Olympia

Historische Curling-Pleite: Kein deutsches Team in Pyeongchang

SID
Sonntag, 10.12.2017 | 11:34 Uhr
Das deutsche Curling-Team wird nicht bei Olympia starten
© getty

Historische Pleite für den deutschen Curling-Sport: Erstmals seit der Wiederaufnahme ins olympische Programm 1998 hat sich kein deutsches Team für die Winterspiele qualifiziert. Beim Qualifikationsturnier im tschechischen Pilsen verpassten die Skips Alexander Baumann (Rastatt) und Daniela Jentsch (Füssen) auf den Plätzen sieben und sechs jeweils das Ticket nach Pyeongchang/Südkorea (9. bis 25. Februar).

Nur die besten drei Mannschaften hatten in Pilsen in anschließenden Play-offs die Chance auf die jeweils beiden letzten Startplätze. Bei den Männern qualifizierte sich als erstes Team Italien für die Spiele, bei den Frauen China.

"Wir sind genauso wie die beiden Mannschaften über die verpasste Chance enttäuscht. Auf diesem Niveau sind Kleinigkeiten eben oft ausschlaggebend", sagte Bernhard Mayr, Präsident des Deutschen Curling-Verbandes (DCV). Man müsse alles auf den Prüfstand stellen, um die richtigen Stellhebel zu identifizieren und entsprechend zu verändern.

Chancen auf Fördergelder sinken

Für den DCV wird es im Rahmen der neuen Leistungssportreform nach dem Olympia-K.o. von Pilsen nicht leichter, bei der künftigen Verteilung der Fördergelder wie bislang berücksichtigt zu werden. Bereits 2014 drohte dem Curling als erster olympischer Sportart das Aus bei der Förderung.

Erst nach intensiven Gesprächen mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und dem Geldgeber Bundesinnenministerium sowie Zugeständnissen für notwendige Reformen konnte dies abgewendet werden.

Langfristiges Ziel: Medaille bei Olympia

Mayr blickt dennoch optimistisch in die Zukunft: "Unser Gesamteindruck im deutschen Curling ist, dass es in absehbarer Zukunft möglich ist, in die Top Ten der Welt zu kommen und langfristig bis 2026 eine Medaille bei Olympia zu holen."

Dieser Ausblick scheint extrem mutig, ist der deutsche Curlingsport gegenüber den führenden Nationen wie Kanada oder Schweden deutlich im Nachteil. Dort wird Curling professionell betrieben, auch die Anzahl der Spieler ist um ein Vielfaches höher.

So haderte Daniela Jentsch nach dem Scheitern: "Insgesamt muss man sagen, dass der Druck für die eine oder andere ja auch noch recht Unerfahrene in unserem Team etwas zu hoch war. Wir haben alles probiert - auch mit Veränderungen in der Aufstellung, aber es hat nicht gereicht."

Im April waren bereits die deutschen Meister Julia Meißner und Andy Büttner (Geising) in der Qualifikation für die Premiere des Mixed-Doubles-Wettbewerbes gescheitert.

Deutschland seit 98 immer dabei

Seit 1998 in Nagano war Deutschland immer zumindest mit einem Team dabei. Der Curling-Wettbewerb der Männer 1924 in Chamonix wurde vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) erst 2006 als offizieller Wettbewerb anerkannt.

Auch damals war kein deutsches Team dabei. 74 Jahre dauerte es dann, bis der Sport wieder ins olympische Programm aufgenommen wurde.

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