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NBA: Die Indiana Pacers nach der Free Agency - Kluge Entscheidungen und eine große Herausforderung

Von Philipp Schmidt
Domantas Sabonis und Myles Turner sollen zukünftig den Frontcourt in der Starting Five bilden.

Die Indiana Pacers wollen in der Eastern Conference den nächsten Schritt machen und näher an die Spitzenteams heranrücken. Ein Baustein auf dem Weg dorthin soll Neuzugang Malcolm Brogdon sein, der seinen stolzen Preis rechtfertigen muss. An anderer Stelle stehen die Pacers vor einer großen Herausforderung.

Als klar wurde, dass die Indiana Pacers sich in der Free Agency um einen Point Guard bemühen müssen, waren die Sorgen in der Anhängerschaft groß. Kurz zuvor gab Darren Collison - der ohnehin Free Agent geworden wäre - bekannt, dass er seine Karriere beenden und sich zukünftig der Familie und dem Glauben widmen will.

Die Fans fürchteten, dass die Wahl auf Spieler wie Terry Rozier und Ricky Rubio fallen könnte, die ihrer Meinung nach wahlweise einen Backstein nach dem anderen auf die Reise schicken oder den Wurf gleich komplett verweigern würden. Für einen solchen Spieler Unsummen an Geld bezahlen? Das würde dem homogenen Pacers-Team doch nur schaden und es in seiner Entwicklung kein Stück voranbringen.

Während die genannten Rozier (für drei Jahre, 56,7 Mio. bei den Hornets) und Rubio (für drei Jahre, 51 Mio. bei den Suns) teure Verträge bei Lottery-Teams bekamen, fiel die Wahl von Pacers-Präsident Kevin Pritchard zur Freude aller Anhänger auf Malcolm Brogdon von den Milwaukee Bucks.

Der unterschrieb zwar ebenfalls für eine beachtliche Summe von 85 Mio. Dollar über vier Jahre, bringt aber auf dem Papier wesentlich weniger Fragezeichen als die Kollegen Rubio und Rozier mit.

Malcolm Brogdon: Tödlicher Schütze mit vielen Qualitäten

Statt für den Restricted Free Agent ein Offer Sheet abzugeben, entschied sich Indianas Besitzer Herb Simon dazu, in Absprache mit dem Owner der Bucks einen Trade einzufädeln, da er seinen Geschäftspartner nicht "mit einem toxischen Angebot unter Druck setzen" wollte. Im Rahmen dieses Deals wanderten für Brogdon ein zukünftiger Erstrundenpick (2020) sowie zwei Zweitrundenpicks nach Wisconsin.

Brogdon, Zweitrundenpick im Draft 2016 und ein Jahr später (in einem schwachen Jahrgang) zum Rookie of the Year gewählt, legte in der vergangenen Saison Karrierebestwerte in Punkten (15,6) und Rebounds (4,5) auf. Dies gelang ihm bei beeindruckenden Quoten von 50,5 Prozent aus dem Feld, 42,6 Prozent aus der Distanz und 92,8 Prozent von der Freiwurflinie.

Brogdon ist damit erst der zehnte Spieler der NBA-Historie, der bei mindestens 1000 Minuten Spielzeit dem elitären 50-40-90-Klub beitritt. Zu den weiteren Mitgliedern gehören unter anderem Dirk Nowitzki, Kevin Durant, Stephen Curry oder Steve Nash.

Ihn jedoch einzig als Floor Spacer zu sehen, wird Brogdon nicht gerecht. Dieser Meinung ist auch sein neuer Backcourt-Partner Victor Oladipo: "Wir haben oft gegen die Bucks gespielt und ich sage seit einer langen Zeit, dass Malcolm der perfekte Pacer wäre", sagte er gegenüber ESPNs Jackie McMullan und ergänzte: "Ich wollte schon immer neben ihm spielen und freue mich riesig auf diese Möglichkeit."

Malcolm Brogdon: Statistiken bei den Milwaukee Bucks

SaisonSpieleMinutenPunkteReboundsAssistsDreierquoteFreiwurfquote
2016/177526,410,22,84,240,486,5
2017/184829,9133,33,238,588,2
2018/196428,615,64,53,242,692,8

Indiana Pacers: Oladipo und Brogdon als Backcourt der Zukunft

In der abgelaufenen Spielzeit fiel Brogdon aufgrund eines Risses der Plantarfaszie in der Endphase der Regular Season aus und kehrte erst in Spiel 5 der Conference Semifinals gegen die Celtics zurück. Dann stellte er seinen Wert fürs Team umgehend unter Beweis und verdrängte Eric Bledsoe in der Crunchtime zu großen Teilen auf die Bank. Dies hatte seine Gründe: Neben den Stärken im Shooting ist der 26-Jährige ein physischer Verteidiger und ein mehr als solider Playmaker, der zukünftig Oladipo merklich entlasten kann.

Diese Tatsache gewinnt umso mehr an Bedeutung, da der Pacers-Star nach seiner schlimmen Beinverletzung frühestens im Dezember zurückkehren wird und eine Eingewöhnungsphase unvermeidbar ist. Ob mit oder ohne Oladipo kommt Brogdon die Aufgabe zu, Indianas Offensive am Laufen zu halten.

Bei aller Euphorie muss Indiana bis zum Saisonstart zwei Fragen beantworten: Einerseits müssen die Pacers den schmerzhaften Abgang von Free Agent Bojan Bogdanovic verkraften, der für über 73 Mio. Dollar bei den Jazz unterschrieb und sich nach dem Ausfall von Oladipo zur primären Scoring-Option entwickelte. In den Playoffs nahm der Kroate knapp 16 Würfe pro Spiel und legte dabei 18 Punkte und 5,8 Rebounds auf.

Ihn soll T.J. Warren ersetzen, der per Trade von den Suns kommt und dem in den kommenden drei Jahren noch 35,2 Mio. Dollar zustehen. Zwar ist Warren ein vielseitiger Scorer, der in den vergangen beiden Jahren durchschnittlich 19 Punkte auflegte, aber an die Qualitäten eines Bogdanovic in puncto Distanzwurf und Defense kommt der 25-Jährige bei weitem nicht heran. Alternativ steht zudem Jeremy Lamb zur Verfügung, der für drei Jahre (und angemessene 31,5 Mio. Dollar) aus Charlotte kam und flexibel auf dem Flügel einsetzbar ist.

Sabonis und Turner: Wie funktioniert das Zusammenspiel?

Problem Nummer zwei ist von tiefgreifender Bedeutung für die Zukunft im Hoosier State: Was wird aus den Frontcourt-Hoffnungen Myles Turner und Domantas Sabonis? Nachdem der Litauer in der Saison 2018/19 nur bei fünf seiner 74 Einsätze in der Starting Five stand, stellte Coach Nate McMillan gegenüber Mark Montieth von Pacers.com klar, dass sich dies in der kommenden Spielzeit "auf jeden Fall" ändern werde.

Diese Aussage wird durch den Abgang von Teamkapitän und Veteran Thaddeus Young untermauert, der als Power Forward gesetzt war. Die Paarung Sabonis-Turner bringt in der Theorie viele Vorteile mit sich: Beide verfügen über einen respektablen Distanzwurf, beide können im Low-Post operieren, beide sind gute Rebounder (Sabonis sogar ein sehr guter).

Anders stellt sich die Situation der beiden Spieler, die in der vergangenen Saison das beste und zweitbeste Player Efficiency Rating der Pacers auflegten, am anderen Ende des Feldes dar. Während Shotblocker Turner die Zone bewacht, ist Sabonis dazu gezwungen, auch bewegliche Flügelspieler zu verteidigen. McMillan gab zu, dass der 23-Jährige in diesen Situationen Hilfe brauche, aber diese Konstellation auch gleichzeitig in der Offensive ausnutzen könne.

Derweil ist sich der verletzte Oladipo sicher, dass die beiden Hoffnungsträger die Pacers auf ein anderes Level heben können: "Wir können ganz besonders sein. Domantas hat sich extrem verbessert und Myles wurde des All-Defensive-Teams beraubt. Es ist verrückt, dass jemand, der die Liga in Blocks (2,7 pro Spiel, Anm. d. Red.) anführt, nicht gewählt wird", sagte er.

Bei Turner und Sabonis muss noch der Beweis erfolgen, dass sie auf dem Feld koexistieren können - in Sachen Brogdon hingegen haben weder die Verantwortlichen noch die Fans auch nur den geringsten Zweifel.

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