Infolge des Dopingskandals

Ausschluss russischer Biathleten bald möglich?

SID
Donnerstag, 05.01.2017 | 13:02 Uhr
Ein Gesamtausschluss der russischen Biathleten wird wohl bald erlaubt
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Russlands Biathleten laufen wegen des erschütternden Dopingskandals in der Heimat ganz offensichtlich auf Bewährung. Eine Verbannung aus dem Weltcup sei als Konsequenz "für die Zukunft nicht ausgeschlossen", sagte Generalsekretärin Nicole Resch vom Weltverband IBU dem ZDF. "Das hängt aber natürlich davon ab, was wir noch rausfinden werden." Ein Boykott der Athleten ist dagegen vorerst vom Tisch.

In einem ersten Schritt hatte Chefermittler Richard McLaren festgestellt, dass zu den dopingverdächtigen Athleten aus Russland 31 Biathleten gehören. Die russischen Organisatoren hatten daraufhin - laut offizieller Mitteilung der IBU - freiwillig auf eine Ausrichtung des Weltcups in Tjumen und der Junioren-WM in Ostrow verzichtet. Die IBU sperrte zwei Athleten vorläufig und sprach von weiteren Untersuchungen gegen die 29 anderen Athleten.

"Wir müssen im Moment aus den Indizien Beweise machen. Und ich weiß nicht, für welche uns das gelingen wird und kann", sagte Resch mit Blick auf die undurchsichtige Faktenlage. Ein bisschen Klarheit könnte zunächst einmal die Veröffentlichung der Namen aller Athleten schaffen, gegen die der Weltverband ermittelt. Doch davon hält Resch nichts.

Es sei schlichtweg "unverantwortlich und unprofessionell", sagte sie, sich nun zu einzelnen Namen zu äußern und so "jemanden, für den wir noch keine Beweise haben, als positiven Fall durch die Medien zu ziehen". Dafür plädiert auch der russische Staffel-Olympiasieger Anton Schipulin. "Ich möchte in der Öffentlichkeit keine schmutzige Wäsche waschen. Ich habe selbst mehr Antworten als Fragen", sagte der 29-Jährige der ARD.

Am Mittwoch und damit nur einen Tag vor dem ersten Wettkampf im thüringischen Oberhof hatten sich zahlreiche Athleten, darunter auch Schipulin, zu einem Krisengespräch getroffen. Wegen der vermeintlich zu laschen Vorgehensweise der IBU wurde über eigene Maßnahmen diskutiert, auf einen von Doppel-Olympiasieger Martin Fourcade angeregten Boykott aber vorerst verzichtet.

"Das steht nicht an. Wir werden zunächst einen Forderungskatalog erstellen und an die IBU weiterleiten, dann sehen wir weiter", sagte der Tscheche Michal Slesingr, der das Treffen gemeinsam mit Fourcade und dem US-Amerikaner Lowell Bailey initiiert hatte. Slesingr stellte aber gleichzeitig klar, dass man sich von Zeit zu Zeit neu beraten werde.

Schempp: "Wir werden das genau beobachten"

"Wir werden das jetzt ganz genau beobachten", sagte Simon Schempp, der als einer von vier deutschen Biathleten an dem "konstruktiven Gespräch" teilnahm: "Wir werden etwas zusammenschreiben und dann schauen, wie die IBU darauf reagiert." Teamkollege Erik Lesser ergänzte: "Ich hoffe, dass mit aller Härte vorgegangen wird." Man müsse demnach bei Verstößen auch über den Entzug von Weltcup-Startplätzen nachdenken, meinte der Thüringer.

Für Slesingr sei die namentliche Nennung der beschuldigten Athleten derweil nicht die ultimative Lösung, vielmehr will er eine "genaue Anzahl" der noch aktiven Athleten wissen, die im McLaren-Bericht genannt werden. "Unsere Forderungen beschäftigen sich hauptsächlich damit, wie unser Sport in Zukunft vor Doping und Korruption geschützt werden kann", sagte er.

Dafür nahm er auch Schipulin, der sich bislang bedeckt hielt, in die Pflicht. "Du kannst immer sagen, dass es falsch ist, wenn jemand aus deinem Team dopt", meinte Slesingr. Doch Schipulin bat seine Kollegen während des Krisentreffens um Geduld und beteuerte abermals seine Unschuld: "Ich habe ihnen gesagt, dass ich nie gedopt habe und meine Proben immer sauber waren", berichtete er.

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