NFL: Die New England Patriots nach dem Super-Bowl-Triumph

Mit der Kraft der dummen Hügel

Montag, 06.02.2017 | 16:30 Uhr
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Zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren gewinnen die New England Patriots den Super Bowl - und toppen gegen die Atlanta Falcons sogar das sensationelle Finish aus dem Seahawks-Spiel. Dabei sorgen die Patriots für Rekorde, und zwingen Atlanta letztlich physisch in die Knie. Nicht unerheblich dabei: Die Hügel in New England.

"Wir haben diese dummen Hügel in Foxborough, die wir hoch rennen müssen, im Prinzip haben wir das gemacht, bis wir hier her geflogen sind", grinste Julian Edelman nach dem Spiel. "Und wir zicken rum und beschweren uns darüber. Aber wir machen es. Wir haben hart gearbeitet, auch an unserer Kondition, und wir wussten, dass wir sie müde machen könnten, wenn wir den Fuß auf dem Gaspedal halten."

Nun war es nicht so, dass die Patriots eine sinnvolle Alternative gehabt hätten - zu groß war das Loch, in das Atlanta mit seiner Big-Play-Offense New England geworfen hatte. "25 Punkte im Rückstand", erklärte gar Tom Brady selbst, "ich meine - es ist schon schwer, sich vorzustellen, dass wir das noch gewinnen."

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An der Seitenlinie des frisch gebackenen Champions herrschte dieses Gefühl während des Spiels jedoch nicht vor. "Ich habe die ganze Zeit daran geglaubt. Tom hat uns den letzten Kick gegeben, er hat jeden gepusht", verriet etwa Receiver Chris Hogan und auch Tight End Martellus Bennett stellte anschließend klar, dass er nie gezweifelt habe. 3:28 stand es, als die Aufholjagd der Patriots langsam aber sicher begann. Und das von Edelman angeschnittene Konditionstraining voll zum Tragen kam.

Atlantas Defense weich geklopft

Denn Atlantas Defense wurde, man kann es nicht anders sagen, weich geklopft. New England hatte allein im vierten Viertel und der Overtime 35 Plays (14:09 Minuten Ballbesitz), die Falcons nur 13 (4:49). Insgesamt belief sich die Zahl auf 93 Patriots-Offense-Plays und derer 46 für Atlanta. Zur Einordnung: Der Liga-Schnitt in dieser Saison lag bei 64 Plays, seit den Miami Dolphins im sechsten Super Bowl hatte kein Team so wenige Offensivspielzüge in einem Super Bowl wie die Falcons.

Kommentar zum Patriots-Sieg: Das unbeliebte Glück

Eine enorme Diskrepanz auf beiden Seiten, und die Müdigkeit war Atlantas Defense förmlich anzusehen. Hatte die Defensive Line anfangs noch Druck jede Menge gemacht und New Englands O-Line überraschend komplett kontrolliert, hatte Brady jetzt plötzlich Zeit in der Pocket. Hatte die Secondary in der ersten Hälfte noch viel Press-Coverage gespielt und Atlanta die Box häufig mit sieben oder acht Spielern zugestellt, musste Head Coach Dan Quinn den vielen Snaps Rechnung tragen und vermehrt auf Zone Coverage umstellen. Und dort häuften sich die Fehler.

Plötzlich war James White immer wieder frei: Mit 14 Catches sowie 110 Receiving-Yards stellte White neue Super-Bowl-Rekorde für einen Running Back auf, erzielte die letzten beiden Touchdowns und lief eine kritische 2-Point-Conversion beim direkten Snap in die Endzone.

"Er hat den Ball bei einigen der Angle Routes gegen die Zone Coverage erhalten, und konnte daraus ordentliche Raumgewinne erzielen", lobte Head Coach Bill Belichick. "Atlanta hat gegen Ende des Spiels mehr Zone gespielt, und James konnte das ausnutzen. Danny Amendola hat dagegen einen Touchdown erzielt. Mit der Man Coverage früher im Spiel sind wir davor nicht so gut klar gekommen."

Schluss mit dem Graben

Das allerdings war nicht das einzige Problem. New England wirkte über die komplette erste Halbzeit mental von der Rolle - ein ungewohntes Bild. Die sonst so verlässlichen Hogan und Edelman leisteten sich einfachste Drops, Brady warf ungenaue Pässe sowie seinen Pick Six in klare Double Coverage, die bisher in dieser Saison so verlässliche Offensive Line wurde teilweise überrannt und LeGarrette Blount unterlief tief in der Falcons-Hälfte ein Fumble.

Mehr noch: New England konnte defensiv auch mit verschiedenen Cornerback-Safety-Kombinationen die Big Plays auf Julio Jones nicht verhindern, während Atlantas Outside-Runs extrem effizient waren. So gruben und gruben die Falcons am Loch für die Patriots - hörten beim Stand von 28:3 jedoch auf.

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Obwohl Atlanta im Schnitt 5,7 Yards erlief, ließ Kyle Shanahan nach dem vierten Touchdown lediglich noch fünf Runs spielen. Das trug maßgeblich zu den kurzen Drives bei und verschaffte New Englands Offense zusätzliche Zeit. Und während die Patriots scheinbar immer schärfer agierten und die Ruhe bewahrten, häuften sich bei Atlanta die Fehler.

Strafen machten den Falcons das Leben schwer, darüber hinaus ließ die O-Line um den angeschlagenen Alex Mack gegen den wahrlich nicht furchteinflößenden Pats-Pass-Rush bei 28 Dropbacks von Matt Ryan fünf Sacks zu - eine horrende Quote.

"Den hast du nicht gefangen!"

So zog es sich wie ein roter Faden durch das Spiel: Die Falcons bauten physisch und mental immer weiter ab, die Patriots konnten noch Körner nachlegen - und hatten dann auch das Glück auf ihrer Seite: Ein unglaublicher Catch von Edelman, ein Pass, der eigentlich in einer Interception hätte enden müssen, ließ Erinnerungen an die Patriots-Schrecken David Tyree, Mario Manningham und Jermaine Kearse wach werden.

Als "Wendepunkt" sollte es Offensive Coordinator Josh McDaniels anschließend bezeichnen. "Ich glaube, in manchen Spielen brauchst du ein, zwei Plays, die zu deinen Gunsten ausgehen. Als der Ball abprallte und in die Luft flog, konnte ich nur die Luft anhalten und hatte Angst vor der Interception."

Falcons-Safety Ricardo Allen hatte Edelman direkt nach dem Play "noch gesagt: 'Den hast du nicht gefangen!' Aber dann haben wir oben die Zeitlupe gesehen, und es war klar - das war eine großartige Aktion von ihm."

"Lasst es uns für sie gewinnen"

All das hatte nichts mit der im Vorfeld so gerne als Narrativ verwendeten "Extra-Motivation" Bradys aufgrund der Deflate-Gate-Sperre zu tun. Oder damit, dass Atlantas Defense - ein deutlich nachvollziehbareres Argument - ob ihrer Jugend Nerven gezeigt hätte.

Es war ein physischer Unterschied, die zahlreiche Man Coverage hatte die Secondary müde gemacht, die vielen Rushes die Defense Line stark beansprucht und die schiere Spielzeit war für die Defense nicht zu stemmen. Das war der Unterschied, das nutzten die Patriots aus.

Und wenn man sich doch eine Hintergrund-Geschichte raussuchen will, dann wäre es wohl am ehesten die von Bradys Mutter Galynn. Die 72-Jährige hat seit einer Weile schwere Gesundheitliche Probleme, was Brady im Laufe der Saison wohl immer wieder zu schaffen machte.

So verriet Teambesitzer Robert Kraft nach dem Spiel: "Wir haben in der Kabine im Vorfeld darüber gesprochen. Das ist das erste Spiel in dieser Saison, bei dem seine Mutter dabei war. Sie hat viel durchgemacht, und er hat gesagt: 'Lasst es uns für sie gewinnen!' Daran musste ich denken, als wir mit 28:3 hinten lagen - wie sich das für ihn angefühlt hat."

Brady der Größte aller Zeiten

Am Ende jedoch war all das wie weggeblasen und Bradys größte Sorge wohl die Tatsache, dass sein Trikot geklaut wurde. Mit dem Sieg, und der Art und Weise, wie er zustande gekommen ist, wird es schwer bis unmöglich, einen anderen Quarterback noch vor den 39-Jährigen zu setzen - eine Disziplin, die über die letzten ein bis zwei Jahre ohnehin stark an Teilnehmern verloren hat.

Nie zuvor hatte ein Team den Super Bowl gewonnen, wenn es mit mehr als zehn Punkten zurück lag. Der fünfte Ring gelang Brady, der mit 466 Passing-Yards einen neuen Super-Bowl-Rekord aufstellte, via 25-Punkte-Comeback. Mit diesem Spiel, mit diesem fünften Titel führt kein Weg mehr an Brady vorbei.

Die Aufmerksamkeit lenkte er anschließend, wie gewohnt, dennoch auf andere. Namentlich auf Edelman: "Von allen Catches, die ich jemals gesehen habe, war das einer der Besten. Ich weiß nicht, wie er ihn gefangen hat. Und ich glaube, er selbst weiß das auch nicht."

In gewisser Weise stimmte der Receiver dem zu. "Ich wusste, dass ich den Ball gut gepackt hatte. Aber ich wusste nicht, ob ein Teil des Balls den Boden berührt hatte. Ich kenne die verdammte Regel nicht. Niemand kennt die Regel", erklärte Edelman und fügte hinzu: "Ich bin mir aber relativ sicher, dass ich ihn gefangen habe."

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