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Kristaps Porzingis bei den New York Knicks

Lasst den Letten los!

SID
Dienstag, 10.01.2017 | 18:01 Uhr
Kristaps Porzingis hat sich an die große Bühne im Madison Square Garden gewöhnt
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In seinem zweiten Jahr hat Kristaps Porzingis seinen steilen Aufstieg fortgesetzt und schon jetzt ist der 21-Jährige der wichtigste Spieler der New York Knicks. Es ist Zeit, ihn von der Leine zu lassen. Denn nur so kann New York die Fehler der Vergangenheit wieder gutmachen.

"Ich bin ein Riesen-Fan von ihm. Er hat grenzenloses Potenzial. Er kann Dreier werfen, hat ein gutes Midrange-Game und arbeitet an seinen Post-Ups. Er wird für lange Zeit ein großartiger Spieler in dieser Liga sein."

Diese Worte über Kristaps Porzingis stammen von niemand Geringerem als Dirk Nowitzki himself. Und es scheint, als sollte die Inkarnation des werfenden 7-Footers Recht behalten.

Nach einer beeindruckenden Rookie-Saison hat KP sein Spiel im zweiten Jahr auf ein neues Level gehoben. Nicht umsonst hat der 21-Jährige beim All-Star Voting bisher die elftmeisten Fan-Stimmen im Osten erhalten. Auch in der Diskussion um den Most Improved Player Award muss der Name Porzingis fallen.

Explodierende Stats

In nahezu allen Kategorien hat sich der Lette gesteigert. Waren es im Vorjahr noch 14,3 Punkte (43 Prozent FG, 33 Prozent Dreier), 7,3 Rebounds und 1,9 Blocks pro Spiel, kommt Porzingis nun auf 19,8 Punkte (45 Prozent FG, 41 Prozent Dreier), 7,6 Rebounds und 2,0 Blocks.

Es geht noch weiter: Als einziger Spieler in der Liga hat er aktuell mehr als 70 Dreier und 70 Blocks auf dem Konto. In drei Spielen knackte KP diese Saison die 30-Punkte-Marke. Und das alles, obwohl seine Usage-Rate im Vergleich zu 2015/16 sogar minimal gesunken ist (von 24,6 auf 24,4).

Im Zusammenspiel mit Carmelo Anthony und Derrick Rose ist Porzingis weiterhin nur eine von drei Optionen. Die beiden balldominanten Mitspieler sind in mehr Aktionen involviert und schließen zudem häufiger - und ineffizienter - ab.

"Sie sind beide aggressiv, attackieren ständig und ziehen die Defense zusammen", hebt Porzingis das Positive an der Eigensinnigkeit von D-Rose und Melo hervor: "Daher liegt der Fokus der Defensive oft mehr auf einem von ihnen als auf mir. Ich versuche dann, mich ohne Ball in eine gute Position zu bringen und komme oftmals frei zum Wurf."

Ein neuer Mensch

Doch nicht nur die Stats von KP haben sich verändert. Es ist seine Art, sein Auftreten, sein Spiel. In der vergangenen Saison waren es häufig Catch-and-Shoot-Dreier und natürlich Putbacks, mit denen er punktete - und die im Netz gefeiert wurden. Heute zeigt er regelmäßig Stepback-Jumper, nowitzkiesque Fadeaways, Crossover und sogar erste Post-Moves. Was eine Saison in der besten Liga der Welt so alles bewirken kann.

Ins Auge springt auch Porzingis' neues Selbstbewusstsein - in einer sehr angenehmen Art und Weise. Kein Hauch von Swaggy P. oder J.R. Smith, stattdessen beeindruckt er mit einer nahezu stoischen Arbeiter-Natur. "Alles für das Team" heißt stets das Motto - und seine Mimik nach einem getroffenen Wurf erinnert zuweilen an die von Tim Duncan.

Plötzlich Sprachrohr

Mit den konstant guten Leistungen geht mittlerweile ein gewisses Selbstverständnis einher. Der lettische Lulatsch übernimmt auch abseits des Courts Verantwortung; während der jüngsten Niederlagenserie äußerte er das erste Mal Kritik am Team. Und das war auch bitter nötig.

So gut Porzingis auch spielt, bei den Knicks läuft derzeit nicht viel zusammen. Von den letzten 14 Spielen gingen 11 verloren. Der gute Start und die frühen Playoff-Hoffnungen sind dahin. Die Bilanz von 17-21 ist gerade gut genug für Platz 10 in der Eastern Conference.

"Schon, als wir vier Spiele über 0.500 waren, habe ich es gesagt: So gut sind wir noch nicht", so KP: "Wir wachsen noch zusammen. Wir haben zwar Spiele gewonnen, aber wir hatten noch eine Menge zu lernen. Es war eine gute Phase, aber wir haben uns zu viel auf unser Talent verlassen. Wir waren noch nicht da, wo wir hinmüssen und das zeigt sich jetzt. Es ist frustrierend."

Hauptproblem Defensive

Die Probleme von New York liegen vor allem am hinteren Ende des Feldes. Die Verteidigung lässt im Schnitt 108,9 Punkte zu. In den drei Partien, die KP verletzt fehlte, waren es sogar 116,3 Punkte.

Denn entgegen aller Vorurteile gegenüber dem dürren Europäer, der da über den großen Teich in die Glamour-Stadt der Staaten kam, etablierte sich Porzingis bereits im zweiten Jahr als einer der besten Ringbeschützer der Liga.

Gegnerische Spieler, die gegen ihn am Korb abschließen, kommen lediglich auf eine Quote von 42 Prozent - der niedrigste Wert in der gesamten NBA. Damit ist KP besser als hochgelobte Verteidiger wie Rudy Gobert (42,7), Draymond Green (44,6) oder DeAndre Jordan (45,7).

Ein paar Kilo muss Porzingis schon noch draufpacken, damit er auch gegen bulligere Center im Post seinen Mann stehen kann. Doch auf der Fünf spielt er aktuell kaum. Eine Schande. Denn mit ihm als Center und Melo auf der Vier könnte New York eines der gefährlichsten Frontcourt-Duos der Liga haben.

Die Folgen der Offseason

Das Konzept der Verantwortlichen um Phil Jackson, auf alternde, ehemals gute Spieler zu setzen, um die Playoffs zu erreichen und der Win-Now-Einstellung im Big Apple Rechnung zu tragen, erweist sich immer mehr als Fehler.

Besonders die Verpflichtung von Joakim Noah, der über vier Jahre stolze 72 Mio. Dollar verdient, hindert Porzingis an seiner Entwicklung. Und sie schadet dem Team.

Mit Rose steht bereits ein schwacher Schütze in der Starting Five, ist auch noch Noah dabei, geht das Spacing im Halfcourt gegen Null. Einzelaktionen von Melo und Rose sind die Folge. Teilweise gehen mehrere Angriffe ins Land, bis KP mal wieder den Spalding in den Händen hält.

Das Pick-and-Pop mit Porzingis ist die beste Waffe, die New York aktuell hat. Sie sollte viel öfter die erste Option sein. Gerade gegen die ICE-Defense, die viele Teams - gerade auf dem Flügel - spielen, bekommt Porzingis fast jedes Mal einen freien Wurf.

Fragezeichen Gesundheit

Franchise-Player. Der Status, den Anthony schon lange für sich beansprucht und doch nie wirklich rechtfertigen konnte, ist schon Mitte des Sophomore-Jahres auf Porzingis übergegangen, - auch wenn das in dieser Form kaum jemand laut ausspricht. Jüngst sorgten jedoch Probleme an Porzingis' Achillessehne für eine Schrecksekunde.

Die Knicks-Fans, die schon Bill Cartwright seine Beinkraft haben verlieren sehen und noch immer von Patrick Ewings Knie-Pads in ihren Träumen heimgesucht werden, zuckten unwillkürlich zusammen, als sie von KPs Problemen hörten.

Gerade die Achillessehne muss bei so großen Spielern wie ihm eine enorme Last aushalten. Und das Einzige, das Porzingis daran hindern kann, über Jahre einer der besten Big Men der Liga zu werden, ist die Gesundheit.

Porzingis machte den Fehler, die Verletzung nicht ernst zu nehmen und berichtete dem Team erst zwei Spiele später von den Schmerzen. Zum Glück war es nur eine Kleinigkeit - und er hat seine Lektion gelernt. Prompt begann er mit einem speziellen Stärkungs-Programm für die Sehne, das ihm in Zukunft ähnliche Probleme ersparen soll.

Die Konstanz in Person

Nun ist Porzingis seit drei Spielen wieder zurück. Nach zwei guten Partien erwischte er gegen die Pelicans einen düsteren Abend und zeigte die schwächste Leistung seit Langem (9 Punkte, 3/13 FG). Doch die Tatsache, dass man bis zum 2. November zurückgehen muss, um ein Spiel mit einstelliger Punktausbeute und vergleichbar schwachen Quoten zu finden, zeigt, wie konstant Porzingis im Vergleich zum Vorjahr geworden ist.

Um die Knicks aus der Misere zu führen, ist das aber noch nicht genug. Coach Jeff Hornacek wünscht sich ein selbstloseres Spiel seines Teams. Aber er weiß, dass er diese Bitte nicht an KP richten muss.

"Unsere Jungs wissen, dass sie scoren können. Aber das kann manchmal auch hinderlich sein, wenn sie wissen, dass sie zu jeder Zeit einen Korb erzielen können. Wir versuchen noch, einen Weg zu finden, der es für alle einfacher macht. Ein Blick auf die Warriors genügt: Sie alle können im Eins-gegen-Eins scoren - und doch passen sie den Ball, um den anderen Mitspielern einfachere Würfe zu kreieren. Da müssen wir hinkommen."

Zumindest einer hat raus, wie die Zukunft aussehen muss. Brandon Jennings: "Kristaps ist ein wichtiger Faktor in der Offensive, also müssen wir ihm den Ball geben. Er ist 2,21 Meter groß, kann punkten und auch aus der Distanz treffen. Wenn du als Point Guard einen Assist haben willst, dann ist er der Spieler, den du anspielen musst. Ich versuche, ihn so oft wie möglich in Szene zu setzen und ihm einfache Abschlüsse zu ermöglichen. Er muss punkten, damit wir Erfolg haben können."

#FreeKP

Diese Meinung teilt nach knapp der Hälfte der Saison vermutlich fast jeder New Yorker - bis auf KP selbst. "Ehrlich gesagt, verstehe ich gar nicht, was um mich herum gerade alles abgeht. New York ist eine große Bühne, aber ich spiele einfach nur Basketball und versuche, ich selbst zu bleiben. Daher ist es gut, dass ich meine Familie um mich herum habe. So hebe ich nicht ab."

Porzingis' Bescheidenheit in allen Ehren, doch genau das ist es, was er tun muss. Abheben. Nicht im Geiste, sondern im Spiel. Ein Wunder, dass #FreeKP bei Twitter noch keine höheren Wellen geschlagen hat.

Und Jeff Hornacek täte gut daran, ihn endlich so einzusetzen, um seine Entwicklung voranzutreiben. Melo, Rose, Noahs Vertrag und Win-Now hin oder her.

Auch wenn er beim Besuch in Disneyland vor zwei Wochen eher aussah wie ein 10-jähriger Junge, als er mit Winnie-Puuh-Ohren kreischend Karussell fuhr - es gibt keinen Zweifel: Kristaps Porzingis ist der neue Franchise-Player der Knicks.

Kristaps Porzingis im Steckbrief

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