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Das blinde Verständnis ist weg

Von SPOX
Mittwoch, 14.08.2013 | 18:59 Uhr
Gregg Popovich verlor seinen engsten Vertrauten Mike Budenholzer an die Atlanta Hawks
© getty
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Mit Mike Budenholzer und Brett Brown verlor Head Coach Gregg Popovich zwei enge Vertaute an Atlanta beziehungsweise Philadelphia. Wie fängt San Antonio den Verlust der Assistant Coaches auf? SPOX hat Spurs-Insider Mike Monroe von den "San Antonio Express-News" um eine Einschätzung gebeten.

Als Gregg Popovich während der NBA Finals auf Mike Budenholzer angesprochen wurde, war die Nachricht vom bevorstehenden Abgang des Assistant Coaches erst wenige Tage alt.

Der Head Coach der Spurs antwortete zunächst widerwillig und wollte aufgrund der sportlichen Herausforderung Miami Heat zunächst nicht näher darauf eingehen.

Doch nach wenigen Worten sah der 64-Jährige offenbar ein, dass Budenholzer mehr verdiente: "Er war über Jahre hinweg mein erster Ansprechpartner, mein Vertrauter und Freund, fast ein zweiter Head Coach", so Popovich schließlich. "Als ich Assistant Coach von Don Nelson bei den Warriors war, hat er Scout-Filme für mich zusammengeschnitten. Er hat anfangs keinen Cent verdient. Und trotzdem hat er sich nie beschwert, hat seine Arbeit gemacht und sich stetig verbessert. Da wusste ich, dass aus ihm etwas wird - und habe ihn vor mittlerweile 17 Jahren zu den Spurs geholt."

Monroe: "Kein Unterschied zwischen Pop und Bud"

In den letzten Jahren, so Mike Monroe von den "San Antonio Express-News" im Gespräch mit SPOX, war Budenholzer fast wie eine Kopie seines Vorgesetzten: "In der vergangenen Saison gab es ein paar Partien, die Pop aus gesundheitlichen Gründen verpasst hat. An der Art und Weise, wie Bud das Team eingestellt und gecoacht hat, hat man aber überhaupt keinen Unterschied zu Pop feststellen können."

Mike Budenholzer im SPOX-Interview: "Pop und ich hatten hitzige Gespräche"

Insofern tut Budenholzers Abgang am meisten weh. "Keiner hat länger mit Popovich zusammengearbeitet als Bud", stimmt Monroe zu. "Pop hat immer betont, dass Budenholzer die Offense der Spurs wahrscheinlich sogar besser kannte als er selbst."

Die Tatsache, dass die Philadelphia 76ers Brett Brown zu ihrem neuen Head Coach machten, hinterlässt dagegen eher in der Defensivarbeit der Spurs eine Lücke.

Brown eher Defensivspezialist

Brown war seit 2006 Assistant Coach der Spurs, zuvor vier Jahre für das Player Development bei den Texanern zuständig.

"Brown ist ein Verteidigungsspezialist und eher für diese Seite der Trainerarbeit zuständig gewesen", erklärt Monroe. "Allerdings ist das ja auch Popovichs Stärke, da hat er eher das Kommando als bei der Offense. Dennoch war Brown ein wichtiger Partner zum Austausch."

Aber nicht nur fachlich wird Popovich nach so vielen gemeinsamen Jahren etwas fehlen. Vielmehr könnte der Verlust des blinden Verständnisses, das den oft als grantig verschrienen Cheftrainer mit seinen engsten Vertrauten verband, schwerer wiegen als alles andere.

Boylen kommt für Budenholzer

Während des Sommers reagierten die Spurs zwar, indem sie Jim Boylen als neuen Assistant Coach verpflichteten.

Der 48-Jährige war bereits Cheftrainer der College-Mannschaft Utah Utes, gewann mit den Rockets als Assistent 1994 und 1995 zwei NBA-Titel und war zuletzt Teil von Frank Vogels Trainerstab bei den Indiana Pacers - die mit Boylen und Brian Shaw (Head Coach der Denver Nuggets) ebenfalls prominente Verluste zu beklagen haben.

"Boylen wird wohl der erste Assistant Coach von Popovich sein", sagt Monroe. "Das bedeutet, er würde für Pop übernehmen, wenn der mal ein Spiel verpasst oder während einer Partie disqualifiziert würde."

Doch bei aller Qualität Boylens kennt dieser das System und die Philosophie der Spurs noch nicht, seine Beziehung zu Popovich muss sich erst entwickeln. "Coach Pop wird wohl in den nächsten Wochen und Monaten wieder mehr am normalen Trainingsbetrieb teilhaben", glaubt Monroe. "Dafür waren in den letzten Jahren eigentlich ausschließlich Budenholzer und Brown zuständig."

Man kann von einem Umbruch sprechen

Neben Budenholzer-Ersatz Boylen wird wohl auch für Brown noch jemand eingestellt. "Der zweite Neuzugang muss nicht von außen kommen", glaubt Monroe. "Es könnte auch Chad Forcier befördert werden, der bisher für das Player Development zuständig war. Trotz aller Gerüchte glaube ich nicht daran, dass Popovich P.J. Carlesimo zurückholen wird."

Doch wenn Forcier für Brown übernimmt, dessen Nachfolge der 40-Jährige bereits in Sachen Spielerentwicklung antrat: Was wird dann aus Kawhi Leonards Entwicklung zum Star? Brown war seinerzeit mitverantwortlich für den kometenhaften Aufstieg des jungen Tony Parker, Forcier arbeitete in den letzten Jahren intensiv mit dem neuen Gesicht der Spurs zusammen.

"Er und Shooting Coach Chip Engelland sind für Kawhi zuständig", weiß Monroe. "Pop lobt Forcier bei jeder Gelegenheit für die Fortschritte, die Leonard dank ihm gemacht hat." Im Falle eines Forcier-Aufstiegs müsste der Small Forward mit einem anderen "Betreuer" an seinem Spiel arbeiten.

Der Verlust der beiden wichtigsten Bezugspersonen Popovichs hat also nicht nur auf den Head Coach, sondern auf alle Bereiche des Coaching Staff großen Einfluss, man kann fast von einem Umbruch sprechen.

Udoka: Nächstes Trainertalent in der Pipeline

Dank der Schlagzeilen, die Budenholzer und Brown dieser Tage machen, wächst fast unbeachtet bereits das nächste große Trainertalent in San Antonio heran: Ime Udoka ist seit einem Jahr jüngster Assistant Coach von Popovich und wird schon jetzt für seine Arbeit gelobt.

Bei den "adidas nations", einem Nachwuchsturnier, übernahm der 36-Jährige eine Jugendmannschaft und machte laut Beobachtern einen fantastischen Job.

"Popovich ist sehr beeindruckt von Imes Verständnis des Spurs-Systems, der Teamdynamiken usw.", berichtet Monroe. Ganz verwunderlich ist das aber nicht: Neben Stationen bei den Lakers, Knicks, Trail Blazers und Kings waren es vor allem die Spurs, bei denen Udoka seine Zeit als NBA-Profi verbrachte.

Der ehemalige Small Forward weiß also, wie der Hase in San Antonio läuft. Obwohl das natürlich nicht zwangsläufig einen guten Coach aus ihm macht. Aber: "Popovich traut Ime durchaus zu, eines Tages ebenfalls ein Head Coach zu sein", sagt Monroe.

"Wiedersehen wird emotional"

Zum Glück für die Spurs werden aber noch ein paar Jahre ins Land gehen, ehe Udoka so weit ist. "Zunächst einmal wird Ime sicher in der Hierarchie aufsteigen, das erscheint völlig klar", so Monroe. Und er soll damit helfen, die Verluste von Mike Budenholzer und Brett Brown aufzufangen.

Popovich und Brown treffen am 11. November in Philadelphia erstmals wieder aufeinander, wenn die Spurs bei den Sixers gastieren. Budenholzer sieht Pop bereits in der Preseason wieder: Am 17. Oktober reisen die Spurs nach Atlanta und spielen gegen die Hawks.

"Wenn sie sich zum ersten Mal als Gegner gegenüberstehen, dann wird das bestimmt ein emotionaler Moment für beide", ist Monroe überzeugt. "Aber Pop weiß genau, wie er solche Dinge einzuschätzen hat, und er nimmt es Budenholzer auf keinen Fall übel, dass er zu den Hawks gegangen ist. Im Gegenteil: Er freut sich für ihn, dass er diese Chance bekommen hat. Ihm ist doch auch klar, dass es das Ziel jedes ambitionierten Trainers sein muss, irgendwann als Head Coach zu arbeiten."

Budenholzers und Browns Abgänge sind schwerwiegend, aber zugleich Zeugnis der grandiosen Arbeit, die San Antonio seit fast zwei Jahrzehnten macht. Und sie werden nicht die letzten Assistant Coaches gewesen sein, denen Pop zu einer Beförderung verhalf.

Der Kader der San Antonio Spurs

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