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NBA Playoffs: Sind die Superkräfte von LeBron James wirklich genug?

Donnerstag, 19.04.2018 | 14:00 Uhr
LeBron James glich die Serie gegen die Pacers nahezu im Alleingang aus.
© getty
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Cavaliers @ Celtics (Spiel 7)
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Warriors @ Rockets (Spiel 7)

Die Cleveland Cavaliers haben die Serie gegen die Indiana Pacers dank eines Kraftakts von LeBron James ausgeglichen. Dass es am Ende des Spiels brenzlig wurde zeigt allerdings, dass die Cavs nach wie vor eine Baustelle sind.

"Er muss deutlich aggressiver sein", hatte Cavaliers-Coach Tyronn Lue nach der 80:98-Auftaktniedelrage seines Teams am Sonntag gegen die Indiana Pacers zur Personalie LeBron James erklärt. "Er muss von Anfang an den Ton angeben, vor allem für unsere vielen neuen Spieler."

Gesagt, getan. Nachdem der King in Spiel 1 ungewöhnlich passiv agiert hatte, legte er beim wichtigen Spiel 2 los wie die Feuerwehr. Mit Fadeaways, Layups, Freiwürfen und vielem mehr sorgte er ganz allein für die erste 13:0-Führung des Spiels, insgesamt erzielte er in den ersten 6 Minuten alle 16 Zähler seiner Mannschaft. So ein individuell starker Start war in der Postseason seit 20 Jahren niemandem mehr gelungen.

Dabei profitierte er auch von einer klugen Lineup-Veränderungen Lues, der Rodney Hood und Jeff Green aus der Starting Five nahm und mit JR Smith und Kyle Korver deutlich kleiner und wurfgefährlicher wurde. Es war das alte Rezept von Teams mit LeBron: Gib ihm den Ball und stelle vier Shooter um ihn herum auf. So kann in der Defense niemand von seinem Gegenspieler weghelfen und der Weg in die Zone ist offen.

Cleveland Cavaliers brauchen übermenschlichen LeBron James

Auf diesem Wege kam LeBron am Ende auf 46 Punkte, 12 Rebounds und 5 Assists. Die Cavs zehrten bis zum finalen Buzzer Beater von der Führung, lagen zu keinem Zeitpunkt zurück. Alles wieder gut also in Ohio? Mitnichten. Am Ende stand der Sieg auf sehr wackligen Beinen (dazu später mehr).

Noch besorgniserregender: Wie schon Spiel 1 hat auch dieses Duell gezeigt, dass die Cavs mehr denn je auf übermenschliche Leistungen von James angewiesen sind. Dass sie niemanden sonst mehr haben, der sich auch mal selbst einen Wurf kreiert und das Spiel an sich reißt. Und dass sie erst recht niemanden haben, der das Scoring aufrechterhält, wenn die Nummer 23 auf der Bank Platz nimmt.

Ein paar Beispiele: Jeff Green steht in der laufenden Serie bei 1/10 aus dem Feld, Jordan Clarkson hat noch keinen einzigen Dreier getroffen, Love trifft auch nur ein Drittel seiner Würfe. James' Passivität in Spiel 1 hatte dieser durch die Blume damit begründet, dass er schauen wolle, wer außer ihm in der Lage ist, Verantwortung zu übernehmen. Die Antwort dürfte für Ernüchterung gesorgt haben und führte zur besagten Ein-Mann-Show in der vergangenen Nacht.

Indiana Pacers: Victor Oladipo hat Foulprobleme

Und es war ja wie gesagt keineswegs so, dass die Cavs dank LeBrons Monster-Performance das Spiel locker über die Bühne gebracht hätten. Im Gegenteil: Zwei glückliche Umstände sorgten dafür, dass der Vizechampion die Serie ausgleichen konnte.

Umstand Nummer eins: Die Foulprobleme von Victor Oladipo. Nach einer Minute hatte er sein zweites Foul gesammelt und wurde von Coach Nate McMillan für das restliche Viertel auf die Bank beordert. Ohne den MIP-Kandidaten fiel der Offense zunächst nicht viel ein, es stand nach wenigen Minuten 16:1 für die Cavs beziehungsweise für LeBron.

Als Dipo im dritten Viertel wieder auf dem Court stand, kam sein Team auch prompt wieder in Reichweite - doch knapp 5 Minuten vor der Halbzeit fiel Oladipo auf eine Wurffinte Loves herein und erhielt dadurch sein drittes Foul. Der Pfiff war durchaus fragwürdig, änderte aber nichts daran, dass McMillan seinen Schützling wieder aus dem Spiel nahm.

Im Nachhinein dürfte sich der Head Coach über diese Entscheidung geärgert haben. Denn die Cavs bauten ihre Führung in der Folgezeit wieder aus, während Oladipo tatenlos zusehen musste. Und: Er beging kein weiteres Foul mehr im Verlauf des restlichen Spiels - etwas mehr Vertrauen von McMillan hätte also weitergeholfen, zumal Oladipo in seiner Karriere erst einmal ausgefoult wurde.

Cavaliers: Kyle Korver mit wichtigem Defensiv-Play

Umstand Nummer zwei: Die vergebene Chance von Oladipo 30 Sekunden vor Schluss. Beim Stand von 92:95 aus Sicht der Pacers kam er zu einem völlig freien Dreier aus dem Pick-and-Roll, weil Korver und Smith nicht kommuniziert hatten und sich beide Richtung Blocksteller Bojan Bogdanovic orientierten. Dipo traf nicht, was letztlich die Entscheidung war. Andernfalls hätte das erste Unentschieden seit dem 0:0 sicherlich eine Rolle in den Köpfen der Cavs-Spieler gespielt.

"Wir haben in dieser Possession versagt", schimpfte James hinterher. "Wir hatten einfach Glück in dieser Situation. Aber mir wäre es lieber, wenn wir anständig verteidigen, anstatt das Glück herauszufordern." Wirklich oft haben die Cavs in Spiel 2 übrigens nicht anständig verteidigt - James befand sogar, dass die Intensität geringer war als noch in der Partie zuvor. 53 Prozent aus dem Feld und 62 Points in the Paint bei den Pacers zeigen, was er gemeint haben könnte.

Diese Probleme wird auch die Hereinnahme von Smith und Korver nicht beheben, auch wenn Letzterer defensiv überraschend gut seinen Mann stand. Kurz vor Schluss beispielsweise schufen die Pacers ein Mismatch für Turner gegen Korver, der physisch dagegenhielt und dem Big Man sogar den Ball klaute.

Eines steht jedoch fest: Für den weiteren Playoff-Verlauf sollten sich die Cavs nicht unbedingt auf die Defensiv-Künste eines Kyle Korver und auf die Superkräfte eines LeBron James verlassen, um die Serie gegen Indiana zu gewinnen.

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