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NBA: Daniel Theis von den Boston Celtics im Interview

"Ich bin sicherlich ein bisschen verwöhnt"

Dienstag, 19.09.2017 | 08:50 Uhr
Daniel Theis sorgte mit seinen Leistungen bei der EuroBasket für Aufsehen
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SPOX: Haben die Celtics Ihnen etwas mitgegeben, woran Sie gezielt arbeiten sollten? Gerade auch offensiv?

Theis: Der Dreier aus NBA-Distanz ist erstmal natürlich eine Umstellung, der Ball ist auch ein bisschen anders in Europa. Als ich jetzt dort war, wirkte beides für mich aber nicht wie ein Problem. Coach Stevens hat mir gesagt, dass es ein Vorteil ist, dass ich als Blocksteller sowohl Abrollen als auch "Poppen", also mich für den Wurf anbieten kann. Das gefällt ihm gut, dass ich da so variabel bin. Also muss ich jetzt natürlich schauen, dass der Wurf auch wirklich reinfällt, wenn er gefragt ist.

SPOX: Small-Ball ist ohnehin etwas, dass Ihnen recht gut liegt, oder?

Theis: Ja genau, das kann ich ja als Center auch ganz gut spielen. Stevens ist es wichtig, Bigs zu haben, die wirklich werfen können. Letztes Jahr war Amir Johnson eigentlich der einzige Große, der nie von draußen geworfen hat, alle anderen wurden dazu schon ermutigt und aufgefordert, wenn sie frei waren. Das passt zu mir. Ich habe in den letzten Jahren ja meistens auch gut über 40 Prozent meiner Dreier getroffen. Wenn ich Würfe aus dem Rhythmus kriege, ist es eigentlich sogar leicht. Deswegen traue ich es mir schon zu, das Feld da auch für die Penetration breitzumachen.

SPOX: Gibt es bestimmte Duelle in der NBA, auf die Sie sich besonders freuen?

Theis: Ja, Dennis [Schröder, d. Red.] und ich haben auch schon miteinander gesprochen. (lacht) Wir spielen im November direkt zweimal in Atlanta, darauf freue ich mich natürlich sehr. Das allererste Spiel ist ja auch direkt ein Kracher, wir fliegen nach Cleveland. Da ist richtig Dampf drin, dazu ist es mein erstes NBA-Spiel überhaupt - und dann steht auf der anderen Seite direkt LeBron James! Das ist ein i-Tüpfelchen, keine Frage. Natürlich freue ich mich auch total auf das Weihnachtsspiel. Ein Heimspiel an Weihnachten hatten die Celtics, soweit ich weiß, noch nie in ihrer Geschichte.

SPOX: Daran merkt man auch, dass die Formkurve nach oben geht.

Theis: Ja, jetzt wieder. Nach dem Titel 2008 mit Kevin Garnett und Paul Pierce wurde es ja erstmal ein bisschen ruhiger um sie, das war ja ein Rebuild, den Stevens nach und nach gemacht hat. Sie sind jetzt Jahr für Jahr besser geworden, das bringt natürlich auch mehr Anerkennung.

SPOX: Sie sind da ja ganz gut informiert. Waren die Celtics ein Lieblingsteam von Ihnen?

Theis: Eigentlich hatte ich nie direkt ein Team, ich war aber immer ein großer Fan von Garnett. Die Art, wie er gespielt hat, ist etwas, was ich zumindest immer versucht habe, ein bisschen nachzuahmen. Aber er war vor allem vom Kopf her immer so unglaublich stark. Er war nie der Kräftigste wie Shaq oder so, aber er konnte jeden verteidigen, war extrem vielseitig, hatte diese unbändige Energie und war offensichtlich auch ein großartiger Anführer.

SPOX: Er arbeitet ja mittlerweile teilweise als Big-Man-Coach. Das wäre doch was?

Theis: Ja, ich habe auch gehört, dass er immer noch relativ oft in Boston ist. Vielleicht lerne ich ihn so mal kennen. Mit ihm zu trainieren, wäre natürlich eine richtige Ehre. Mit Giannis [Antetokounmpo, d. Red.] und einigen anderen jungen Spielern hat er das ja schon gemacht. Vielleicht habe ich ja Glück.

SPOX: Kommende Saison spielen zum ersten Mal fünf Deutsche in der NBA, mit Isaiah Hartenstein könnte sogar noch ein weiterer hinzukommen. Bedeutet Ihnen das irgendetwas?

Theis: Ich denke, das zeigt einfach, dass sich bei uns vieles in die richtige Richtung entwickelt. Der deutsche Basketball wird besser und bekommt dadurch auch mehr Anerkennung. Gleichzeitig schaut die NBA natürlich auch etwas mehr nach Europa als früher, in den letzten ein oder zwei Jahren sind ja unglaublich viele Spieler aus Europa rübergegangen. Ich glaube, für uns alle ist das ein gutes Zeichen. Wenn wir in den nächsten Jahren dann auch mal alle für die Nationalmannschaft zusammenbekommen, ist das natürlich ein riesiger Vorteil.

SPOX: Gab es eigentlich auch Kontakt zu anderen Teams?

Theis: Es war eigentlich sehr früh klar, dass es mit Boston ernst wird, deswegen habe ich mich eigentlich auch nicht groß umgehört. Anfragen gab es zwar, aber konkrete Gespräche nur mit den Celtics.

SPOX: Während der BBL-Finals hatte Dennis Schröder ja mal die Hoffnung geäußert, Sie "rüber zu holen". Mit den Hawks gab es aber keine Gespräche?

Theis: Nein. Ich glaube, für mich ist es sowieso ganz gut, dass ich jetzt nicht in Atlanta bin. Dort wäre dann vielleicht die Storyline aufgekommen, ich wäre nur dort, weil Dennis das gerne wollte.

SPOX: Was Blödsinn gewesen wäre.

Theis: Ja, so arbeitet natürlich kein NBA-Team, die haben schon alle ihre eigenen Scouting-Abteilungen und so weiter. So funktioniert es nicht, aber es wäre vielleicht so rübergekommen. Jetzt habe ich erstmal diese zwei Jahre und freue mich auf Boston. Sollte ich eines Tages nochmal mit Dennis zusammenspielen, wäre das natürlich trotzdem cool. Jetzt sind wir erstmal Rivalen, das ist auch gut. (lacht)

SPOX: Haben Sie sich schon Sprüche für den ersten Sieg zurechtgelegt?

Theis (lacht): Noch nicht, aber das wird kommen, keine Frage!

SPOX: Warum ist der Sommer 2017 der richtige Zeitpunkt für Sie, den Schritt in die NBA zu wagen?

Theis: Ich habe im Lauf der letzten drei Jahre in Bamberg persönlich ein neues Level erreicht und auch mit dem Team sind wir immer weitergekommen. Wir waren erstmal im Eurocup, haben dann zweimal Euroleague gespielt und uns da immer besser verkauft. Wir haben uns alle weiterentwickelt und in Deutschland auch alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Und Bamberg ist wieder eine echte Hausnummer in Europa - darauf kann der Verein stolz sein und natürlich alle Spieler, die daran beteiligt waren. Durch so eine erfolgreiche Zeit gewinnt jeder Einzelne an Reife. Deswegen fühle ich mich jetzt persönlich bereit für den nächsten Schritt.

Seite 1: Daniel Theis über seinen Wechsel zu den Celtics

Seite 2: Daniel Theis über seine Rolle, Garnett und ein Treffen mit Schröder

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