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NFL - Chiefs vs. Chargers: Hat L.A. genug Feuerkraft?

Die Los Angeles Chargers reisen zum Week-15-Auftakt zu den Kansas City Chiefs.
© getty

Woche 15 beginnt mit einem echten Kracher: die Los Angeles Chargers reisen zu den Kansas City Chiefs für einen waschechten Playoff-Vorgeschmack. Dabei könnten die Chargers tatsächlich noch den Coup schaffen und Kansas City in der Division abfangen - ein Sieg am Donnerstagabend ist dafür allerdings Pflicht. SPOX blickt vor dem Duell auf die Stärken der Chargers und eines der spannendsten Spiele der ausstehenden Regular Season. Zu sehen gibt es die Partie in der Nacht zum Freitag live auf DAZN !

Preview: Kansas City Chiefs (11-2) - Los Angeles Chargers (10-3) (Fr., 2.20 Uhr live auf DAZN)

Glanzvoll war es nicht, was Los Angeles am vergangenen Sonntag gegen ein von Verletzungen gebeuteltes Bengals-Team ablieferte; und wenn man den Chargers-Spielern nach dem knappen Heimsieg so zuhörte, ist es auch nicht schwer, sich vorzustellen, woran das gelegen haben könnte.

"Ich habe gehört, dass einige der Jungs direkt zurück in den Team-Komplex wollen, um ins Eisbad zu gehen und mit dem Tape zu beginnen. Wir müssen loslegen, den richtigen Gang finden und uns beeilen", sagte Quarterback Philip Rivers anschließend stellvertretend mit Blick auf den Kracher am Donnerstagabend. "Als Division-Gegner kennen wir sie zumindest bereits, auch wenn beide Teams ein paar neue Dinge einbauen werden. Aber schematisch kennen sie unsere Basis-Plays und wir ihre."

Damit hat Rivers selbstredend Recht, gleichzeitig allerdings - und das weiß niemand besser als Rivers selbst - ist es eine ganze Weile her, dass gegen die Chiefs etwas zu holen war.

Die letzten neun Duelle gegen die Chargers hat Kansas City allesamt gewonnen. Man muss schon bis in den Dezember 2013 zurückblicken, um den letzten Chargers-Sieg gegen die Chiefs zu finden; ein 27:24-Comeback-Overtime-Erfolg gegen ein Chiefs-Team mit Chase Daniel, der San Diego damals in einem Herzschlagfinale noch in die Playoffs beförderte.

AFC West: Fangen die Chargers die Chiefs ab?

Ganz so dramatisch ist die Lage dieses Mal nicht. Kansas City hat sein Playoff-Ticket ohnehin schon in der Tasche, und die Chargers sind lediglich ein Spiel hinter dem Division-Rivalen - bei drei Siegen auf alle anderen Wildcard-Anwärter in der AFC. Es müsste schon sehr viel passieren, damit die kommende Postseason ohne die Chargers stattfinden könnte.

Das Wildcard-Rennen in der AFC im Überblick

TeamRecord
Los Angeles Chargers10-3
Baltimore Ravens7-6
Indianapolis Colts7-6
Miami Dolphins7-6
Tennessee Titans7-6
Denver Broncos6-7
Cleveland Browns5-7-1

Und selbst der Division-Sieg ist für L.A. noch in Reichweite. Mit einem Sieg in Kansas City am Donnerstagabend würden die Chargers nicht nur ihr Playoff-Ticket lösen, sie würden auch mit den Chiefs gleichziehen. Das direkte Duell könnte somit nicht nur auf die Division selbst, sondern auch auf das gesamte Playoff-Seeding der AFC massive Auswirkungen haben.

All das aber wird erst dann interessant, wenn die Chargers nicht ein zehntes Spiel in Folge gegen KC verlieren - und dafür müssen sie offensiv mithalten können.

Die Chargers-Offense: Kann L.A. ein Run Game aufziehen?

Bei aller Dominanz des Passing Games und so herausragend die Saison, die Philip Rivers derzeit spielt, auch ist: die Geschichte dieses Spiels könnte maßgeblich vom Run Game der Chargers geprägt werden. Denn während Kansas City defensiv seine klare Stärke im Pass-Rush hat, ist die Run-Defense noch immer eine der anfälligsten in der NFL.

Doch in wie weit werden die Chargers das ausnutzen können? Melvin Gordons Einsatz ist eine 50:50-Entscheidung, Austin Ekeler fällt aus. Gordon erklärte zu Wochenbeginn: "Ich fühle mich auf jeden Fall besser, aber ich denke, das wird sich erst kurz vor Spielbeginn entscheiden. Ich habe gute Fortschritte gemacht. Ich weiß, dass der Coach versuchen wird, vorsichtig zu sein und nicht will, dass die Verletzung schlimmer wird. Deshalb werden wir sehen, was passiert. Aber ich fühle mich deutlich stärker und bin viel zuversichtlicher als letzte Woche."

Sollten er und Ekeler ausfallen, macht Gordon sich dennoch keine Sorgen um das Run Game: "Als ich Justin zum ersten Mal mit dem Ball habe laufen sehen, dachte ich mir: Ja, der hat Talent. Er kommt aus der Big 10, wo das Run Game ein elementarer Bestandteil ist und er ist auf seine Art ein besonderer Runner. Das gilt auch für Detrez, er ist ein besserer Spieler, als viele Leute glauben. Deshalb gibt es da keine Bedenken. Das sind Running Backs, und ohne Frage können die Plays liefern, wenn sie müssen."

Chargers: Justin Jackson soll es richten

Der von Gordon angesprochene Justin Jackson wird dabei die zentrale Rolle einnehmen. Jackson, der letzte Pick der Chargers im diesjährigen Draft, war nach einer schwachen Preseason bereits entlassen worden. Nur weil ihn niemand vom Waiver Wire beanspruchte, holten ihn die Chargers in ihr Practice Squad zurück. Erst in Woche 4 schaffte er den Sprung zurück in den aktiven Kader; und vor zwei Wochen konnte er in Pittsburgh erstmals auf großer Bühne glänzen.

Seine scharfen Cuts und der von Head Coach Anthony Lynn ausdrücklich gelobte "Instinkt" machen Jackson zu einem interessanten Spieler - der aber am Sonntag gegen die Bengals auch prompt mit lediglich zwölf Yards bei sieben Runs einen Dämpfer erhielt. Doch die übergeordnete Frage wird ohnehin lauten: kann L.A. mit seinem Scheme und dem Run-Blocking genug Schaden anrichten?

Die Antwort hierfür könnte in zwei Punkten liegen: dem Jet Sweep und dem Second Level Blocking. Auf dem (angetäuschten) Jet Sweep bauen die Chargers verschiedene Aspekte ihrer Offense auf: Play Action, Inside Run Game, Screens und auch schlicht Teile ihres Passing Games.

Eine beliebte Variante, die auf Tape schnell auffällt, ist der Inside Run aufbauend auf dem Jet-Sweep-Fake. So wie bei diesem Touchdown-Run früh im Spiel gegen die Bengals etwa. Es ist ein Element, dass mehrere Offenses - die Rams gehören etwa auch dazu, Kansas City selbst nutzt dieses Mittel ebenfalls - inzwischen häufiger verwenden.

Mit außen postiertem Receiver, der sich in Bewegung setzt und hinter der Formation vorbei bewegt - gelegentlich dabei auch den Ball tatsächlich bekommt - spielt die Offense mit den Run-Gap-Zuteilungen der Defensive Front.

Wenn die Defense den Jet-Sweep-Köder schluckt, kann der Inside Run komplett offen sein, weil die defensiven Zuteilungen nicht mehr passen und Blocker plötzlich frei aufs Linebacker-Level kommen.

Umso spannender wird es, wenn die Jet-Sweep-Formationen und die entsprechenden Play-Designs dann noch erweitert und auch für das Passing Game eingesetzt werden. Hier etwa täuschen die Chargers gleich zwei Receiver-Runs nach rechts an, der Screen-Pass entwickelt sich aber auf der linken Seite. Daraus entsteht ein einfacher Raumgewinn für L.A.

Auch schlichte Pässe, wie dieser Touchdown gegen Denvers Man Coverage, kommen aus dem Jet-Sweep-Spiel heraus. Keenan Allen setzt sich hierbei vor dem Snap in Bewegung, erhält so einen freien Release - und hat danach die komplette (aus Sicht der Offense) rechte Seite des Feldes, die er vorher selbst verlassen hat, um sich freizulaufen.

Am ausgeglichensten sind die Chargers aus 12-Personnel (1 RB, 2 TE, 2 WR) und auch durchaus explosiv hieraus im Run Game. Gerade gegen die Chiefs, die defensiv mit Runs aus 11-Personnel nach wie vor Probleme haben, ist es aber sehr gut vorstellbar, dass es mehr Runs aus den 3-Receiver-Sets und kombiniert mit Jet-Sweep-Motion geben wird.

Bei Runs aus 11-Personnel hatte L.A. schon mehrere Big Plays im Run Game dieses Jahr.

Das Passing Game der Chargers: Mid-Range-Attacke

Für die Chargers wird es wichtig sein, im Run Game Schaden anrichten zu können - im Endeffekt ist aber auch klar, dass Los Angeles mit dem eigenen Passing Game für explosive Plays sorgen muss. Das macht kaum ein Team in der Mid-Range (etwa 10 bis 20 Yards hinter der Line of Scrimmage) besser als die Chargers, die hier seit Jahren Teams mit ihren diversen Crossing-Routes Probleme bereiten.

Dementsprechend ist auch auffällig, dass Rivers eine vergleichsweise sehr niedrige Deep-Ball-Quote hat; nur 18,9 Prozent seiner Pässe fliegen mindestens 20 Yards weit, damit ist er ligaweit im unteren Viertel. Doch im Bereich zwischen 10 und 20 Yards hinter der Line of Scrimmage ist er brandgefährlich, insbesondere über die Mitte.

Insgesamt 1231 Passing-Yards (11 Yards pro Passversuch), 15 Touchdowns und nur 2 Inteceptions hat er in diesen Yard-Bereich geworfen. Plays wie dieses hier wird man am Donnerstagabend so oder ähnlich deshalb vermutlich mehrfach sehen.

Die Chargers sind sehr gut darin, diese Mid-Range mit Hi-Lo-Konzepten und ähnlichen Route-Kombinationen zu attackieren und das wird vor allem gegen Zone Coverages sehr gefährlich.

Was hier noch besser sein könnte? Auf den bereits ausgeprägten Run-Formationen und Run-Play-Designs aufbauend könnte L.A. im Play Action Game viel mehr machen. Nur wenige Teams nutzen diese Komponente seltener.

Eine weitere Auffälligkeit auf Tape: L.A. stellt, wenn die Offense in 11-Personnel raus kommt, häufiger drei Wide Receiver auf einer Seite der Formation auf, mit dem Tight End (oder Mike Williams) isoliert auf der anderen Seite. Daraus entstehen Route-Kombinationen, die einzelne Zone Coverages überladen, genau wie vertikale Konzepte. Auch aus 2-WR-Sets sieht man das häufiger, genau wie die "verspäteten" vertikalen Routes von Travis Benjamin.

Die Chargers haben offensiv die Feuerkraft, den Quarterback und auch ein ausgefeiltes Scheme, um mit den Chiefs mitzuhalten. Dennoch wird auch der defensive Game Plan äußerst spannend: traut sich L.A., mehr ins Blitzing zu gehen? Es wäre ein für dieses Team unerwarteter Schritt, die Ravens haben aber gerade am Sonntag gezeigt, wie man so auch Erfolg gegen Kansas City haben kann.

Chiefs gegen Chargers: Kehrt Eric Berry zurück?

Indes hat die Chiefs-Offense ihre ganz eigenen Fragezeichen. Das Run Game funktioniert ohne Kareem Hunt noch nicht wirklich, gegen die Ravens brauchte es eine spektakuläre Leistung von Patrick Mahomes, um das Spiel noch zu gewinnen. Tyreek Hill wird spielen können, Sammy Watkins dagegen fällt nochmals aus, wodurch der jüngst nach seiner Entlassung in Buffalo verpflichtete Kelvin Benjamin sein Chiefs-Debüt geben könnte.

"Wir werden sehen. Ich bin optimistisch, dass er ein paar Snaps spielen kann", kündigte Chiefs-Coach Andy Reid an. "Wir werden sehen, wie sich der Game Plan entwickelt, aber wir werden versuchen, ihn einzubinden. Er ist ein guter Football-Spieler. Wir mögen gute Football-Spieler." Zumindest als Red-Zone-Waffe könnte Benjamin am Donnerstagabend eine Rolle erhalten.

Eine viel größere Personalie rund um Arrowhead dieser Tage ist allerdings Eric Berry. Kansas Citys All-Pro-Safety hat die letzten vier Monate mit einer hartnäckigen Fersenverletzung verpasst, trainiert aber seit zwei Wochen - wenn auch eingeschränkt - wieder mit dem Team. Es gebe, so Reid, "eine Chance", dass Berry sein Comeback gibt: "Er hat sich im Laufe der Woche verbessert, wir werden abwarten, wie die Trainingseinheiten laufen."

Klar ist: die ersten Wochen der Entscheidung stehen in der NFL bevor. Mit unter anderem dem Spiel Pittsburgh gegen New England gibt es am Sonntag noch einen weiteren AFC-Kracher, der Auftakt in den Spieltag aber hat das Potential, das beste Spiel der Woche zu werden. Wenn die Chargers-Offense schritthalten kann.

"Wir müssen immer noch jede Menge Vorbereitung hinter uns bringen", sagte Rivers nach dem Spiel gegen Cincinnati noch abschließend, "und das in sehr kurzer Zeit. Aber ich denke, dass wir das hinbekommen."

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