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NBA Finals - Golden State Warriors gewinnen Spiel 5 nach Durant-Schock: Echte Krieger

Von Philipp Jakob
Stephen Curry und Klay Thompson führen die Warriors zum Sieg in Spiel 5.

Die Golden State Warriors müssen beim Zittersieg in Spiel 5 der NBA Finals gegen die Toronto Raptors einen herben Rückschlag wegstecken. Nach der schlimmen Verletzung von Kevin Durant springen die Splash Brothers in die Bresche und zeigen ihre Kämpferqualitäten. Das werden die Dubs auch in den kommenden Partien brauchen.

Als Bob Myers auf der Pressekonferenz nach Spiel 5 der NBA Finals die schlechten Nachrichten über den Gesundheitszustand von Kevin Durant verbreitete, saß Stephen Curry noch vor seinem Spind in der Umkleidekabine und sprach mit Reportern.

Myers, seit 2012 der Architekt der Dubs-Teams, ließ seinen Emotionen freien Lauf, der Schock über die Achillessehnenverletzung des zweimaligen Finals-MVPs war ihm anzusehen, sein Leid alles andere als gespielt. Als Curry dieses Video vorgespielt bekam, kamen auch ihm die Tränen.

Man kann sich das Wechselbad der Gefühle, das die Warriors nach dem finalen Buzzer von Spiel 5 und dem damit verbundenen 106:105-Sieg durchmachten, kaum vorstellen. "Ehrlich gesagt, ich glaube nicht, dass ich das gerade beschreiben kann", sagte auch Head Coach Steve Kerr angesprochen auf seine Gefühlswelt.

"Ich habe gerade dem Team gesagt, dass ich nicht weiß, was ich sagen soll ... wir haben alle gerade ein sehr bizarres Gefühl. Es ist ein unglaublicher Sieg und eine grausame Niederlage zur selben Zeit." Damit brachte Kerr die Situation der Warriors recht gut auf den Punkt.

Golden State Warriors: Mischung aus Traurigkeit und Stolz

Ähnliche Äußerungen wie die des Head Coaches waren von vielen Teammitgliedern sowie Besitzer Joe Lacob zu hören. Einerseits war da der Stolz auf das Erreichte: Golden State stand mit dem Rücken zur Wand, eine Niederlage von dem Ende aller Threepeat-Hoffnungen entfernt. Doch die Warriors entgingen dem Aus, machten den Feierlichkeiten der Raptors einen Strich durch die Rechnung und erzwangen Spiel 6 in der Oracle Arena - trotz aller Widrigkeiten.

Doch auf der anderen Seite war dieses niederschmetternde Wissen um die schwere Verletzung von Durant. Er hatte die Dubs in den vergangenen beiden Saisons zur Championship geführt und sollte dies auch dieses Jahr wieder tun, nachdem Golden State in den ersten vier Partien einige Probleme mit den Raptors hatte. Doch nun? Die Warriors rechnen mit einem Achillessehnenriss.

"Ich habe schon viel erlebt, seit ich dieses Team besitze", erklärte Lacob gegenüber Ramona Shelburne von ESPN. "Ein paar Tiefpunkte sowie viele Höhepunkte." An diesem Abend empfinde er eine Mischung aus "unglaublichem Stolz" und "tiefer Traurigkeit". Damit war er nicht alleine.

Klay Thompson: "Wir haben das für Kevin Durant getan"

Die Finals-Serie ist nach dieser Verletzung nicht mehr dieselbe. In den vergangenen Spielen dominierte sowohl im Warriors-Fanlager als auch bei den Akteuren auf dem Court noch die Hoffnung auf ein baldiges KD-Comeback, andererseits wurden die Chancen des amtierenden Champions nicht sonderlich hoch eingeschätzt.

Nun ist klar, dass in Spiel 6 (Freitag, ab 3 Uhr live auf DAZN) und in einem potenziellen Spiel 7 die verbliebenen Krieger wie bereits zuvor auf sich allein gestellt sein werden. Durant wird definitiv nicht mehr zurückkommen. Dieser Umstand kann allerdings auch gewisse Kräfte freisetzen. Das hat Spiel 5 eindrucksvoll gezeigt.

"Wir haben das für Kevin getan", erklärte Klay Thompson nach der Partie, wie die Warriors trotz des Rückschlags den Sieg einfahren konnten. In den Anfangsminuten legte Golden State mit Durant einen dominanten Start hin. Mit der Hamptons 5 auf dem Parkett war das Spacing deutlich besser als in den vergangenen Partien, wovon die Offensive der Dubs sichtlich profitierte.

"Man hat gesehen, zu was wir in der Lage sind, wenn er auf dem Feld ist. Er ist ein echter Krieger, so wie er rausgeht, mit seinem Team in den Kampf zieht und dabei seine Gesundheit aufs Spiel setzt", so Thompson. Ein Krieger, der derzeit nicht umsonst als wohl bester Spieler der Welt gilt. In KDs knapp zwölf Minuten auf dem Court legten die Dubs ein überragendes Offensiv-Rating von 154,5 auf. Dann kam der Schockmoment mit der Verletzung, ein Bruch im Spiel der Warriors blieb jedoch (zunächst) aus.

Die Splash Brothers springen in die Bresche

Das lag unter anderem an DeMarcus Cousins, der laut Marc J. Spears in den vergangenen Tagen Extra-Schichten einlegte, um möglichst fit zu werden, und bevor er defensiv auseinandergenommen wurde kurz nach Durants Ausfall 9 Punkte in 5 Minuten auflegte.

Das lag unter anderem an Draymond Green, der mal wieder eine Menge Energie, starke Defense und gutes Playmaking lieferte. Nicht zuletzt bekam Green beim potenziellen Gamewinner von Kyle Lowry noch die Fingerspitzen an den Ball.

Das lag unter anderem an Kevon Looney, der KD im Lineup der Warriors quasi "ersetzte" und bevor die Rippen zu sehr schmerzten (für Spiel 6 meldete er sich bereits fit) wichtige Minuten lieferte. Doch in erster Linie lag es an den Splash Brothers.

Nichts verkörperte dies so gut wie die drei Dreier in den finalen Minuten der Partie. Kawhi Leonard schien die Partie mit einem persönlichen 10:2-Lauf an sich zu reißen und die Raptors im Alleingang zum Titel führen zu wollen. Doch Raptors-Coach Nick Nurse nahm eine Auszeit, die ausgerechnet dem Gegner neues Leben einhauchte.

Die Statistiken von Curry und Thompson in Spiel 5

MinutenPunkteReboundsAssistsTurnoverFG3FG
Stephen Curry41:113187410/235/14
Klay Thompson42:29266419/217/13

Steph Curry und Klay Thompson schießen alle Lichter aus

Kawhis Lauf endete mit einem Airball, auf der Gegenseite versenkte Klay einen Dreier aus dem Dribbling. Wenig später legte Curry ebenfalls von draußen nach, nur um anschließend zu beobachten, wie sein Kollege nach einer Sequenz hervorragenden Ball-Movements den dritten Dreier in Folge durch den Ring schweißte. Der 6-Punkte-Rückstand verwandelte sich im Nu in eine 106:103-Führung.

"Wir waren in vierten Vierteln oder spät in Spielen schon öfters in Rückstand. Coach Kerr hat ein paar großartige Spielzüge aufgemalt und Steph und ich haben saubere Würfe bekommen", analysierte Thompson. "Du willst uns nicht allzu viele davon geben, denn sie gehen meistens rein."

In Spiel 5 bedeutete das "meistens" in 12 von 27 Fällen (44,4 Prozent). Vor allem Klay war die komplette Partie über heiß (7/13 Dreier), insgesamt versenkte Golden State 20 Triples bei 42 Versuchen. So viele Dreier versenkte ein Auswärtsteam noch nie zuvor in den Finals.

Das starke Shooting des Backcourts brachte den Dubs die Führung ein. Zwar machten es die Gäste durch einige individuelle Fehler noch einmal unnötig spannend, doch Toronto konnte dies nicht bestrafen. Der so wichtige Sieg, nicht nur fürs Überleben in den Finals, sondern vor allem auch für die Warriors-Seele, gehörte Golden State.

Durant-Verletzung als Motivation für die Warriors

"Sie sind unglaublich", schwärmte Kerr von seinen überragenden Guards. "Mark Jackson hat das schon vor einigen Jahren gesagt, sie sind der beste Shooting-Backcourt aller Zeiten. Was die Leute vielleicht nicht wissen, ist, wie ehrgeizig sie sind, und ich denke, das hat man heute gesehen."

Curry und Thompson war es zu verdanken, dass Golden State die Läufe der Raptors lange Zeit abwehren, beziehungsweise in der Schlussphase einen eigenen starten konnte. Ohne Durant werden solche Heldentaten auch in den kommenden Spielen von Nöten sein, wollen die Warriors den dritten Titel in Folge doch noch perfekt machen.

Genug Motivation ist durch die schlimme Verletzung von Durant zweifelsfrei vorhanden, das machte Thompsons Kampfansage deutlich: "Wir werden versuchen, auch das nächste Spiel für ihn zu gewinnen."

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