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MLB, Minnesota Twins - Joe Mauer: Der legendäre Junge aus St. Paul

Spielt Joe Mauer seine letzte Saison in Minnesota?
© getty

Joe Mauer ist das Gesicht der Minnesota Twins. Das Urgestein ist ein Local Hero und setzt auch nach vielen Jahren in der MLB immer noch auf denselben Ansatz. SPOX stellt den berühmten Teamkollegen von Max Kepler vor und wagt einen Blick in die Zukunft.

Am Sonntag könnt Ihr das Heimspiel der Minnesota Twins gegen die Tampa Bay Rays ab 20.10 Uhr live verfolgen. SPOX zeigt die Partie im LIVESTREAM FOR FREE.

Die Geschichte der Minnesota Twins und ihrem Franchise-Gesicht Joe Mauer begann 2001 wie im Märchen. Der Star der Cretin-Derham Hall High School in St. Paul/Minnesota wurde als erster Pick insgesamt im Draft gezogen. Drei Jahre später gab er dann sein Debüt und avancierte recht schnell zum Star-Catcher - der gesamten Liga.

Mittlerweile bestreitet Mauer das letzte Jahr seines Acht-Jahresvertrags, der ihm die Twins-Rekordsumme von 184 Millionen Dollar einbrachte. Was danach passiert, ist ungewiss. Ebenso ist unklar, ob Mauer tatsächlich bis Saisonende bleibt - schon aus Respekt vor der Leistung des Spielers für die Franchise ...

Langjährige Beobachter der Szene und eingefleischte Twins-Fans sowieso werden sich mit Freude an Mauers ganz große Zeit zurückerinnern. Dreimal gewann er den Gold Glove Award als bester Catcher der American League, fünf Mal den Silver Slugger für den besten Offensiv-Catcher. Es fielen drei Batting-Titel ab und 2009 wählten sie ihn gar zum MVP.

Joe Mauer: 2009 als Karrierewendepunkt

2009 allerdings repräsentierte zugleich eine Art Wendepunkt in der Karriere von Mauer. Damals schlug er 28 Homeruns (Career High) und hatte eine 1.031 OPS (171 OPS+). Zahlen, in deren Nähe er fortan nicht mehr kam.

Zum einen lag dies freilich an der Tatsache, dass 2009 die letzte Saison im altehrwürdigen - und mittlerweile demolierten - Hubert H. Humphrey Metrodome repräsentierte. 2010 eröffnete Target Field. Schaut man sich die Zahlen Mauers im Vergleich an, erkennt man einen klaren Leistungsabfall zwischen dem alten und neuen Ballpark in allen wichtigen Offensiv-Statistiken.

Der Metrodome war für linkshändige Schlagleute mit seinem einladenden Right Field deutlich leichter zu handeln als der neue, größere Ballpark. Trivial formuliert: Für Homeruns in die Richtung musste man den Ball im Prinzip nur einigermaßen hoch gegen die Wand schlagen. Im Target Field ist die Entfernung zur Mauer jedoch größer und die Homerun-Linie ist noch höher.

Ein weiterer Grund war freilich Mauers Gesundheit. 2013 war sein letztes Jahr hinter der Platte, fortan setzten ihn die Twins nur noch als First Baseman und Designated Hitter ein. Der Grund dafür war, ihn vor sich selbst zu schützen. Fortwährende Knieprobleme, Rückenbeschwerden und nicht zuletzt Folgen zahlreicher Gehirnerschütterungen bewogen die Twins dazu, ihren Star zu entlasten und ihn auf eine weniger taxierende Position zu beordern.

2013 war zugleich das letzte Jahr, in dem Mauer eine On-Base Percentage von über .400 hatte, seither bewegte er sich meist deutlich darunter. Auch sein Schlagdurchschnitt - in der Karriere bei starken .307 - lag seither nur noch einmal über .300!

Singles-Hitter Joe Mauer

Was geblieben ist, ist seine klare Tendenz an der Platte. Mauer war und ist seit jeher ein Singles-Hitter. Nur 582 seiner 2049 Karriere-Hits gingen für Extra-Bases. Sogar nur 139 waren Homeruns. Mauer stand schon immer für starke Defense und die Fähigkeit, konstant auf Base zu kommen. Diese Fähigkeiten brachten ihm sechs All-Star-Nominierungen ein - wenig überraschend war seine letzte aber ebenfalls 2013.

Mauer ist sich stets treu geblieben ist. "Er hat sich nicht von der neuen Ära des Baseballs beeinflussen lassen. Und ich denke, dass das wirklich gut ist, denn er weiß, was für ihn funktioniert und er hat sich immer darangehalten", sagte Second Baseman Brian Dozier, seines Zeichens selbst Free Agent am Ende des Jahres, gegenüber Sporting News.

Dozier spielte damit auf die Tendenz der heutigen Generation an, sich mit Dingen wie Exit Velocity und Hit Angle zu befassen und ihre Schwünge für mehr Homeruns zu verändern, was meist auf Kosten des Schlagdurchschnitts geht und für mehr Outs sorgt.

"Er ist keiner, der an die Platte tritt und dann jedes Mal nur hackt. Seine Herangehensweise besteht darin, Pitcher arbeiten zu lassen, viele erste Pitches, manchmal auch zweite Pitches zu nehmen, um gewissermaßen ein besseres Verständnis dafür zu bekommen, was der Pitcher versucht zu tun. Das ist Joe. Das ist Joe schon immer gewesen", fuhr Dozier fort.

Joe Mauer - Meister der Strikezone

Insofern wussten die Twins bei Vertragsunterschrift im März 2010, auf wen sie sich einließen. "Seit er zu uns kam, kannte er die Strikezone", erinnert sich Justin Morneau, einst Teamkollege Mauers in Minnesota: "Sein Wissen über die Strikezone ist mit das Beste im Baseball."

Dieses Wissen wiederum setzt er weiterhin zu seinem Vorteil um: Mauers Produktion mag zwar generell zurückgegangen sein, doch ein Meister der Strikezone ist er immer noch. Abzulesen ist dies an den Statistiken Walk-Quote, Strikeout-Quote und dem Verhältnis Walks pro Strikeouts.

ZeitraumWalk-Quote (in Prozent)Strikeout-Quote (in Prozent)Walks/Strikeouts
201811,512,60,91
Karriere1212,80,94

All diese Werte sind nah dran am Karriereschnitt. Mauer steht wahrlich für große Konstanz. Und er kommt auch weiterhin recht kompetent auf Base.

Eine Erkenntnis, die ihn vielleicht sogar für andere Teams noch in diesem Jahr interessant machen könnte. Die Twins sind Mitte Juli fernab von Gut und Böse und werden mit großer Wahrscheinlichkeit die Playoffs verpassen. Und Mauers Vertrag läuft aus.

Mauer selbst hatte vor der Saison verlautbaren lassen, dass er solange spielen wolle, wie er produktiv sein kann. Mit seinen 35 Jahren muss das nicht mehr allzu lange der Fall sein. Und auch wenn er selbst offiziell keine Gedanken an einen Klubwechsel verschwendet - zumal er eine volle No-Trade-Klausel besitzt - sind sich die Twins ihrer sportlichen Situation und des Stellenwerts Mauers für ihre Franchise bewusst.

Und schon deshalb würden sie ihrer Franchise-Legende - Nummer 7 wird mit Sicherheit nach Mauer niemand mehr tragen in Minnesota - keine Steine in den Weg legen, sollte da ein Titelaspirant anklopfen. "Idealerweise würden wir ihm eine Chance präsentieren, um die Playoffs mitzuspielen", sagte Thad Levine, General Manager der Twins. "Aber im Wissen seiner Hingabe für die Gesellschaft - aber auch seines Siegeswillens - würden wir es ihm erlauben, all diese Entscheidungen selbst zu treffen, anstatt im Voraus irgendwas für ihn und seine Familie zu entscheiden."

Minnesota Twins: Verlässt Joe Mauer seine Heimat?

Ob Mauer dann tatsächlich an einem Trade und Weggang interessiert wäre, ist die große Frage. Der Durst nach Erfolg, speziell in den Playoffs, dürfte aber immer noch vorhanden sein. Schließlich hat Mauer noch kein Playoffspiel gewonnen. Er trat zehn Mal an, zehnmal gingen er und seine Kollegen als Verlierer vom Feld. In drei ALDS-Serien gab es drei Sweeps - zwei gegen die Yankees, einen gegen Oakland, zudem verlor man im Vorjahr das Wildcard Game in New York.

Angesichts seines Alters und seiner Gesundheit - früh in der laufenden Saison verpasste Mauer erneut drei Wochen mit einer Gehirnerschütterung nach einem eigentlich harmlosen Play an der ersten Base - ist das Fenster für Mauer nicht mehr lange offen. Will er nochmal den großen Wurf schaffen und um eine World Series spielen, dann bleibt vielleicht nur ein Wechsel.

Oder der Junge aus St. Paul macht eine Schleife um seine großartige Karriere und beendet sie dort, wo sie begann. Eine Legende ist er dort ohnehin bereits.

Dieser Artikel wurde ohne vorherige Ansicht durch die Major League Baseball veröffentlicht.

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