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NBA Offseason – die Los Angeles Clippers: Die Ruhe vor dem Sturm

Dienstag, 14.08.2018 | 11:07 Uhr
Lawrence Frank (l.) und Doc Rivers (r.) präsentieren die Rookies Shai Gilgeous-Alexander und Jerome Robinson.
© getty

Die Los Angeles Clippers haben ihre Strategie komplett darauf ausgelegt, in den kommenden Jahren die maximale Flexibilität zu haben. Das ist ihnen gelungen - allerdings gingen Jerry West und Co. damit auch ein gewisses Risiko ein.

L.A. Clippers: Die Transaktionen

Nachdem die Clippers bereits im Lauf der Saison Blake Griffin getradet hatten, endete die Lob-City-Ära im Sommer nun auch offiziell: Mit DeAndre Jordan verließ auch die dritte Säule des einstigen Top-Teams L.A. in Richtung Dallas und ein ernsthaftes Bemühen seitens der Clippers, ihn davon abzuhalten, war nicht zu erkennen.

Austin Rivers ging ebenfalls: Der Trainersohn wurde, nachdem er seine Option für 2018/19 gezogen hatte, für Marcin Gortat nach Washington getradet. Im Rahmen des Drafts wählten die Clippers mit dem No.13-Pick Jerome Robinson aus, den No.12-Pick (Miles Bridges) tradeten sie mit zwei Zweitrundenpicks nach Charlotte, um No.11-Pick Shai Gilgeous-Alexander zu bekommen.

In der Free Agency kamen dann mit Luc Mbah a Moute (1 Jahr, 4,3 Mio.) und Mike Scott (1 Jahr, 4,3 Mio.) zwei kostengünstige Forwards, Mbah a Moute ist bei den Clippers bereits ein Altbekannter. Ende Juli akquirierten sie per Trade außerdem Johnathan Motley aus Dallas und Anfang August tradeten sie Sam Dekker für die Rechte am 34-Jährigen Vladimir Veremeenko zu den Cavaliers.

Verlängert wurde derweil mit Restricted Free Agent Montrezl Harrell (2 Jahre, 12 Mio.) und Avery Bradley (2 Jahre, 25 Mio.) - und bereits Ende Mai wurde der Vertrag mit Head Coach Doc Rivers verlängert, der sonst als "Lame Duck" ins letzte Vertragsjahr gegangen wäre. Die Personalentscheidungen traf Rivers in diesem Jahr aber nicht mehr.

L.A. Clippers: Die Strategie

Große Sprünge waren für die Clippers in diesem Sommer nicht möglich. Auch ohne den Monster-Vertrag von Griffin hatten sie nicht die Mittel, um auf dem Free-Agent-Markt eine Rolle zu spielen, deswegen verfolgte das Front Office um Lawrence Frank und Berater Jerry West zwei Agenden: Einerseits sollte das Team jünger gemacht werden, andererseits sollten keine Verträge über mehr als zwei Jahre geschlossen werden.

Warum zwei Jahre? Im Sommer 2020 stehen Stand jetzt nur drei Clippers fest unter Vertrag, die beiden neuen Rookies sowie Lou Williams. Ganz so extrem wird es zwar nicht bleiben, aber der Plan ist klar: Es soll so viel finanzieller Spielraum wie möglich erhalten bleiben.

Auch im nächsten Sommer stehen aktuell nur 60 Millionen Dollar in den Büchern, um ein Meeting mit beispielsweise Kawhi Leonard werden sich die Clippers also auch dann bemühen und der Platz würde sogar ausreichen, um zwei Maximalverträge aufzunehmen.

Genau dafür haben sie West geholt - niemand hat mehr Erfahrung als er mit den verschiedensten Superstars, von Kareem über Shaq und Kobe bis Kevin Durant. Die Clippers haben ihn mit der Hoffnung geholt, das letzte Meisterstück des mittlerweile 80-Jährigen zu werden.

In der Zwischenzeit sollen die Rookies sich entwickeln - und alle anderen Spieler ihren Tradewert steigern. Die Clippers haben diverse Spieler, die einem Contender kurzfristig helfen könnten, allen voran Tobias Harris, Bradley und Williams.

Rivers wird wie schon in der vergangenen Saison ein konkurrenzfähiges Team aus diesem Mix basteln, aber ein Haus kaufen sollte sich bis zum nächsten Sommer wohl niemand.

Der Kader der L.A. Clippers

Point GuardShooting GuardSmall ForwardPower ForwardCenter
Patrick BeverleyAvery BradleyDanilo GallinariTobias HarrisMarcin Gortat
Milos TeodosicLou WilliamsLuc Mbah a MouteMike ScottMontrezl Harrell
Shai Gilgeous-AlexanderJerome RobinsonWesley JohnsonJohnathan MotleyBoban Marjanovic
Jawun EvansSindarius Thornwell

L.A. Clippers: Die Schwachstellen

Das Hauptproblem der Clippers ist das gleiche geblieben wie in der Vorsaison: Der Kader ist in der Breite gut, es fehlt jedoch an echten Stars, auch wenn sowohl Williams als auch Harris im Osten letzte Saison wohl das All-Star Game erreicht hätten. Gerade Harris ist zudem erst 26 und könnte sich noch einmal steigern, ein klassischer Headliner wird aus ihm aber nicht mehr.

Spielerisch muss man davon ausgehen, dass die ohnehin schon nicht großartige Defense und das Rebounding unter Jordans Abschied leiden werden. Die Absicherung für Defensiv-Allergiker wie Milos Teodosic oder Williams werden Gortat, Harrell und Boban Marjanovic nicht so liefern können wie DJ. Gleichzeitig könnte Rivers das Wurfprofil etwas modernisieren. Vergangene Saison drückten 21 NBA-Teams häufiger von der Dreierlinie ab als die Clippers.

Gleichzeitig ist man zum Tanken zu gut besetzt und dürfte erneut um die 40 Siege holen - wenn Spieler wie Bradley, Danilo Gallinari oder Patrick Beverley fit bleiben, könnte sogar etwas mehr gehen. Die Playoffs sind unwahrscheinlich, aber nicht völlig ausgeschlossen.

Dazu sei jedoch gesagt, dass L.A. seinen Erstrundenpick an Boston verlieren wird, wenn man nicht in der Lottery landet. Es müsste also nicht unbedingt verwundern, wenn am Ende der Saison die Rookies den Vorzug vor den Veteranen erhalten sollten.

L.A. Clippers: Der Hoffnungsträger

Abgesehen von West und seiner "Aura" ist hier vor allem Gilgeous-Alexander zu nennen. Der Rookie war ein Wunschspieler und dem Front Office gleich zwei künftige Second-Rounder wert, um nur eine Position hochzutraden. Nach seinen Auftritten in der Summer League sah das nicht unbedingt wie eine schlechte Entscheidung aus.

SGA stach hier als wohl "fertigster" Guard seines Jahrgangs hervor, obwohl er erst im Juli 20 Jahre alt wurde. Dabei hat auch er noch einiges, woran er arbeiten muss, allen voran den Wurf und die Athletik. Seine eleganten Bewegungen, seine Vielseitigkeit in der Defense und die Größe für einen Point Guard (1,98 m) erinnern jedoch stark an Shaun Livingston.

L.A. Clippers: Das Fazit

Ihre Agenda für diesen Sommer haben die Clippers gut umgesetzt. Was den Draft angeht, hängt einiges von der Personalie Michael Porter ab: Die Clippers hätten es sich in ihrer Situation wohl leisten können, auf das Potenzial des Forwards zu setzen, sie entschieden sich aber mit gleich zwei Picks dagegen. Sollte Porter in Denver einschlagen, könnte sich das rächen.

Gleichzeitig ist das Risiko gerade bei SGA wohl deutlich geringer und der Guard dürfte schon kommende Saison eine recht gute Rolle in der NBA spielen. Und wenn sich der Zeitplan der Clippers nach der Free Agency 2019 - wie erhofft - arg beschleunigt, ist ein defensivstarker und vielseitiger Allrounder wie er wohl ohnehin eher gefragt als ein Scorer, der ansonsten bisher noch nicht wahnsinnig viel mitbringt.

Ultimativ lässt sich das aber frühestens kommenden Sommer bewerten. Die Clippers haben ihre Strategie auf 2019 und 2020 ausgelegt und in der Zwischenzeit ihre Assets "beschützt", aber natürlich kann es sein, dass dann trotzdem kein Free Agent kommen will. Sie sind 2019 bei weitem nicht das einzige Team mit Cap-Space und Ambitionen.

Die Clippers haben mit Jerry West eine Trumpfkarte, den Markt Los Angeles sowie einige gute, junge Spieler, ob das reicht, wird sich aber erst zeigen. Bis dahin bleibt nur festzuhalten, dass sie in diesem Sommer erfolgreich die Weichen gestellt haben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Die Note: 2-

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