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Special Teams unter der Lupe

Spezialisten mit X-Faktor-Garantie

Mittwoch, 28.10.2015 | 19:03 Uhr
Patriots-Punter Ryan Allen kickt das Ei im Super Bowl XLIX zu den Seahawks
© getty
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Der Punt

"Er ist eine Waffe", betonte Jaguars-Geschäftsführer Gene Smith vor gut drei Jahren und war sich sicher, dass Bryan Anger "zweifellos einen Einfluss auf unser Team haben wird". Smith musste sich damals rechtfertigen, da er mit Anger einen Punter in der dritten Runde des Drafts gewählt hatte. Seit die Bears 1985 Punter Todd Sauerbrun in der zweiten Runde geholt hatten, hatte es nichts Vergleichbares gegeben. Die Jags ernteten damals viel Spott, gibt es doch viele Positionen in einem NFL-Team, die wichtiger sind.

Aber: Ein guter Punter kein für ein Team sehr viel wert sein, Stichwort - mal wieder - Field Position. Gelingt es einem Team außerhalb von Field-Goal-Reichweite nicht, mit drei Versuchen ein neues First Down zu erreichen, wird meistens gepuntet. Somit stellt sich unweigerlich die Frage, wo der gegnerische Drive startet. Ein guter Punter schafft es, Teams möglichst weit in deren Hälfte zurück zu treiben und der eigenen Defense so mehr Spielraum zu geben - ein nicht zu unterschätzendes Element.

Das Team, das sich zum Punt aufstellt, hat dabei klare Positionsbeschreibungen: Der Snapper, der den Ball zum Punter wirft, ist auch für die Protection im Zentrum verantwortlich. Am Ende der Line of Scrimmage stehen zwei Spieler, die als "Wings" bezeichnet werden und für die Outside-Rusher, die den Punt blocken wollen, zuständig sind. Darüber hinaus gibt es die "Personal Protector", die kurz vor dem Punter stehen und jeden aufhalten, der durchbricht.

Der Gunner: Allein gegen zwei

Wird der Punt geblockt, darf ihn sich jeder Spieler holen. Da das somit aber mutmaßlich hinter der Line of Scrimmage liegt, geht der Ballbesitz so oder so an das verteidigende Team über - schließlich hätte die Offense nach wie vor kein First Down erreicht. Ein geblockter Punt darf auch zum Touchdown in die Endzone getragen werden. Gelingt aber kein Block, gilt es für das puntende Team, den Return-Man möglichst schnell zu erreichen und zu stoppen, sobald der den Ball in den Händen hat. Elementar dafür: Die sogenannten "Gunner".

Die Gunner stehen nah an den beiden Seitenlinien und müssen nach dem Snap wie von der Tarantel gestochen losrennen. Meist haben sie dabei gleich zwei direkte Gegenspieler, die sie stoppen wollen. Der Gunner soll prinzipiell der erste Spieler sein, der beim Punt-Returner ist - Geschwindigkeit ist hier ein wesentliches Attribut. Dabei darf er nicht freiwillig ins Seitenaus laufen, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Passiert das doch, muss er schnellstmöglich wieder ins Feld zurück und darf daraufhin nicht der erste Spieler sein, der den Ball berührt. Das würde eine "Illegal Touching"-Strafe nach sich ziehen.

"Du musst sehr schnell viel Raum überbrücken und zwei Gegenspieler wollen dich daran hindern. Viele Leute wissen gar nicht, wie kreativ du da oft sein musst. Du musst einen bestimmten Punkt erreichen, der noch gar nicht feststeht, wenn du losläufst", erklärte Steve Tasker, langjähriger Gunner und siebenfacher All-Pro, dem Esquire. Matthew Slater, der in New England zum Pro-Bowler wurde, fügte hinzu: "Ich schaue immer auf den Returner. Ich schaue nie nach dem Ball, sondern kümmere mich nur um denjenigen, der ihn fangen soll."

Der Punt-Return

Jener Return-Man hat mehrere Möglichkeiten: Winkt er, bevor der Ball bei ihm ankommt, mit einem Arm sichtbar über dem Kopf, signalisiert er den Fair Catch und darf, genau wie beim Kick Returner, nicht angegangen werden. Berührt er den Ball aber und lässt ihn fallen (ein sogenannter "Muffed Punt"), darf sich jeder darauf stürzen - das Team, das sich das Ei dann schnappt, erhält den Ballbesitz.

Daher gibt es hier echte Spezialisten, die eine Karriere primär als Punt-Returner hingelegt haben. Devin Hester wäre hier vor allem zu nennen. Aktuelle Beispiele sind Jacoby Jones (San Diego) oder auch Dwayne Harris von den Giants. Gleiches gilt für die Gunner, wie zum Beispiel Arizonas Justin Bethel. Meist handelt es sich dabei um Receiver oder um Cornerbacks, also schnelle Athleten, die den Ball fangen können.

Geht der Punt in die eigene Endzone, muss der Returner überhaupt nichts machen - in dem Fall startet die Offense automatisch an der 20-Yard-Line. Deshalb ist es für das Punt-Team besonders wichtig, Punts innerhalb der 20-Yard-Line aber vor der Endzone zu halten, um die gegnerische Offense möglichst nahe an die eigene Endzone zu platzieren. Genau: Field Position.

NFL-Defenses unter der Lupe: Der Weg des größten Widerstandes

Manchmal sieht man deshalb, wie ein Spieler einen Punt spektakulär aus der Endzone zurück wirft. Das ist allerdings nur erlaubt, solange er selbst oder der Ball die Goal Line oder die Endzone nicht berührt hat. Ein anderes Mittel, um die gegnerische Offense möglichst nah an der eigenen Endzone starten zu lassen, ist der Punt ins Seitenaus. Passiert das, startet die Offense genau da, wo der Ball über die Seitenlinie geflogen ist und der Return-Man hat somit keine Chance.

Gleichzeitig aber gilt es, für die Gunner und generell alle Spieler des Punt-Teams (das "Coverage Team"), wachsam zu sein: Berührt nämlich ein Spieler des Teams, das gerade den Punt ausgeführt hat, den Ball als erstes ohne ihn sich auch zu sichern, hat das Return-Team ein Free Play. Soll heißen: In dem Fall ist ein Turnover nicht möglich, selbst wenn der Return-Man den Ball wieder fallen lässt und ihn an den Gegner verliert. Ein Turnover ist nur dann möglich, wenn ein Spieler des Return-Teams den Ball berührt, das Coverage-Team ihn dann aber als erstes sichert.

Field Goal und PAT

In gewisser Weise das Komplementärstück zum Punt ist der Field-Goal-Versuch. Der kommt schließlich ebenfalls dann zum Einsatz, wenn ein Team bei drei Versuchen kein neues First Down erreicht - dabei aber schon weit genug in der gegnerischen Hälfte ist, um ein Field Goal zu versuchen. In aller Regel trifft das auf nahezu jede Distanz innerhalb von rund 50 Yards zu (abhängig vom Kicker auch mehr). Aber: 50 Yards Entfernung ist nicht gleich 50-Yard-Linie.

Grundsätzlich gilt: Um die Entfernung des Field-Goal-Versuchs zu errechnen, addiert man 17 Yards zur Line of Scrimmage. 17 Yards deshalb, weil der Goal-Pfosten (seit 1974, bis dahin stand er auf der Goal Line) am Ende der zehn Yard langen Endzone steht. Der Kick findet seinerseits sieben Yards hinter der Line of Scrimmage statt. Dort wartet der Holder, um den Snap entgegen zu nehmen und für den Kicker bereit zu halten. Der Holder ist meistens der Punter oder der Backup-Quarterback - letzteres ist ideal dafür, um einen Fake Punt oder ein Fake Field Goal zu versuchen und doch zu passen.

Die sieben Yards hinter der Line of Scrimmage bedeuten aber gleichzeitig ein zusätzliches Risiko, vor allem wenn in der Overtime ein Field Goal zum Sieg reicht: Geht der Kick nicht zwischen die umgerechnet rund 5,6 Meter voneinander entfernten Torstangen, bekommt die gegnerische Offense den Ball an der Stelle, an der der Kick ausgeführt wurde und nicht an der Line of Scrimmage. Somit kann es in bestimmten Situationen sinnvoller sein, ein Fourth Down auszuspielen und auf ein neues First Down zu gehen, statt ein riskantes Field Goal zu versuchen.

Quarterbacks im Visier: Messias und Sündenbock

Aus kurzen Distanzen sind viele Kicker inzwischen sehr präzise - in der laufenden Saison etwa gab es bislang nur vier Fehlversuche bei Field Goals aus bis zu 29 Yards (bei 109 Versuchen) und neun Fehlschüsse bei Field Goals aus 30 bis 39 Yards (112 Versuche). Danach wird es merklich schwieriger: 27 Kicks (von 127) wurden schon vergeben, wenn der Kick aus 40 bis 49 Yards Entfernung versucht wurde. Bei Field-Goal-Versuchen über 50 Yards wurden bisher 23 von 64 verwandelt.

Ein geblockter Kick wird genauso behandelt wie ein geblockter Punt und kann ebenfalls zum Touchdown in die Endzone zurück getragen werden. Gleiches gilt für einen Kick, der vor den Torstangen landet.

Gleiches gilt auch für den PAT ("Point-after-Touchdown"), den Extra-Punkt nach dem Touchdown - wenngleich es, sollte er in die gegnerische Endzone zurückgebracht werden, nur zwei Punkte gibt. Bei diesem Extra-Punkt wurde vor dieser Saison die Line of Scrimmage von der 2-Yard-Linie an die 15-Yard-Linie zurückversetzt, um den Versuch etwas spannender zu machen.

Der Free Kick

Neben Punt, Field Goal und Kick-Off gibt es noch eine vierte Art des Kicks: Den "Free Kick" oder "Safety Kick". Wie der Name schon vermuten lässt, kommt dieser nach einem Safety zum Einsatz - und zwar nicht vom punktenden, sondern von dem Team, das den Safety zugelassen hat. Dabei hat das kickende Team die Auswahl, ob es den Ball per Punt, Drop Kick oder in Field-Goal-Manier weg befördert. In jedem Fall muss der Kick nach einem Safety von der eigenen 20-Yard-Line erfolgen.

Den "Free Kick", in dem Fall auch als "Fair Catch Kick" bekannt, gibt es allerdings auch noch in einer anderen Rolle: Hat ein Team nach einem Punt einen Fair Catch durchgeführt, kann es an Stelle eines normalen Plays diese spezielle Art des Field Goals anpeilen. Das muss per Drop Kick oder mit einem Holder erfolgen, allerdings gibt es hier leicht veränderte Regeln. Die Einschränkungen bezüglich der Aufstellung sind eher wie beim Kick-Off, soll heißen: Das gegnerische Team muss mindestens zehn Yards entfernt sein.

Ein Block ist somit kaum möglich und das macht diesen, äußerst seltenen, Field-Goal-Versuch vor allem aus großer Distanz und kurz vor dem Ende einer Halbzeit interessant. San Franciscos Phil Dawson etwa versuchte vor zwei Jahren in St. Louis einen 71-Yarder.

Allerdings kann dieser Kick, genau wie ein regulärer Field-Goal-Versuch, zum Touchdown zurückgetragen werden. Gelingt das Field Goal, gibt es drei Punkte. Gelingt es aber nicht und es ist noch Zeit auf der Uhr, bekommt der Gegner den Ball an der Stelle, an welcher der Kick erfolgte. Wie bei so vielen Entscheidungen rund um ein Special Team also ein zweischneidiges Schwert.

Seite 1: Einführung, Kick-Off, Onside Kick

Seite 2: Punt, Punt-Return, Field Goal und Free Kick

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