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NBA: Boston Celtics wieder in der Krise: Eine nie enden wollende Suche

Die Boston Celtics haben die letzten vier Spiele allesamt verloren.

Die Boston Celtics stecken mal wieder in einer kleinen Krise und haben vier Spiele in Folge verloren. Vor allem die Art und Weise bereitet Sorgen, das so talentierte Team ist weiterhin auf der Suche nach einer Identität. Die Zeit läuft Coach Brad Stevens, Kyrie Irving und Co. aber langsam davon.

"Wir müssen besser werden." Celtics-Coach Brad Stevens kann diesen Satz wohl inzwischen selbst nicht mehr von sich hören, dennoch kommt die gleiche Phrase in regelmäßigen Abständen, zuletzt wurden die Intervalle wieder kürzer. Die (deutliche) Niederlage gegen die San Antonio Spurs markierte bereits die vierte Schlappe in Folge, Boston bleibt somit Fünfter im Osten, sogar hinter den Indiana Pacers, die nun schon einige Monate auf ihren Star Victor Oladipo verzichten müssen.

Dabei schien vor einigen Wochen die erste größere Krise abgewendet und gemeistert. Immer wieder wurde jener Flug an die Westküste zitiert, bei dem sich das Team aussprach. Wochenlang schien das Team zerstritten, auf dem Flug nach San Francisco wurde aber Tacheles gesprochen, zusammen Karten gespielt, gelacht. Dass die Celtics dann mit den Golden State Warriors in deren Halle den Boden wischten (128:95), tat sein Übriges.

Auch die folgenden beiden Spiele wurden in Kalifornien gewonnen, danach verfiel das Team jedoch in den alten Trott und es setzte teils derbe (Clippers, Spurs), teils unnötige Niederlagen (Denver, Philadelphia, Charlotte). Es herrscht ein wenig Ratlosigkeit in Beantown, Stevens ist dafür das beste Beispiel.

Boston Celtics auf der Suche nach sich selbst

Doch auch Außenstehende können nicht nachvollziehen, was in Boston eigentlich das Problem ist, wie Marcus Morris berichtete. "Ich werde ständig gefragt: ‚Ihr habt so viele gute Spieler. Was ist los? Warum funktioniert es bei euch nicht?' Ich kann das dann gar nicht beantworten. Wir sind immer noch auf der Suche."

Gewissermaßen ist es eine Suche nach der eigenen Identität. Auch mit weniger Starpower waren die Celtics stets eine solide bis gute Defense, das galt auch für die Zeit bis zum All-Star Break, als man eine Top-5-Verteidigung stellte und damit die Probleme im Angriff überdecken konnte. "Wir konnten daran im letzten Monat einfach nicht anknüpfe", stellte auch Stevens richtig fest.

Seit dem Break haben 18 Teams eine bessere Defense als Boston, in den vergangenen sieben Spielen sind sogar nur zwei Teams schlechter - die verheerenden Bulls und Knicks. Mehrfach liefen gewisser Spieler gegen die Celtics heiß, egal ob Guards (Zach LaVine, Kemba Walker, Lou Williams) oder auch Big Men (Joel Embiid, LaMarcus Aldridge).

Celtics: Gegenspieler mit mindestens 34 Punkten in 2019

SpielerTeamPTS (Field Goals)
D'Angelo RussellNets34 (13/26)
Paul GeorgeThunder37 (11/27)
Lauri MarkkanenBulls35 (12/20)
Zach LaVineBulls42 (17/29)
James HardenRockets42 (14/31)
Lou WilliamsClippers34 (14/20)
Buddy HieldKings34 (14/24)
Joel EmbiidSixers37 (8/17)
Kemba WalkerHornets36 (11/25)
LaMarcus AldridgeSpurs48 (20/31)

Irving kritisiert Strategie der Celtics gegen Kemba Walker

Walker erzielte beim Hornets-Sieg in der Nacht auf Sonntag 18 seiner 36 Punkte im vierten Viertel und verhalf Charlotte so dank eines späten 30:5-Runs zu einem Comeback-Sieg, was Irving zu einer ungewohnten Kritik an der Strategie veranlasste. "Wir hätten Kemba trappen müssen, wie das jedes Team macht. Wir haben es nicht gemacht und er bestraft es jedes Mal, wenn wir gegen ihn spielen."

Dies kann natürlich als direkte Spitze gegen Stevens interpretiert werden, der Coach spielte die Kritik aber vor dem Spiel gegen San Antonio herunter und beteuerte, dass er keine Probleme mit diesen Aussagen hatte. "Das gehört dazu und stört mich nicht. Meine Tür ist immer offen, jeder kann seine Vorschläge anbringen."

Das ist aber nur eine Baustelle von vielen für Stevens, der auch offen darüber sprach, wieder Veränderungen an der Starting Five vorzunehmen. Seit Anfang Februar haben die Starter zusammen ein negatives Net-Rating von 5,5, die Umstellung zu Beginn der Saison (Marcus Morris und Marcus Smart für Gordon Hayward und Jaylen Brown) ist somit verpufft und Boston handelt sich zu Beginn von Spielen zu häufig einen Rückstand ein.

Stevens gab an, dass er täglich über mögliche Wechsel nachdenkt, auch im Hinblick auf die Playoffs, wenn die Celtics mehr auf die unterschiedlichen Matchups reagieren wollen. "Ich weiß noch nicht, wie unsere Fünf in der Zukunft aussehen wird. Ich bin aber eher besorgt, wie wir in den letzten 42 Minuten spielen und nicht in den ersten sechs."

Boston Celtics zu abhängig von Sprungwürfen

Hier macht sich wieder die fehlende Konstanz bemerkbar. Zu Beginn der Saison plätteten die Starter ihre Gegner, nun haben sie Probleme. Die Bank sieht an manchen Tagen stark aus, in anderen Spielen will vor allem offensiv nichts zusammenlaufen. Boston bleibt meist zu abhängig davon, ob Jumper fallen oder einzelne Spieler aus der Distanz heißlaufen, ein Umstand, der Stevens überhaupt nicht behagt.

"Wir sollten bissiger sein, den Gegner stoppen und Spiele irgendwie gewinnen", forderte der Coach. "Es gibt nichts Besseres, als zu gewinnen und 5/35 von draußen zu werfen. Das bedeutet dann, dass man verstanden hat, was wichtig ist." Das mag ein wenig übertrieben klingen, trifft aber den Kern der Sache recht gut.

In der vergangenen Spielzeit gewann Boston immerhin die Hälfte der Spiele (4-4), wenn sie unter 25 Prozent aus der Distanz trafen, in diesem Jahr gingen alle sechs Partien mit solch schwachem Shooting in die Binsen, die Spurs-Partie (7/35 Dreier) war dafür mal wieder ein anschauliches Beispiel.

Drei Wochen bleiben den Celtics nun noch, um all diese Rätsel um das Team zu lösen. Die schwache Bilanz erleichtert das Unternehmen nicht wirklich, in den Playoffs könnten die Celtics in allen Runden keinen Heimvorteil haben, wenn zumindest Indiana nicht doch noch abgefangen wird. Immerhin: zwei Spiele gegen die Pacers stehen noch auf dem Spielplan, das erste Duell bereits in der Nacht auf Samstag.

Celtics: Identität verloren gegangen?

Boston hat es somit noch selbst in der Hand, immerhin auf Platz vier zu springen und vielleicht mit ein wenig Momentum in die Playoffs zu kommen. Der Spielplan meint es dabei gut mit den Celtics, die nur noch gegen Ost-Teams antreten müssen, auch wenn es nur gegen Cleveland und Washington noch gegen Lottery Teams geht.

"Wir müssen nun die Ärmel hochkrempeln und aus unserer Komfortzone kommen", gab Stevens die Marschrichtung für die kommenden Wochen vor. Auch diesen Satz gab es natürlich in unterschiedlichen Versionen in dieser Saison schon mehrfach zu hören, aber trifft es eigentlich in seinem Kern. Egal wie talentiert die Celtics waren, Spiele wurden vor allem durch hohe Intensität und weniger durch individuelle Klasse gewonnen.

Nun ist das Talent größer denn je in der Stevens-Ära, doch dafür ist die Identität anscheinend verloren gegangen, vielleicht auch weil es innerhalb des Teams zu viele Probleme gab und wohl weiter gibt.

So richtig ins Wanken kamen die Celtics aber erst, als die Diskussionen um Kyrie Irving (Free Agency, Leader-Rolle) Überhand nahmen. Uncle Drew selbst sparte übrigens nach der Spurs-Niederlage mit Kritik und überraschte ein wenig mit diesem Statement: "Es ist Licht am Ende des Tunnels. Es ist hart, aber es lohnt sich, dafür zu kämpfen, weil am Ende nur das Ergebnis zählt."

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