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NBA

Das Phänomen LeBron James in Person: Eine Audienz beim König

LeBron James ist und bleibt ein Magnet für die Medien

Kein NBA-Spieler zieht die Leute so sehr in seinen Bann wie LeBron James. Obwohl sich die Cleveland Cavaliers im Duell gegen die Miami Heat erbärmlich präsentierten, stand der komplette Tag seiner Rückkehr an den South Beach im Zeichen LeBrons. SPOX-Redakteur Ole Frerks war dabei.

"At the other forward, Number 23, LeBron James."

Diese paar Worte braucht es nur, um die American Airlines Arena zum Kochen zu bringen. Das wäre von 2010 bis 2014 nicht ungewöhnlich gewesen - damals spielte James schließlich noch für die ortsansässigen Heat und war der Hauptgrund dafür, dass diese viermal in Folge die Finals erreichten. Es ist aber auch heute nicht wirklich ungewöhnlich. Beinahe egal, um welche Halle es sich handelt.

Ein paar wenige Orte muss man da vielleicht ausnehmen, Oakland beispielsweise, weil er dort nicht so offen zelebriert wird. Aber James hat überall seine Fans. Er alleine zieht einen ähnlichen Bandwagon mit sich mit wie die Los Angeles Lakers, die weiterhin populärste Franchise der NBA. Nach wie vor steht er an der Spitze seines Sports.

Auch in der an Stars nicht armen Welt NBA genießt James einen absoluten Sonderstatus. Das mag keine neue Erkenntnis sein - aber sie wird doch immer wieder neu unterstrichen. Vor allem dann, wenn man ihm in Person bei der Arbeit zusieht. Oder auch einfach nur beim "LeBron-Sein".

Media Availability: Eine Audienz beim König

Ich hatte James zwar schon vorher mal live spielen sehen, am Dienstagmorgen vor dem Spiel gegen die Heat allerdings war ich erstmals bei einer Media Availability seines Teams dabei. Wenn man es so nennen kann: Ausnahmslos alle Reporter gingen sofort zu LeBron und starrten ihn an - mich eingeschlossen übrigens. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen.

Wie bei einer Audienz wurde zunächst demütig gewartet, bevor vom Cavs-PR das Zeichen kam: Der König ist jetzt bereit, eure Fragen zu beantworten. Sogar die Kopfhörer hatte er rausgenommen. Ein paar Sekunden herrschte ehrfürchtiges Stillschweigen, bevor sich endlich jemand ein Herz fasste und die erste Frage stellte. Auch danach blieb es allerdings ein wenig kurios.

LeBron James: Witzig wie Dave Chappelle?

Nicht unbedingt wegen James selbst. LeBron beantwortete alle Fragen ausführlich und professionell, wie man es von ihm ja ohnehin nicht anders gewohnt ist. Kurios waren eher die Reaktionen darauf. Denn bei jeder ironischen Aussage, bei jedem Scherz, egal wie "lustig", wurde gelacht wie beim besten Scherz in der Karriere von Dave Chappelle. Vielleicht auch noch ein bisschen lauter. Jedes gesprochene Wort ist Gold wert. In solchen Momenten merkt man, dass man es wirklich geschafft hat. Glaube ich.

Nach einigen Minuten kam dann die Ansage, dass James jetzt fertig sei. Der Medientermin dauerte dann noch ganze drei Minuten, in denen Interims-Head Coach Larry Drew drei Fragen beantwortete. Die anderen Spieler waren alle schon auf dem Court, sie fühlten sich wohl ohnehin nicht gefragt. Tatsächlich filmten die anwesenden Kamera-Leute auch weiter lieber LeBron beim Binden seiner Schuhe, bevor wir alle rausgeschickt wurden.

Wade und Spoelstra loben LeBron überschwänglich

Auch bei den Heat, die etwas später dran waren, ging es dann aber ähnlich weiter - das Hauptthema aller Gespräche war natürlich LeBron. "Ich denke, die letzten 15 Spiele, die wir von ihm gesehen haben, waren genau auf dem Level, den er auch in den Finals demonstriert", sagte Heat-Coach Erik Spoelstra - der erst am Wochenende erstmals Vater wurde - über seinen ehemaligen Schützling. Und auch Dwyane Wade lobte seinen guten Kumpel überschwänglich.

"Das ist die beste Form, die ich von ihm je gesehen habe", so Wade. "Ich dachte, als er hier war und irgendwann 60 Prozent aus dem Feld traf: ‚Das hier ist das Maximum. Mehr geht nicht für ihn.' Aber er zeigt immer wieder allen Leuten, dass sie falsch liegen. Auch mir. Dass er in seiner 15. Saison mit 33 Jahren so spielt, ist mit das Beeindruckendste, was diese Liga jemals gesehen hat."

Die Statistiken von LeBron James

SaisonTeamSpieleMinutenPunkteFG%3P%ReboundsAssists
2003/04Cavs7939,520,941,729,05,55,9
2004/05Cavs8042,427,247,235,17,47,2
2005/06Cavs7942,531,448,033,57,06,6
2006/07Cavs7840,927,347,631,96,76,0
2007/08Cavs7540,430,348,431,57,97,2
2008/09Cavs8137,728,448,934,47,67,2
2009/10Cavs7639,029,750,333,37,38,6
2010/11Heat7938,826,751,033,07,57,0
2011/12Heat6237,527,153,136,27,96,2
2012/13Heat7637,926,856,540,68,07,3
2013/14Heat7737,727,156,737,96,96,3
2014/15Cavs6936,125,348,835,46,07,4
2015/16Cavs7635,625,352,030,97,46,8
2016/17Cavs7437,826,454,836,38,68,7
2017/18*Cavs7437,127,454,836,28,69,1

*Stand: 28. März 2018

Über die Richtigkeit dieser Aussagen lässt sich natürlich vorzüglich diskutieren - ich zum Beispiel denke, dass man nur vom "besten LeBron überhaupt" sprechen kann, wenn man Defense nicht als Teil des Spiels betrachtet. Aber für den Moment ist nur wichtig: LeBron ist weiter der beste NBA-Spieler - und das ist auch allen anderen bewusst. Es ist eine akzeptierte Wahrheit. Andere Spieler werden MVP - seinen letzten Award erhielt James 2013 -, aber es wird nicht wirklich in Frage gestellt, wer tatsächlich der WICHTIGSTE Spieler der Liga ist.

Wer braucht schon eine Review?

Daran zweifeln übrigens auch die Refs nicht unbedingt immer. Ein lustiges Beispiel aus dem Spiel gegen die Heat: Im zweiten Viertel zog LeBron zum Korb und wurde von James Johnson mit Foul geblockt - er sollte zwei Freiwürfe kriegen. Darüber regte er sich allerdings fürchterlich auf und gestikulierte wild in die Richtung beider Referees. Diese überstimmten sich dann selbst und machten stattdessen ein Goaltending aus dem Call, ohne sich das Play überhaupt noch einmal anzusehen.

Das soll übrigens nicht andeuten, dass James immer bevorzugt wird, oder dergleichen. Fakt ist aber: Viele Spieler hätten in dieser Szene ein Technical bekommen. Bei James denkt man aber vermutlich noch den einen Moment länger darüber nach. Vielleicht auch eher unterbewusst als bewusst, wobei das im Endeffekt unerheblich ist.

Dwyane Wade blockt LeBron James doppelt

Es half in jedem Fall nicht. Die Cavs präsentierten sich in Miami von Anfang an beängstigend schlecht und hatten letztendlich nie eine legitime Siegchance. Auch James knüpfte nicht an seine absurden Leistungen der letzten Wochen an und blieb mit 18 Punkten (7/18 FG) für seine Verhältnisse unauffällig.

Die Szene des Spiels, die in Erinnerung bleiben dürfte, war eine negative für ihn: Ausgerechnet Wade räumte ihn beim Layup von hinten ab und ließ sich danach lautstark feiern, er zischte sogar ein "Not in my house" in Richtung seines Freundes. Ganz kurz wurde man wieder an die Rivalität erinnert, die es vor vielen Jahren eigentlich mal geben sollte - bevor Wade und James sich entschieden, gemeinsame Sache zu machen.

Natürlich ist aber mittlerweile nicht mehr von einer Rivalität zu sprechen. Nicht ernsthaft zumindest, auch wenn es rechnerisch sogar möglich wäre, dass wir in diesem Jahr zum allerersten Mal eine Playoff-Serie mit den beiden Banana-Boat-Mitgliedern bekommen werden.

Cleveland Cavaliers: Trotz allem Favorit

Sollte es dazu kommen, wäre die Favoriten-Rolle klar verteilt. Genau wie auch im Hinblick auf die Finals jetzt schon wieder alles von den Cavaliers und nicht von Toronto oder den arg gebeutelten Celtics redet. Cleveland hat beim besten Willen kein komplettes Team und tritt noch immer viel zu oft lethargisch und defensiv desinteressiert auf. Es spielt jedoch anscheinend keine Rolle.

Noch immer kann und will sich kaum jemand vorstellen, dass dieses Schreckgespenst der Eastern Conference wirklich in einer Serie besiegt werden kann. Den Grund dafür kann man sehr leicht zusammenfassen.

"At the other forward, Number 23, LeBron James."

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