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NBA Playoffs - Damian Lillard schickt die OKC Thunder in den Urlaub: Das letzte Wort

Damian Lillard erzielte in Spiel 5 50 Punkte.

Damian Lillard hat in Spiel 5 gegen die OKC Thunder das vielleicht beste Spiel seines Lebens gezeigt. Die Art und Weise, wie sich der Superstar der Portland Trail Blazers dabei und danach präsentierte, verdeutlichte gut, wie sehr er innerhalb des letzten Jahres gereift ist.

Zehn Dreier, 50 Punkte, ein Game-Winner vom Logo, über die ausgestreckten Arme eines Mitfavoriten auf den Award des besten Verteidigers der Saison, als Schlusspunkt eines dramatischen Comebacks in den letzten Minuten eines fast schon verlorenen Spiels. Man hätte meinen können, dass man in so einem Moment von seinen Emotionen überwältigt werden könnte.

Damian Lillard wirkte nicht überwältigt. Während überall im Moda Center - und nicht nur dort - die Kinnladen der Zuschauer runterklappten, während Fans und Mitspieler in Ekstase verfielen, starrte Lillard unverwandt in Richtung der von ihm besiegten Thunder und winkte. Es schien ihn fast schon zu stören, als sein jubelndes Team ihn in seine Mitte nahm und feierte.

Auch auf der anschließenden Pressekonferenz zeigte sich Lillard eisig. "Ich habe sie einfach verabschiedet", erklärte der 28-Jährige, verwies auf die Häme von Dennis Schröder nach Spiel 3 sowie den Trash-Talk von Russell Westbrook im Lauf der gesamten Serie. Man konnte ihm ansehen, dass die Angelegenheit nicht nur aufgrund der letzten Tage eine persönliche für ihn war.

Damian Lillard: Immer ein bisschen unterschätzt

Man muss ein ganzes Stück zurückgehen, um die Genugtuung zu erahnen, die Lillard nach Spiel 5 gefühlt haben dürfte. Man kann bis zum Ende seiner High School-Zeit zurückgehen, als er lediglich vom kleinen Weber State College rekrutiert wurde, nicht von einer Elite-Uni. Oder bis zum Draft, als er wegen "fehlender Upside" erst an Position 6 gepickt wurde und danach trotz einer Rookie of the Year-Saison selten in einem Atemzug mit den Star-Guards der Liga genannt wurde.

Man kann sich über die letzten Jahre noch etliche Fälle herauspicken, in denen Lillard seiner Meinung nach übersehen oder unterschätzt wurde. Die größte Enttäuschung wiederum hat er nicht nur wahrgenommen, sondern wirklich erlebt, als Portland vergangene Saison als 3-Seed von den New Orleans Pelicans in der ersten Runde gesweept wurde.

Die Blazers galten als gescheitert, Lillard als "Star 2. Klasse", obwohl er erstmals ins All-NBA First Team gewählt wurde - vor Stephen Curry, vor Westbrook und den anderen Superstar-Guards der NBA. Man müsse den Kern aufbrechen, Lillard sei keiner, der sein Team ins gelobte Land führen kann, alles Mögliche war seit dieser massiven Enttäuschung zu hören und zu lesen.

Damian Lillard: Seine Statistiken in den Playoffs

JahrSpieleMinutenPunkteFG%3P%AssistsSteals
20141142,422,943,938,66,51,0
2015540,221,640,616,14,60,4
20161139,126,536,839,36,31,3
2017437,827,843,328,13,31,3
2018440,518,535,230,04,81,3
2019539,733,046,148,16,02,4

Das Prestige-Duell mit Russell Westbrook

All dies wurde registriert und hallte nach, auch bei den Blazers, wie zuletzt C.J. McCollum nach Spiel 4 bestätigte. Obwohl Portland vor der Serie gegen OKC erneut das höher gesetzte Team war, galten die Thunder wieder als Favorit, alle Welt konnte sich schließlich noch an das letzte Jahr erinnern. Portland habe keine Antwort auf Paul George, den besten Spieler der Serie, das Matchup sei schwierig.

Die Bedenken mögen berechtigt gewesen sein, die Serie zeigte aber, dass OKC das Team war, das keine Antwort auf den besten Spieler der Serie hatte. Nicht George, sondern Lillard drückte allen Spielen seinen Stempel auf, selbst der dritten Partie, die die Thunder gewinnen konnten. Das direkte Duell mit Westbrook verdeutlichte schön, wie viel reifer Lillard insbesondere im letzten Jahr geworden ist.

Beide teilten mächtig gegeneinander aus, doch während Westbrook sich immer wieder auf dieses Privatduell versteifte, behielt Lillard stets den kühlen Kopf und traf die richtige Entscheidung für sein Team. Er überdrehte nicht, was er machte, hatte immer Hand und Fuß und das Wohl des Teams im Sinn, während Westbrook den Thunder mit seinen Alleingängen bisweilen eher schadete.

Damian Lillard: Der beste Spieler der Playoffs?

"I've been busting that ass for years", hatte Westbrook Lillard noch während der Regular Season in einem Duell zugerufen, und er lag damit nicht unbedingt falsch: Lillard hat in den letzten Jahren oft in Spielen gegen Russ, Curry oder auch Chris Paul den Kürzeren gezogen. Nur ist er daran gewachsen. Lillard wird seit Jahren in jeder Saison ein bisschen besser, sei es als Shooter, als Leader, als Playmaker im Pick'n'Roll.

In der Serie gegen OKC verteidigte er zudem besser denn je, lange Zeit sein größtes Manko. Bei Westbrook ist eine solche Entwicklung nicht zu sehen - insofern war das jüngste Duell zwischen beiden auch nicht knapp, was gar nicht als Generalkritik an Westbrook zu verstehen ist; aber in der derzeitigen Verfassung gibt es einfach nicht viele Spieler, die mit Lillard mithalten könn(t)en. Man kann problemlos dafür argumentieren, dass er bisher der beste Spieler dieser Playoffs ist.

Einer gegen alle

Das beste Spiel hat er nun definitiv hingelegt. Während beim restlichen Team nichts ging, hielt Lillard die Blazers mit 34 Punkten in der ersten Hälfte im Alleingang im Spiel und spielte die ersten drei Viertel durch, einfach weil Portland ihn unbedingt brauchte; OKC war mit dem Mut der Verzweiflung angereist und fuhr alle Geschütze auf, um die (erneute) Eliminierung zu verhindern oder wenigstens aufzuschieben.

Lillard hielt dem Ansturm von George und Westbrook stand und strahlte ein fast schon beängstigendes Selbstvertrauen aus, auch als Portland zurückfiel. Davon profitierten die Blazers dann in der zweiten Hälfte auch in einer Phase, in der bei Lillard nicht mehr alles fallen wollte. McCollum übernahm zeitweise, auch Enes Kanter ("CAN Play Kanter!") hatte ein paar sehr wichtige Szenen.

Die letzten 5 Punkte waren dann aber doch wieder Chefsache. Ein Layup in Traffic zum Ausgleich, dann ging der Ball nach einem Westbrook-Fehlwurf bei noch 17,1 Sekunden auf der Uhr wieder zu Lillard. Die Uhr tickte herunter, Lillard sah sich George gegenüber, knapp über der Mittellinie. Man rechnete mit dem Drive, oder wenigstens dem Ansatz davon.

"Logo Lillard" hat das letzte Wort

Lillard hingegen machte einfach nur einen schnellen Schritt zur Seite und drückte ab, "Logo Lillard" eben. Drin. Dass diese irren Würfe für ihn absolut machbar sind, hat er in dieser Serie nicht nur einmal gezeigt. Unfassbar war dieser letzte Wurf trotzdem, zumindest für alle anderen Anwesenden. Der Blick von Coach Terry Stotts sagte alles.

Fast alles jedenfalls, denn natürlich meldete sich Lillard selbst auch noch einmal zu Wort. "Es wurde hier in den letzten Tagen sehr viel geredet", sagte Lillard. "Das war das letzte Wort. Er hat gesagt, er hätte mich seit Jahren fertiggemacht. Das stimmte nicht, und das war der Moment der Wahrheit. Es war die perfekte Plattform für ihn, um es zu beweisen, und ihr seht, was passiert ist."

Allerdings. Und man konnte es am Ende trotzdem kaum glauben.

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