Wintersport

Ski-WM: Doping-Razzien und Festnahmen in Seefeld und Erfurt

SID
Die Polizei vor dem Hotel "Bergland" in Seefeld, dem Team-Hotel der österreichischen Mannschaft.
© getty

Österreichische Behörden und die Staatsanwaltschaft München haben mit mehreren Razzien am Ski-WM-Ort Seefeld und in Erfurt zum großen Schlag gegen ein international organisiertes Dopingnetzwerk ausgeholt.

Neun Festnahmen, 16 Hausdurchsuchungen und offenbar zwei auf frischer Tat ertappte Skilangläufer: Das österreichische Bundeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft München haben eigenen Angaben zufolge ein international agierendes Dopingnetzwerk zerschlagen.

Im Mittelpunkt der Razzien im Rahmen der "Operation Aderlass", die am Mittwoch zeitgleich im Ski-WM-Ort Seefeld und in Deutschland stattfanden, soll der in Erfurt ansässige Sportmediziner Mark S. stehen.

"Diese aus Erfurt agierende kriminelle Gruppierung ist dringend verdächtig, seit Jahren Blutdoping an Spitzensportlern durchzuführen, um deren Leistung bei nationalen und internationalen Wettkämpfen zu steigern", hieß es in einer Mitteilung des BK. Das Ziel: Illegale Einkünfte zu generieren.

Fünf Athelten im WM-Ort Seefeld festgenommen

Die Ermittlungen liefen bereits seit mehreren Monaten, der Vorwurf lautet auf Verdacht des gewerbsmäßigen Sportbetruges sowie der Anwendung von unerlaubten Wirkstoffen und Methoden zu Dopingzwecken.

Die Maßnahmen wurden in Seefeld rund zwei Stunden vor dem Start der WM-Entscheidung im 15-km-Skilanglauf der Männer bekannt. Im WM-Ort wurden zwei Mitglieder der Gruppe sowie fünf Sportler festgenommen, in Deutschland der Sportmediziner S. und ein Komplize, hieß es. Bei den Sportlern handele es sich um zwei Österreicher, zwei Esten und einen Kasachen.

Deutsche Athleten waren nicht betroffen. "Ich kann bestätigen, dass bei uns die Lage ruhig ist", sagte DSV-Sprecher Stefan Schwarzbach dem SID. "Es fanden keine Untersuchungen statt, weder im Teamhotel noch in Deutschland bei Institutionen, die den DSV vertreten. Nach unseren Erkenntnissen ist auch keiner aus unserem medizinischen Bereich in die Untersuchungen involviert", sagte Schwarzbach.

"Wir stehen unter Schock"

Die Staatsanwaltschaft München bestätigte, dass die Ermittlungen durch die Angaben des österreichischen Skilangläufers Johannes Dürr in der ARD-Sendung "Die Gier nach Gold - Der Weg in die Dopingfalle" vom 17. Januar dieses Jahres ausgelöst worden waren. Daraufhin wurde ein Ermittlungsverfahrens gegen Unbekannt eingeleitet, dieses sei nun in ein Ermittlungsverfahren gegen konkrete Beschuldigte übergegangen.

Bei der Ski-WM in Seefeld zeigten sich viele Funktionäre fassungslos. "Wir stehen unter Schock. Hoffentlich werden jetzt einmal die Drahtzieher erwischt", sagte Österreichs Langlaufchef Markus Gandler dem ORF: "Wir arbeiten Tag und Nacht, um schnelle Ski zu haben und alles. Und dann passiert sowas." ÖSV-Langlaufkoordinator Trond Nystad, Ehemann der deutschen Olympiasiegerin Claudia Nystad, erklärte im ORF: "Ich habe keine Worte dafür, das ist einfach traurig."

Zwei österreichische Skilangläufer sind dabei in Seefeld offenbar sogar auf frischer Tat beim Blutdoping erwischt worden. Wie die Kronen-Zeitung berichtet, seien die beiden Athleten am Mittwochmorgen in ihrer Unterkunft von der Polizei festgenommen worden.

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