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NBA Playoffs: Die Rockets gewinnen Spiel 2: (K)eine Frage der Philosophie

Donnerstag, 17.05.2018 | 10:35 Uhr
Der Hustle von P.J. Tucker gab in Spiel 2 den Ton für die Houston Rockets an.
© getty
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Nach den Diskussionen der letzten Tage haben sich die Houston Rockets in Spiel 2 eindrucksvoll zurückgemeldet und die Golden State Warriors bisweilen mit den eigenen Waffen geschlagen. Danach beharrten jedoch alle Protagonisten darauf, dass sie überhaupt nichts verändert hatten.

Mike D'Antoni reagierte fast schon verärgert auf die Frage, was sein Team im Vergleich zu Spiel 1 offensiv anders gemacht habe. Die Diskussionen über das Isolations-lastige Spiel nach Game 1 hatten den Head Coach der Rockets offensichtlich ziemlich genervt. "Wir haben von einer weit offenen California-Offense auf Triple Threat gewechselt", antwortete D'Antoni zunächst sarkastisch.

Etwas ernster fügte er hinzu: "Wir werden jetzt nicht einfach mitten in dieser Serie ändern, wie wir spielen. Wir haben das ganze Jahr über so gespielt. Wir sind, wer wir sind. Wir können mit dieser Spielweise jedes Team schlagen, jederzeit, überall. Auch wenn einigen Leuten das vielleicht nicht gefällt."

Es schien ihm ziemlich wichtig zu sein, diesen Punkt zu machen, sozusagen als Ehrenrunde nach dem Blowout, der aus den Western Conference Finals endgültig eine Serie gemacht hatte. D'Antoni ließ es sich auch nicht nehmen, darauf hinzuweisen, dass die Warriors ganz schön langsam gespielt hatten und viele Isolationen gelaufen waren. Kevin Durant sei ja schließlich auch ganz gut darin.

Rockets vs. Warriors: Stephen Curry wird attackiert

Die Reaktion wirkte zwar etwas bissig - als sei es unerhört, dass ein NBA-Coach nach einer Niederlage in den Playoffs über Optimierungen nachdenkt -, aber: D'Antoni sagte im Prinzip die Wahrheit. Die Rockets hatten in Spiel 2 nicht grundlegend ihre Spielweise geändert. Sie setzten diese nur einfach viel besser und konsequenter um und passten einige Kleinigkeiten an.

Offensiv sah der Game-Plan der Rockets immer noch ziemlich viele Isolations vor, für James Harden, Chris Paul oder Eric Gordon, je nachdem, wer gerade von Stephen Curry verteidigt wurde. Darauf wurde noch etwas mehr geachtet als in Spiel 1: In stolze 23 Possessions wurde Curry als primärer Verteidiger involviert, mehr als in allen Spielen dieser Playoffs zuvor. Man wollte ihn müde und mürbe machen und hatte damit auch durchaus Erfolg. Wie ein zweifacher MVP sah Curry in dieser Partie nicht aus.

Zudem wurde das Spiel wenn möglich schneller gemacht, zumindest nach Fehlwürfen oder Ballverlusten der Warriors schlossen die Rockets schneller ab als in Game 1, was ihnen gerade zu Beginn einige einfache Punkte verschaffte. Nach Treffern der Dubs wiederum spazierten Harden und Paul ebenso gemütlich nach vorne wie zuvor und gingen gegen sortierte Defense an die Arbeit. Wie gesagt: Es war kein grundlegend neuer Plan.

P.J. Tucker: "Es geht alles um Defense"

Dass Houston dennoch wie ein komplett anderes Team wirkte, hatte primär andere Gründe, und die meisten davon lassen sich ziemlich gut mit der Personalie P.J. Tucker zusammenfassen. Dessen Bilanz des Spiels erklärte schon einiges: "Es ging nicht im Geringsten um die Offense. Ehrlich gesagt mache ich mir um meine Offense nie Sorgen. Es geht alles um Defense."

Auch wenn die Rockets in Spiel 2 mit 127 Punkten ein Offensiv-Feuerwerk abbrannten und Tucker dabei mit 22 Punkten ein Career High auflegte - das Spiel gewannen sie in der Defense, wo sie einfach mit mehr Entschlossenheit zu Werke gingen. Man spricht bei den Warriors immer wieder vom Fokus, aber auch die Rockets haben ihre Spiele, in denen sie nicht die erforderliche Intensität an den Tag legen und sich zu sehr auf die Offense verlassen. Das wurde zum Auftakt bestraft und sollte nun entsprechend korrigiert werden.

Am frühen Donnerstagmorgen deutscher Zeit saßen die Rotationen, es gab kaum die Breakdowns, die in Spiel 1 etwa zu etlichen offenen Dreiern für Klay Thompson geführt hatten. Thompson war in dieser Partie überhaupt kein Faktor, weil Houston die Transition-Optionen der Warriors herausragend limitierte und ihn nach Switches nicht aus den Augen verlor. Die Dubs halfen mit teilweise haarsträubenden Ballverlusten, aber die Rockets arbeiteten auch durchaus hart dafür.

Die Topscorer der Rockets in Spiel 2

SpielerPunkteFG3FGFT
Eric Gordon278/156/95/5
James Harden279/243/156/6
P.J. Tucker228/95/61/2
Trevor Ariza197/91/34/4
Chris Paul166/141/53/3

Der "Tuckwagon" schlägt die "Hamptons 5"

Jeder Stop schien den Rockets zusätzliche Energie zu verleihen, die dann vorne in Punkte umgemünzt wurde. Gewissermaßen verselbstständigte sich das Spiel der Rockets und die Dreier, die in Spiel 1 nicht reingefallen waren, landeten nun doch wieder im Korb. "Alles wurde von unserer Defense angetrieben", sagte Gordon, der allein sechs Dreier versenkte. "Wir haben schnell umgeschaltet, den offenen Mann gefunden und die Würfe getroffen."

Teilweise legten die Rockets dabei Runs hin, wie man sie sonst von den Warriors gewohnt ist. Nicht unbedingt von der Spielweise, aber doch von der überfallartigen Geschwindigkeit und der Explosivität her, die einen Gegner demoralisieren kann. Das wurde vor allem dadurch angetrieben, dass die Rockets ihre eigene Version des "Death Lineups" stärker einbrachten.

Die Formation namens "Tuckwagon", bestehend aus Paul, Harden, Gordon, Ariza und Tucker, war in Spiel 1 nur für drei Minuten zum Einsatz gekommen, diesmal brachte sie D'Antoni für zehn Minuten und wurde dafür belohnt: Ihr Net-Rating betrug satte 30,5. "Wir haben das Gefühl, dass das kleine Lineup unsere beste Aufstellung ist", sagte Tucker danach.

Warriors: Nur Durant ist nicht zu stoppen

Als Backup-Center nimmt der lediglich 1,98 Meter große Tucker dabei eine zentrale Rolle ein, vergleichbar mit der von Draymond Green bei den Warriors. "Ich liebe dieses Lineup, weil ich darin unsere Defense diktieren darf", erklärte der 33-Jährige. Das gelang ihm in dieser Partie großartig. Da Green harmlos war und er somit absinken konnte, war er immer wieder zur Stelle, um etwaige Lücken in der Defense schnell wieder zu stopfen.

Natürlich konnten weder Tucker noch Ariza Durant vom Punkten abhalten - das wird aktuell sowieso niemandem gelingen. KD ist in einer beängstigenden Form und es spielt kaum eine Rolle, wer ihn wie verteidigt. Auch in dieser Partie kam Durant auf 38 Punkte bei herausragend effizienten 13 von 22 aus dem Feld. Aber die Rockets schafften es, alle anderen Warriors so gut es ging aus dem Spiel zu nehmen, und alleine konnte KD diese Partie nicht gewinnen.

Dafür sind die Rockets ihrerseits einfach zu stark. Auch die "Hamptons 5" musste das feststellen - die sonst so gefürchtete Formation der Warriors kam in dieser Partie in 21:25 Minuten zum Einsatz und verlor diese mit -17, was in der Matrix eigentlich nicht vorgesehen ist. Durant alleine hatte trotz seiner individuell starken Leistung ein Plus/Minus von -28.

Kevin Durant: "Wir sind nicht unschlagbar"

"Shit happens", stellte KD angesprochen darauf nach dem Spiel fest. "Wir sind nicht unschlagbar. Wir sind ein gutes Team, aber da auf der anderen Seite steht auch eine großartige Mannschaft." Vielleicht war das die bleibende Erkenntnis von Spiel 2.

Die Rockets bleiben der Underdog in dieser Serie, sie haben den Heimvorteil verloren, die Warriors ihre "Pflicht" somit bereits in Spiel 1 erfüllt. Aber in Spiel 2 bewiesen die Rockets, dass sie eben kein Team sind, das Golden State im Vorbeigehen aus dem Weg räumen kann, wenn der Champion nicht selbst sein A-Game bringt. Das A-Game der Rockets ist nämlich ebenfalls ziemlich exzellent.

"Wenn wir rauskommen und unser Ding machen, dann spielt es keine Rolle, wer uns gegenübersteht. Wenn nicht, dann sieht man die Resultate wie in Spiel 1", sagte Harden, ganz im Sinne seines Coaches. "Es geht hier nicht um Schach oder das, was sie als nächstes machen. Es geht um uns."

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