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MLB Homerun Derby 2018: Crasht der Platzhirsch den Debütantenball?

Montag, 16.07.2018 | 09:35 Uhr
Bryce Harper ist der Local Hero beim Homerun Derby 2018.
© getty

In der Nacht zum Dienstag (ab 2 Uhr MESZ) steigt das MLB Homerun Derby 2018 im Nationals Park von Washington/D.C. Dem Teilnehmerfeld mögen dabei vielleicht ein paar Big Names fehlen, doch ein Feuerwerk ist dennoch zu erwarten. Ein Blick auf die Daten bestätigt dies.

Das Publikum tobte, die Bälle flogen teilweise über 500 Fuß und ein Mann begeisterte die Massen. Aaron Judge, seinerzeit Rookie und Homerun-Leader in der American League. Der Yankees-Outfielder dominierte an jenem Abend in Miami das Homerun Derby nach Belieben.

Schon in der ersten Runde brauchte er bei geschlossenem Dach im klimakontrollierten Marlins Park 22 Homeruns, um überhaupt die erste Hürde - Lokalmatador Justin Bour - zu überwinden, anschließend waren seine Kontrahenten Cody Bellinger und Miguel Sano keine Herausforderung mehr.

In diesem Jahr macht das Homerun Derby Halt in der amerikanischen Hauptstadt. In Washington/D.C. fliegen die Bälle am Vorabend des 89. All-Star Games durch den Nationals Park. Der Hauptunterschied zum Vorjahr liegt dabei direkt auf der Hand: Oberflächlich betrachtet fehlen einfach die Stars!

Sicher, Local Hero Bryce Harper von den Nationals ist am Start, aber ansonsten bietet die MLB den Fans in diesem Jahr einen regelrechten Debütantenball an. Keiner sonst hat Derby-Erfahrung, obgleich Harpers letzter Auftritt auch schon fünf Jahre zurückliegt. Für frischen Wind ist somit also gesorgt.

Anders als im Vorjahr, als alles heiß war auf ein potenzielles Finale der zwei "Monster" Judge und Giancarlo Stanton, scheint das Feld jetzt aber sehr viel offener zu sein. Es gibt eigentlich niemanden, der auf den ersten Blick wirklich heraussticht. Doch ist das wirklich so? Ein Blick in die Statistiken nämlich verrät durchaus ein paar mögliche Favoriten.

Gemeint ist hier freilich kein Blick auf die aktuellen Homerun-Zahlen oder dergleichen. Die haben in einem Homerun Derby ohnehin kaum Aussagekraft. Nein, wir blicken auf Zahlen von Statcast, dem hochmodernen Analysesystem der MLB.

Homerun Derby 2018: Das Teilnehmerfeld im Statcast-Vergleich

SeedSpielerSchlaghandExit Velo (MPH)Launch Angle (Grad)Hard Hit PercentageHomeruns 2018
1Jesus AguilarLinks90,617,445,224
2Bryce HarperL90,415,145,325
3Max MuncyL91,117,14922
4Alex BregmanRechts89,416,341,220
5Kyle SchwarberL8910,944,318
6Javier BaezR90,29,345,919
7Freddie FreemanL89,61440,116
8Rhys HoskinsR8921,442,214
-Ligadurchschnitt-87,310,834,1

Exit Velocity beschreibt die Geschwindigkeit, mit der ein Ball den Schläger direkt nach dem Schlag verlässt. Je höher, desto besser. Launch Angle ist der Winkel, in dem der Ball geschlagen wird, und die Hard Hit Percentage besagt, in wie viel Prozent der Fälle ein Hitter einen Ball "hart", also mit sehr hoher Geschwindigkeit, schlägt, um es mal trivial zu formulieren.

Nimmt man diese Zahlen zur Grundlage, fällt schnell auf, dass Max Muncy, der Shootingstar der Los Angeles Dodgers, die höchste Hard-Hit-Percentage im Feld hat - mit Abstand! Zudem ist seine durchschnittliche Exit Velocity ebenfalls die höchste. In Sachen Launch Angle liegt er in den Top drei.

Schaut man sich die heutige Generation an Baseballspielern an, fällt schon seit ein paar Jahren auf, dass viele Spieler gezielt daran arbeiten, ihren Launch Angle steiler zu stellen. Die Idee: Je mehr Bälle man in die Luft schlägt, desto höher ist die Chance auf Homeruns - oder wenigstens Extra-Base-Hits. Ein Prinzip, auf dem das Scouting der Houston Astros teilweise aufbaute.

Denn: On-Base-Guys wurden im Laufe der Zeit immer teurer, aggressive Hitter hingegen kamen aus der Mode, wurden also günstiger. Die Astros nutzten diese Marktlücke und setzten stattdessen auf Leute, die zwar mehr Risiko gehen und mehr Outs produzieren, dafür aber auch häufiger mehr als nur eine Base mit ihren Hits erreichen. Netter Nebeneffekt: Wer den Ball nicht auf den Boden schlägt, schlägt auch nicht in Double Plays.

Die Vermutung liegt also nahe, dass jemand, der standardmäßig den Ball steiler trifft und ihn in die Luft schlägt, bessere Chancen hat, Homeruns zu schlagen als Leute mit weniger steilen Launch Angles.

MLB Homerun Derby 2018: Rhys Hoskins Favorit gemäß Statcast?

Gemäß Statcast wäre somit Rhys Hoskins der klare Favorit, auch wenn er von allen Teilnehmern die wenigsten Homeruns in diesem Jahr auf dem Konto hat.

Ganz so einfach ist es jedoch nicht. Als Aaron Judge im Vorjahr das Derby gewann und 52 Homeruns als Rookie schlug, lag sein durchschnittlicher Launch Angle bei 15,8 Grad. In diesem Jahr liegt selbiger gar nur bei 12 Grad. Verglichen mit dem heutigen Derby-Feld würde er damit nicht mal im Mittelfeld liegen.

Das macht(e) aber nichts, denn Judge schlägt den Ball sehr häufig (55,9 Prozent Hard Hit Rate 2018) verdammt hart (96 MPH Exit Velo). Zahlen, die jeden im aktuellen Feld deutlich übertreffen. Judge steht aktuell bei 25 Long Balls und ist auf Kurs für zu knapp unter 50 in dieser Saison trotz vergleichsweise flachem Launch Angle.

Es liegt also nahe, dass eigentlich die Geschwindigkeit, mit der der Ball geschlagen wird, wichtiger ist, als der Winkel. Nimmt man dies zur Grundlage, dann wäre eher Max Muncy als Favorit anzusehen, schlägt er den Ball doch am härtesten von allen Teilnehmern.

MLB: Die Dimensionen im Nationals Park

LocationEntfernung zur Home Plate (in Fuß)
Left Field337 (103 m)
Left-Center Field377 (115 m)
Center Field402 (123 m)
Right-Center Field370 (113 m)
Right Field335 (102 m)

Nimmt man jetzt noch die Dimensionen des Nationals Parks dazu, dann sind zudem Linkshänder leicht im Vorteil, sind doch die Entfernungen von der Home Plate zur Mauer im Right und Right-Center Field leicht geringer im Vergleich zur anderen Seite. Und: Muncy schlug 15 seiner 22 Homeruns über den Zaun im Right Field oder Right-Center Field!

Was man jedoch bedenken muss, ist, dass die zugrundeliegenden Zahlen natürlich aus regulären Spielsituationen herrühren. Will sagen: Sie entstanden in Real-Situationen gegen echtes Pitching. Ein Homerun Derby hingegen ist essenziell glorifiziertes Batting Practice mit Pitchern, die einen Meatball (ein leicht zu schlagender Pitch) nach dem anderen servieren.

Es kommt dann auch darauf an, wer die größte Kondition hat und die beste Konzentration an den Tag legt. Wer findet seinen Rhythmus am besten und wird mit dem Druck des Moments am besten fertig? Zudem dürfte das Publikum eindeutig hinter Harper stehen, der durchaus einen Boost gebrauchen könnte nach durchwachsener erster Saisonhälfte. Abgesehen davon kennt er seinen Heim-Ballpark natürlich wie seine Westentasche.

Dem Homerun Derby 2018 in D.C. mag vielleicht die ultimative Starpower fehlen, einem spannenden und potenziell spektakulären Wettbewerb dürfte dies aber nicht im Wege stehen. Wenn es schon nicht die Namen der Teilnehmer suggerieren, dann aber die Statcast-Daten umso mehr.

Dieser Artikel wurde ohne vorherige Ansicht durch die Major League Baseball veröffentlicht.

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