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NBA Playoffs - Sixers gehen in Spiel 5 gegen Toronto unter: "Wir waren einfach nur schrecklich"

Von Marc-Oliver Robbers
Sixers-Center Joel Embiid ist krankheitsbedingt nicht im Vollbesitz seiner Kräfte

Die Philadelphia 76ers haben gegen Toronto die zweithöchste Playoff-Schlappe ihrer Geschichte kassiert. Die Kritik entlädt sich am erkrankten Superstar Joel Embiid. Das findet sein Coach "extrem unfair". Dabei blieb in Spiel 5 auch sein Co-Star Ben Simmons weit unter seinen Möglichkeiten.

Als 9:05 Minuten vor dem Ende Joel Embiid erlöst wurde und Coach Brett Brown beim Stand vom 101:73 für die Raptors damit symbolisch die weiße Flagge hisste, war der Arbeitstag des Centers endlich beendet.

In den 31 Minuten zuvor hatte er sich mehr über das Feld geschleppt, als - wie sonst üblich - die Zonen dominiert. 13 Punkte, 6 Rebounds und vor allem 8 Ballverluste sind nicht die Zahlen, die er normalerweise auflegt. "In der Offensive hatte er keinen richtigen Rhythmus", musste auch Brown zugeben.

Die Atemwegsinfektion, die Embiid schon die halbe Serie zu schaffen macht, raubte seinem Körper die Energie, die er für sein Spiel braucht. In den Pausen, die er bekam, vergrub er sein Gesicht völlig erschöpft in einem Handtuch. Es war förmlich zu spüren, wie sehr er sich quälte.

Sixers: Joel Embiid ein Schatten seiner selbst

Doch der Big Man will das nicht als Ausrede gelten lassen. "Das nervt. Ich weiß, dass ich einen besseren Job machen muss, damit wir gewinnen. Ich muss die kleinen Dinge machen. Wenn ich scoren muss, muss ich mich zeigen. Blöcke stellen, besser rebounden. Es liegt an mir. Ich muss mehr machen."

Die Frage, die sich stellt: Wie soll das gehen, wenn der Körper nicht mitmacht? Embiid lag die letzten beiden Tage mit Fieber im Bett. An Training oder sonstige Vorbereitung auf das Spiel war gar nicht zu denken.

Es ehrt ihn, dass er auch auf den Spott und die Provokationen der Zuschauer, allen voran von Raptors-Botschafter Drake, nicht weiter einging. Der Rapper und die Fans in der Scotiabank Arena verhöhnten ihn bei seiner Auswechslung, indem sie seinen Flugzeug-Jubel aus Spiel 3 nachahmten.

Brown verteidigt Embiid gegen "extrem unfaire Kritik"

"Ich habe gesehen, wie sie ihre Körper schüttelten. Es interessiert mich nicht, was zum Teufel sie da gemacht haben. Schön für sie. Wenn sich von meinem Jubel jemand beleidigt gefühlt hat, ist mir das egal. Mir geht es einzig darum, Spaß zu haben. Es interessiert mich nicht. Ich mache das, weil ich weiß, dass ich dominieren werde", ließ er gleich eine Ankündigung folgen.

Doch dafür muss er erst einmal gesund werden. Bereits in zwei Tagen steigt Spiel 6 in Philadelphia (in der Nacht von Donnerstag auf Freitag ab 2 Uhr live auf DAZN). Sein Coach dagegen wollte die Kritik am Big Man nicht unkommentiert stehen lassen.

"Ich bin schon irgendwie enttäuscht, wie stark er kritisiert wird. Er versucht doch, für uns zu spielen, er versucht, aus dem Bett zu kommen, um die Organisation zu repräsentieren, obwohl er kein unerhebliches Fieber hat. Ich denke, das ist extrem unfair. Einiges an Kritik, die er bekommt, kann ich nicht verstehen", kritisierte Brown.

"Natürlich wünsche ich mir, dass er beim Training wäre, natürlich wünsche ich mir, dass er bei den Videositzungen dabei wäre, aber er ist nun einmal krank." Vielleicht wird es dieses Mal auch keine Videoaufbereitung des Spiels geben. Das würde sich zumindest Jimmy Butler wünschen.

Raptors vs. Sixers: Die Serie im Überblick

TagDatumUhrzeitSpielHeimAuswärtsErgebnis
Sonntag28. April1.30 Uhr1TorontoPhiladelphia108:95
Dienstag30. April2 Uhr2TorontoPhiladelphia89:94
Freitag3. Mai2 Uhr3PhiladelphiaToronto116:95
Sonntag5. Mai21.30 Uhr4PhiladelphiaToronto96:101
Mittwoch8. Mai2 Uhr5TorontoPhiladelphia125:89
Freitag10. Mai2 Uhr6PhiladelphiaToronto
Sonntag/Montag12./13. MaiTBD7*TorontoPhiladelphia

*Spiel 7 wird nur ausgetragen, wenn nötig.

Jimmy Butler: "Wir wissen, was zu tun ist!"

"Wenn ich der Coach wäre, ich würde nicht mal das Video von dem Spiel zeigen. Uns wurde der Hintern versohlt, so einfach ist das. Wir wissen, was zu tun ist. Wir müssen das jetzt zuhause einfach zeigen", sagte Butler nach dem Spiel.

Der Swing Man war fast der einzige Sixer, der Gegenwehr zeigte. 22 Punkte, 7 Assists und 5 Rebounds gelangen Butler, dessen Aufgabe es aber eigentlich nicht ist, die erste Option in der Offensive zu sein.

Bereits nach Spiel 4 hatte er seinen Teamkollegen Ben Simmons aufgefordert, mehr zu attackieren. Doch der Spielmacher der Sixers war auch in Spiel 5 von einem unerklärlichen Phlegma befallen. Nur fünf Mal überhaupt, warf er auf den Korb. Von einer aggressiven Spielweise war er so weit entfernt, wie Barcelona vom Champions-League-Finale.

Die 20 Punkte von Simmons und Embiid war die drittschlechteste Ausbeute der beiden Stars. Interessanterweise gab es die vier schlechtesten kombinierten Scoringleistungen der beiden allesamt gegen Toronto.

Sixers: Ben Simmons' Krise hält an

"Es war einfach nicht da. Unsere Offense war nicht da, unsere Defense war nicht da. Wir waren einfach nur schrecklich", kommentierte Simmons die Leistung des Teams. Und da muss er sich explizit miteinbeziehen. Bis auf Spiel 1, als seine Leistung ordentlich war, konnte er in keiner der folgende Partien sein Potenzial abrufen.

Und so stand am Ende die zweithöchste Playoff-Niederlage in der langen Geschichte der Sixers. Nur 1982 gab es gegen die Boston Celtics eine höhere Klatsche (121:81).

Doch Philly will sich gar nicht lange mit dem Spiel aufhalten. "Wir haben ein stolzes Team, wir haben ein Team, das heute Nacht eine schlechte Leistung gezeigt hat ... Aber niemand geht hier raus und denkt an etwas anderes, als sich darauf zu freuen, nach Philadelphia zurückzukehren und einen Weg zu finden, um zu gewinnen", versprach Brown.

Embiid ging sogar noch einen Schritt weiter. Er kündigte gegenüber Drake an, dass man sich wieder sehen werde - in Spiel 7! Wer dann den Flugzeug-Jubel machen wird, bleibt abzuwarten.

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