen das?

Ich schätze mal, das ist wegen der Frisur (lacht).

Freut Sie der Vergleich zu Falco?

Mir ist das relativ egal. Ich finde das nicht tragisch. Den Vergleich gibt es auch erst seit zwei Monaten, seitdem habe ich diese Frisur.

Thomas Muster hat in Wimbledon nie ein Match gewonnen. Sie haben nun inklusive der Qualifikation schon fünf Matches gewonnen. Bedeutet Ihnen das was?

Das ist schon sehr lässig. Immerhin hat er steirische Tennisgeschichte geschrieben (lacht).

Nach dem Turnier werden Sie mindestens in der Nähe der Top 150 stehen. Was ist bis zum Ende des Jahres noch möglich?

Das war eigentlich bis zum Ende des Jahres das Ziel. Zunächst waren es die Top 200, dann zwischen 150 und 200. Nun muss ich mal schauen, wie weit es geht.

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