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NFL Analyse: Auftaktsieg! Eagles gewinnen Flaggen-Schlacht gegen Atlanta

Freitag, 07.09.2018 | 06:30 Uhr
Jay Ajayi führte die Eagles zum Auftaktsieg.
© getty

Mit einer 45-minütigen Verspätung aufgrund eines Unwetters in Philadelphia ging die 2018er Saison endlich los - und beide Teams lieferten sich ein von vielen Fehlern, Strafen und Defenses geprägtes Duell. Am Ende steht der 18:12-Auftaktsieg für die Philadelphia Eagles (1-0), die Atlanta Falcons (0-1) dagegen offenbaren bestens bekannte Schwächen in der Red Zone.

Wie bereits im Vorfeld berichtet, war neben Receiver Alshon Jeffery vor allem Quarterback Carson Wentz, der infolge seines Kreuzbandrisses noch keine Freigabe der Ärzte hat, noch nicht mit von der Partie. Die Bühne gehörte so zunächst den Gästen: Atlanta marschierte beim ersten Drive das Feld runter - nur um dann bei vier Versuchen nicht in die Endzone zu gelangen. Das wurde schnell ein für Falcons-Fans nur zu vertrautes Thema, Atlanta dominierte die Partie, belohnte sich aber nicht; statt 14:0 stand es lediglich 3:0 nach Ende des ersten Viertels.

Und die Eagles? Foles bestätigte die Verunsicherungen, die er in der Preseason gezeigt hatte und in der Folge kam die Offense überhaupt nicht ins Rollen. Es dauerte bis ins zweite Viertel, ehe Doug Pederson mit RPOs, Rollouts und No-Huddle Foles etwas mehr Sicherheit gab. Doch generell wurde es ein immer unsaubereres Spiel: Sehr viele kleine individuelle Fehler, dazu unglaublich viele Strafen, darunter jedoch auch mehrere sehr merkwürdige Calls der Unparteiischen insbesondere gegen Atlanta.

Dazu gehörte das vermeintliche erste Big Play, ein 52-Yard-Pass zu Julio Jones, der den Ball scheinbar klar kontrollierte. Dennoch gaben die Refs ihm den Catch nicht. So gehörte der erste Touchdown der Saison den Hausherren, die abermals tief in die Trickkiste griffen: Philly spielte den Trick-Pass-Spielzug zu Foles aus dem Super Bowl tatsächlich erneut, nur dass Foles dieses Mal in der Shotgun stand, den Ball erst übergab und ihn schließlich wieder fing - es war exakt der Trick-Spielzug, den die Patriots zu Brady im Super Bowl versucht hatten.

Bei Atlanta häuften sich zu dem Zeitpunkt bereits die Verletzungen, Keanu Neal und zwischenzeitlich Desmond Trufant mussten verletzt raus und so wurden die Löcher in der Zone Coverage größer. Die Eagles nutzten das, Ajayi schloss den Drive aus kurzer Distanz ab. Zwar bekam Atlanta wenig später durch einen schweren Special-Team-Fehler der Eagles beim Punt ein Geschenk, Ryan aber beendete den Drive mit einer hässlichen Red-Zone-Interception.

Nachdem auch Atlantas Defense einen Turnover verzeichnen konnte, fand Coleman schließlich endlich auch für die Gäste die Endzone, doch Philly schlug abermals über Ajayi zurück. Mit 18:12 für die Eagles hatten die Falcons die letzte Chance und marschierten auch mit wenigen Plays in die Red Zone - genau wie im Playoff-Duell im Januar aber bekam Atlanta aus zehn Yards bei fünf Versuchen (inklusive einer Eagles-Strafe) den Ball nicht in die Endzone.

Die wichtigsten Statistiken:

Philadelphia Eagles (1-0) - Atlanta Falcons (0-1) 18:12 (0:3, 3:3, 7:0, 8:6) BOXSCORE.

  • Nach dem ersten Viertel führte Atlanta in puncto Net Yards from Scrimmage mit 113:0, es war das erste Mal seit Woche 15 2014, dass Philly ein erstes Viertel ohne Raumgewinn beendete. Auf dem Scoreboard stand aber lediglich ein 3:0-Führung, ein maßgeblicher Grund? Die Falcons hatten nach ihren ersten beiden Drives vier Plays innerhalb der 5-Yard-Line - und nahmen daraus -1 Yard mit. Aus fünf Red-Zone-Trips holte Atlanta am Ende unglaubliche neun Punkte, es ist nicht entschuldbar, dass Steve Sarkisian hier aus der vergangenen Saison keine besseren Schlüsse gezogen hat.
  • Das große Thema dieser Partie waren aber die Fehler auf beiden Seiten, konkret in Form von Strafen: Insgesamt 26 (!) Strafen standen am Ende, die Falcons kassierten so viele Flaggen gegen sich wie seit 19 Jahren nicht mehr. Beide Teams hatten über elf Strafen, das hatte es letztes Jahr in der kompletten Saison nicht gegeben.
  • Neben den Flaggen standen die enttäuschenden Auftritte beider Quarterbacks im Fokus. Weder Nick Foles (19/34, 117 YDS) noch Matt Ryan (21/43, 251 YDS, INT) gaben ihrem Team sonderlich viel. Dabei war Atlantas Ballverteilung mitnichten besser - vielmehr lief im Passspiel nahezu alles über Julio Jones (10 REC, 169 YDS).
  • Darren Sproles (5 ATT, 10 YDS; 4 REC, 22 YDS), der überraschend viele Snaps sah und auch startete, überholte Steve Smith (19.180 YDS) was All-Purpose-Yards angeht und steht jetzt auf dem siebten All-Time-Platz. Derweil wurde Nelson Agholor (8 REC, 33 YDS) ultra-konservativ und mit nahezu keiner Target-Tiefe eingesetzt.

Der Star des Spiels: Ronald Darby

Am Ende kam man um Darby nicht herum: Hatte mehrere sehr auffällige Szenen und glänzte in Coverage, inklusive beim letzten Play. In einem von den Defenses dominierten Spiel war er einer der besten Verteidiger. Der auffälligste Spieler auf dem Feld war ohne Frage Julio Jones, über den das komplette Passspiel der Falcons lief. Ebenfalls erwähnenswert: Er brauchte eine Weile, doch in der zweiten Hälfte, als die Eagles ihn brauchten, wachte Ajayi auf und trug das Run Game der Eagles mit mehreren physischen Runs.

Der Flop des Spiels: Matt Ryan

Foles hatte ein schwaches Spiel, das hatte sich auch im Vorfeld etwas angedeutet. Ryan dagegen spielte drastisch unter seinem eigenen Niveau: Bei langen Pässen schien die Armstärke komplett zu fehlen, im Underneath-Passing-Game war seine so gewohnte Accuracy überhaupt nicht da. Die Interception in der Red Zone zu Beginn des vierten Viertels war ein absurder Pick, klar in Coverage, dazu kamen unnötige Sacks beim letzten Drive. Dieses Spiel war ohne jede Frage für Atlanta zu gewinnen - hätte Ryan halbwegs auf seinem normalen Level gespielt.

Eagles vs. Falcons - die Taktik-Tafel

  • Atlanta zeigte von der ersten Sekunde an zunächst die Vielseitigkeit, die man sich vorher erhofft hatte: Die Falcons setzten mehrfach einen Fullback ein und passten auch aus 21-Personnel, sie nutzten Pre-Snap-Motion, Run Pass Options, Bunch Formation, Play Action bei First Down und aus Run Formationen, gute Screen-Designs und im Run Game End Arounds (unter anderem über Julio Jones) genau wie Pull-Blocker neben dem gewohnten Zone Run Game.
  • In der Red Zone aber offenbarte Sarkisian dann genau die Defizite, die man letztes Jahr sehen konnte, mit unkreativen Runs aus offensichtlichen Running-Formationen und Isolation-Pass-Designs. Die Play-Calls insgesamt wurden im Laufe des Spiels zunehmend fragwürdiger. Gleichzeitig war Ryan, der auch einige Male Interception-Glück hatte, in der Red Zone weniger präzise, er hätte etwa einen Touchdown-Pass zu Freeman bei einem guten Play-Call haben können.
  • Es war ein schwaches Spiel von Foles, der die negativen Eindrücke aus der Preseason bestätigte. Foles wirkte extrem unsicher, war enorm ungenau im Passspiel und übersah offene Receiver, auch hatte er großes Glück bei mehreren Beinahe-Interceptions. Dabei passten die Eagles den Game Plan schon an, Foles erhielt viele einfache Reads, insbesondere durch Run Pass Options und durch viele Dump-Offs zu Agholor und Sproles. Doch auch das half nur sehr bedingt, die Eagles könnten in den kommenden Wochen noch mehr auf den Run setzen.

  • Es dauerte bis früh ins zweite Viertel, ehe Jay Ajayi, der sich bis zuletzt mit einer Fußverletzung herumgeplagt hatte, erstmals den Ball tragen durfte. Sproles und Clement durften vor dem vermeintlichen Starter ran. Gerade die Sproles-Runs aus Spread-Formations funktionierten gut, als Pass-Empfänger bringt er fraglos mehr Wert mit als Ajayi und kann daraus für Philadelphia, genau wie Clement, eine wertvolle Matchup-Waffe sein.
  • Auch spielte Philly einige Unbalanced Formations mit beiden Tackles auf einer Seite. Außen waren die Eagles gewohnt stark, auch Peters hatte bei seinem Comeback ein sehr gutes Spiel. Über Ajayi aber lief das Inside-Run-Game am besten, auch weil Pedersons Run-Designs mit Formationen und Misdirection-Fakes wesentlich effizienter sind als die von Sarkisian: Pederson ließ immer wieder aus Spread-Formations Inside laufen, Sarkisian wählte hier zu häufig enge Heavy-Sets - und ließ viel zu oft gegen 8- und 9-Men-Boxes laufen. Red-Zone- und Run-Game-Play-Calling waren zwei der entscheidenden Unterschiede.
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