Wintersport

Doping-Razzia bei Nordischer Ski-WM in Seefeld - Zwei ÖSV-Langläufer festgenommen

Von SPOX Österreich
Polizeieinsätze in Seefeld.
© GEPA

Seit Mittwochvormittag laufen im Ski-WM-Ort Seefeld und auch in deutschen Orten Polizeieinsätze gegen das organisierte Doping. Im Mittelpunkt der "Operation Aderlass", die in Tirol und in Deutschland durchgeführt wurde, soll demnach der in Erfurt ansässige Sportmediziner Dr. Mark S. stehen. SPOX klärt über die aktuellen Geschehnisse auf.

"Im Rahmen von seit mehreren Monaten andauernden internationalen Ermittlungen wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Sportbetruges sowie der Anwendung von unerlaubten Wirkstoffen und Methoden zu Dopingzwecken konnte eine in Deutschland ansässige kriminelle Organisation um den Sportmediziner Dr. Mark. S. ausgeforscht werden", hieß es in einer Mitteilung des Bundeskriminalamts.

Die aus Erfurt agierende kriminelle Gruppierung sei dringend verdächtig, "seit Jahren Blutdoping an Spitzensportlern durchzuführen, um deren Leistung bei nationalen und internationalen Wettkämpfen zu steigern und dadurch illegale Einkünfte zu lukrieren", hieß es weiter.

Doping-Razzia: Pressekonferenz um 15 Uhr

15.32 Uhr: Die Pressekonferenz ist beendet. Die Ski-WM wird mit dem Einzelspringen der Damen ab 16.15 Uhr (im LIVETICKER) fortgesetzt.

15.31 Uhr: Die beiden festgenommenen österreichischen Athleten waren erst einen Tag in der Polizeischule. Erst im April hätten sie mit dem Theorieteil begonnen. Es wird geprüft, ob sie im Spitzenkader des BMI bzw. im BMI selbst bleiben können.

15.30 Uhr: Szefan: "Wir gehen davon aus, dass dieses Netzwerk mindestens in den vergangenen fünf Jahren tätig war."

15.25 Uhr: Die Doping-Dokumentation um Johannes Dürr war ausschlaggebend dafür, dass die österreichischen Behörden mit der Staatsanwaltschaft München Kontakt aufgenommen haben. Es werden keine Namen bestätigt.

15.23 Uhr: "Wir haben einen Sportler auf frischer Tat ertappt", bestätigt Szefan. "Er wurde mit einer Bluttransfusion im Arm aufgegriffen." Die kriminelle Organisation agierte weltweit und es sind wohl auch andere Sportarten betroffen.

15.22 Uhr: Die BK bestätigt, Blutampullen, -konserven und weiteres Material sichergestellt zu haben, die für Eigendoping benötigt werden. Die Verdächtigten werden derzeit von der Polizei einvernommen. Heute waren 120 Beamte der Polizei im Einsatz. In Erfurt konnte das illegale Dopinglabor vorgefunden und Beweise sichergestellt werden.

15.20 Uhr: Dieter Szefan, Bundeskriminalamt: "Ausschlaggebend war eine Zeugenaussage eines ehemaligen Langläufers. Mit diesen Informationen konnten wir den Doping-Ring zerschlagen. Der Arzt führte seit Jahren unerlaubte Leistungsförderungen durch. Einer der Sportler wurde während einer Blutinfusion aufgegriffen."

15.15 Uhr: Hansjörg Mayr, Sprecher der BK: "Es geht um den Verdacht des Eigenblutdopings. Wir sind auf der Suche nach dem Sportmediziner und dessen Komplizen. Es haben sich konkrete Hinweise ergeben, dass der Arzt in Seefeld hier Sportler auf nicht regelkonforme Art und Weise zu behandeln." Daher habe es Überwachungen gegeben, die den Verdacht bestätigten, und welche Sportler sich behandeln ließen. Dies war den Behörden zuvor nicht bekannt.

15.05 Uhr: Die PK in Innsbruck hat begonnen.

15.00 Uhr: Die Pressekonferenz verzögert sich etwas, inzwischen soll das Herren-Rennen über 15 Kilometer (im LIVETICKER) zu Ende gebracht werden.

14.55 Uhr: "Ich kann bestätigen, dass bei uns die Lage ruhig ist. Es fanden keine Untersuchungen statt, weder im Teamhotel noch in Deutschland bei Institutionen, die den DSV vertreten", sagte DSV-Sprecher Stefan Schwarzbach dem SID: "Nach unseren Erkenntnissen ist auch keiner aus unserem medizinischen Bereich in die Untersuchungen involviert. Wir haben nichts, was uns Anlass gegeben hätte zu denken, dass der DSV involviert ist."

14.45 Uhr: Fünf Athleten wurden am Mittwoch verhaftet. Neben den ÖSV-Läufern Dominik Baldauf und Max Hauke handelt es sich um Andreas Veerpalu, Karel Tammjarv (beide Estland) und Alexey Poltoranin (Kasachstan).

14.40 Uhr: Aufgrund der vielen Nachfragen zu aktuellen Ermittlungen des Bundeskriminalamtes weist der ÖSV auf eine Pressekonferenz hin, die um 15 Uhr in der Landespolizeidirektion Tirol stattfindet.

Die Polizei gibt heute um 15.00 Uhr in der Landespolizeidirektion Tirol eine Pressekonferenz zur Zerschlagung eines internationalen Dopingnetzwerkes, SPOX tickert die PK in diesem Artikel mit. Am Podium werden Vertreter des Bundeskriminalamtes und der Staatsanwaltschaft Innsbruck anwesend sein und erste Ermittlungsergebnisse präsentieren.

Die heutigen Maßnahmen basieren offenbar auf Erkenntnissen, die Ermittlungen im Anschluss an die ARD-Dokumentation über den österreichischen Skilangläufer Johannes Dürr gebracht haben. über die Art des Dopings ist derzeit noch nichts Offizielles bekannt.

Ermittlungen in Seefeld: Auch österreichisches Team untersucht

In Seefeld und bei einer weiteren Razzia in Deutschland seien neun Personen festgenommen worden, darunter auch zwei österreichische Langläufer, ein kasachischer und zwei estnische Spitzensportler, wie das Bundeskriminalamt am Mittwoch mitteilte.

Max Hauke und Dominik Baldauf dürften aus dem österreichischen Team die beiden betroffenen sein. Dies wurde vom ÖSV-Offiziellen Markus Gandler bestätigt, es gilt allerdings die Unschuldsvermutung. Baldauf und Hauke wurden beim WM-Teamsprint Sechste. Zudem traf es mit Alexey Poltoranin einen Sportler aus dem erweiterten Kreis der Medaillenkandidaten.

ÖSV-Reaktionen - Markus Gandler: "Wir sind unter Schock"

"Im Verlaufe der Untersuchungen hat sich herausgestellt, dass mehrere Athleten mit unerlaubten Methoden erwischt worden. Leider auch mit zwei österreichischen Athleten. Ich habe sie gar nicht mehr gesehen, vermutlich sind sie schon verhaftet", sagte ÖSV-Rennsportdirektor Langlauf.

Ihm sei bisher nie etwas im Zusammenhang mit Dopingvergehen des Duos aufgefallen. Man könne sie aber nicht ständig überwachen. "Das sind erwachsene Leute. Wir bewachen sie nicht auf Schritt und Tritt. Das sind freie Leute, sie haben genügend Freizeit, um so einen Blödsinn zu machen."

Er und der Rest des Teams seien völlig unvorbereitet davon getroffen worden. "Es steht jeder unter Schock. Ich stehe Rede und Antwort. Ich hoffe, dass es mehr erwischt, nicht nur den ein oder anderen, sondern auch die Drahtzieher."

Der 26-jährige Steirer Hauke und der gleichaltrige Vorarlberger Baldauf hatten im Teamsprint mit Rang sechs überrascht. Das sei eine starke, aber nicht überirdische Leistung gewesen, so Gandler auf mögliche Auffälligkeiten angesprochen. "Wenn man das nicht mehr laufen kann ohne Hilfsmittel, muss man eh aufhören. Aber wir reden da nicht von Übersportlern, da gibt es noch andere."

"Dümmer geht es nicht mehr, und tiefer kann man gar nicht mehr fallen. Ich weiß gar nicht mehr, wie tief es noch gehen kann", sagte ORF-Experte Alois Stadlober. "Das, was jetzt auf uns hereinprasselt, müssen wir erst wieder verarbeiten. Es ist unvorstellbar."

"Wir arbeiten Tag und Nacht, geben alles, um die eine oder andere Sekunde herauszuholen, und dann das. Wir wurden verarscht", sagte ÖSV-Langlauf-Koordinator Trond Nystad.

Doping-Razzia in Seefeld: Fünf Verhaftete Sportler

AthletNation
Dominik BaldaufÖsterreich
Max HaukeÖsterreich
Andreas VeerpaluEstland
Karel TammjarvEstland
Alexey PoltoraninKasachstan

Bereis vor etwas mehr als einem Monat kündigte die Nationale Anti-Doping Agentur NADA an, ein weiteres Verfahren gegen Johannes Dürr zu starten.

Das heutige Rennen über 15 Kilometer klassisch wird derzeit durchgeführt, Luis Stadlober ist der einzige verbliebene Österreicher, der an den Start geht. Hier geht's zum LIVETICKER.

ÖSV mit Doping-Vergangenheit: Sotschi, Turin

Der Österreichische Ski-Verband (ÖSV), 2006 bei Olympia in Turin im Mittelpunkt eines großen Dopingskandals, kündigte eine Stellungnahme nach der Pressekonferenz in Innsbruck an. Ein ÖSV-Sprecher bestätigte aber die Festnahme der beiden Langläufer im Teamhotel in Seefeld.

In Österreich hatte es bereits bei der Biathlon-WM 2017 in Hochfilzen und beim dortigen Weltcup 2018 behördliche Aktionen gegen die Teams aus Kasachstan und Russland gegeben. Vor wenigen Wochen hatte der österreichische Langläufer Johannes Dürr in einer ausführlichen TV-Dopingbeichte über verbotene Blutdopingpraktiken in Deutschland berichtet. Ob seine Aussagen im Zusammenhang mit den aktuellen Entwicklungen stehen, ist unklar.

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