Olympia

Doping-Skandal: Russland droht Strafenlawine

SID
Der McLaren-Report könnte für hohe Strafen sorgen

Der größte Sportbetrug aller Zeiten, ein Angriff auf Olympia, ein Hammer: Das Entsetzen nach der Veröffentlichung des McLaren-Berichts zum Doping-Skandal in Russland war riesig. Doch werden die Verbände die angemessenen Strafen gegen Russland auch durchsetzen? Es droht ein großes Durcheinander.

"Mein Job ist getan. Jetzt sind die Verbände dran", sagte Ermittler Richard McLaren nach der Vorstellung seines über 100-seitigen Abschlussberichtes.

Mehr als 1000 russische Athleten aus 30 Sportarten waren von 2011 bis 2015 in das Betrugssystem involviert und manipulierten auch bei Olympia 2012 in London und 2014 in Sotschi. Politiker und Vertreter der nationalen Anti-Doping-Agenturen forderten bereits ein hartes Durchgreifen.

Und tatsächlich. Im kommenden Jahr könnte eine Strafen-Lawine auf Russland zurollen. Es drohen Sperren für Einzeltäter und Sportverbände. Gian Franco Kasper, Präsident des Ski-Weltverbandes, hatte für den Fall weitreichender Verstrickungen bereits die Kollektivstrafe ins Gespräch gebracht.

Der Leichtathletik-Weltverband IAAF hatte es vorgemacht. Noch immer dürfen Leichtathleten aus dem Riesenreich nicht an großen internationalen Wettkämpfen teilnehmen.

Und angesichts der Schwere des Betruges durch das Staatsdoping fordern viele mehr, die nachhaltigste Strafe gegen Russland zu verhängen, also den Ausschluss von den nächsten Olympischen Spielen in 14 Monaten in Pyeongchang/Südkorea. Doch das IOC ist kein Freund davon und will unter seinem deutschen Präsidenten Thomas Bach eine solche Kollektivstrafe vermeiden.

Alle russichen Tests sollen nachkontrolliert werden

Mehrfach auf ein Olympia-Aus angesprochen, brachte Bach bislang nur lebenslange Sperren für Einzeltäter ins Gespräch. Für diese hatte er sich auch 2006 bei Olympia in Turin als Vorsitzender der Disziplinar-Kommission ausgesprochen.

Damals waren sechs österreichische Sportler lebenslang gesperrt worden - auch ohne positive Dopingtests. "Dann will ich diese Person nicht mehr bei den Spielen sehen, egal in welcher Position", sagte Bach.

Das IOC hat nach dem McLaren-Report bereits eine Maßnahme verkündet und will neben den Proben von Sotschi auch alle russischen Tests der Spiele 2012 in London nachkontrollieren.

Merkwürdigerweise verneinte McLaren jedoch am Freitag immer wieder eine Verstrickung des russischen Nationalen Olympischen Komitees (NOK) Russlands in den Skandal, obwohl er schon in seinem ersten Bericht hohe Funktionäre aus dem NOK namentlich genannt hatte.

"Keine klaren Hinweise"

In einem Fall handelt es sich um den mittlerweile entlassenen stellvertretenden Sportminister Juri Nagornich, bei dem alle Stricke zusammenliefen. "Ich habe keine klaren Hinweise auf Beteiligung des russischen NOC", sagte McLaren am Freitag.

Das passte dem IOC gut in die Karten, denn so scheint keine Komplett-Strafe nötig. Überhaupt fiel auf, dass der Ton zwischen IOC und McLaren deutlich harmonischer war. Das IOC lobte den Ermittler und dankte für seine Arbeit.

Der Experte wies mehrmals auf den geordneten Ablauf mit der Übergabe seiner Ergebnisse an die beiden IOC-Kommissionen hin und verkniff sich Forderungen über Sperren. Das sorgte für klare Grenzen und wenig Konfliktpotenzial.

Die Reaktionen Russlands auf den McLaren-Report zeugten indes von wenig Einsicht und waren mitunter grotesk. "Es gibt kein staatliches Programm zur Unterstützung von Doping im Sport", behauptete Sportminister Witali Mutko.

Natalia Gart, Präsidentin des russischen Rodel-Verbandes, sagte sogar: Der "veröffentlichte McLaren-Report wird durch nichts bestätigt. Wo sind die Fakten? Man kann sagen, das ist nichts als Müll."

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