Mehrsport

DLV fordet Komplett-Ausschluss

SID
Prokop und Freitag sind entsetzt von den Enthüllungen

Die Sportausschuss-Vorsitzende Dagmar Freitag und Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, haben nach der Veröffentlichung des zweiten McLaren-Berichts einen Komplett-Ausschluss aller russischen Sportler auf unbestimmte Zeit gefordert.

"Der russische Sport sollte bis zur Wiederherstellung seiner Glaubwürdigkeit von allen internationalen Meisterschaften bis hin zu den Olympischen Spielen komplett ausgeschlossen bleiben", sagte Prokop dem SID.

McLarens Report belege, dass Doping "ein Teil des gesamten russischen Sports" sei, die große Anzahl der jetzt unter Verdacht stehenden Athleten sei "die logische Folge diese Systems". Vor allem das Internationale Olympische Komitee sei nun laut Prokop "zu klarem Handeln" aufgefordert.

"Es hat ein fundamentaler Angriff auf die Olympische Bewegung stattgefunden. Wenn in einem Land die Werte der olympischen Bewegung dermaßen in den Schmutz gezogen werden, müssen entsprechende Maßnahmen getroffen werden. Die Glaubwürdigkeit des IOC steht hier auf dem Spiel", sagte Prokop.

SPD-Politikerin Freitag forderte: "Russland darf nun so lange nicht an Welt- und Europameisterschaft und Olympischen Spielen teilnehmen, bis das russische Sportsystem überprüfbar einer glaubwürdigen Reform unterzogen worden ist."

IOC-Präsident Thomas Bach müsse "endgültig seiner Verantwortung gerecht werden und eine klare Haltung zeigen. Bislang ist er bestenfalls durch Worte aufgefallen, die Taten hat er delegiert an die Fachverbände", sagte Freitag.

Vespers Reaktion

Auch der Deutsche Olympische Sportbund reagierte erschüttert auf den Report. "Die Vorwürfe aus dem ersten Bericht im Sommer waren heftig, aber das heute ist der Hammer", sagte Vorstandsvorsitzender Michael Vesper: "Das ist ein Angriff auf die Integrität des Weltsports, die dieser durch konsequentes Handeln abwehren muss."

Je nach Beweislage müsse es nun zu individuellen oder Kollektivstrafen kommen, "sowohl die IOC-Charta wie auch die Satzungen der Weltverbände geben beides her", sagte Vesper: "Zusätzlich halten wir es für sinnvoll, nach den neuen Erkenntnissen wie für Sotschi nun auch für London 2012 alle russischen Proben nachzutesten."

Dem Abschlussbericht des Sonderermittlers McLaren zufolge haben zwischen 2011 und 2015 mehr als 1000 russische Athleten in 30 Sportarten von einem staatlich gelenkten Doping-System profitiert.

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