Curlerin legte Einspruch gegen Nichtnominierung ein

Schöpp darf mit zur EM

SID
Freitag, 21.11.2014 | 11:27 Uhr
Andrea Schöpp hat erfolgreich ihre EM-Teilnahme eingeklagt
© getty
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Deutschlands bekannteste und erfolgreichste Curlerin Andrea Schöpp hat ihrem ums finanzielle Überleben kämpfenden Verband eine schwere Niederlage zugefügt. Die siebenmalige Europameisterin aus Rießersee klagte vor dem Amtsgericht Kempen ihre Teilnahme an der am Samstag beginnenden EM in Champéry/Schweiz ein.

Dies teilte der Deutsche Curling-Verband (DCV) mit, der nach der drohenden Streichung großer Teile der Fördergelder durch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) Imageverlust hinnehmen musste.

"Wir haben keine andere Wahl, als dieses Urteil zu akzeptieren, und werden das Team Schöpp nominieren. Mir tut es insbesondere für das Team des CC Füssen leid, das nun aus Champéry wieder abreisen muss", sagte DCV-Präsident Dieter Kolb nach dem Richterspruch kleinlaut. Betroffen ist die Mannschaft um Skip Daniela Driendl (32), deren Traum vom EM-Debüt jäh platzte.

An der für die Außenwirkung verheerenden Entwicklung hatten die DCV-Verantwortlichen allerdings selbst erheblichen Anteil. Schöpp hatte sich bei der Qualifikation am 19. Dezember in Garmisch im Tiebreaker gegen Driendl durchgesetzt. Der DCV nominierte dennoch die unterlegene Driendl und begründete dies "mit der mangelnden Loyalität von Andrea Schöpp gegenüber dem DCV und seinen Mitarbeitern sowie der bisherigen fehlenden Bereitschaft zur sportfachlichen Zusammenarbeit".

DCV macht sich angreifbar

Doch damit hatte sich der DCV angreifbar gemacht. Und Schöpp nutzte ihre Chance. Die Weltmeisterin von 1988 und 2010 legte über das Verbandsgericht des DCV Einspruch gegen die Nichtnominierung ein, scheiterte dort aber zunächst. Das Amtsgericht Kempten wies jedoch nun den DCV unter Androhung eines Zwangsgeldes in Höhe von 250.000 Euro an, das Team der 49-Jährigen zu nominieren.

Das Gericht sah den Vertrauensschutz, der durch die Teilnahme am EM-Qualifikationsturnier bestand, als das höhere Gut an im Vergleich zu den Gründen, die den DCV bewogen hatten, von der Nominierung Abstand zu nehmen.

Curling-"Oma" Schöpp wird dem DCV damit weiter Kopfzerbrechen bereiten. Die promovierte Statistikerin (Thema der Diplomarbeit: Alternative Parametrisierungen bei korrelierten bivariaten binären Responsevariablen) war stets streitbar, unbequem und manchmal auch "zickig", wie die "Bild-Zeitung" nach deren Olympia-Fauxpas 2010 in Vancouver titelte.

Aufruhr nach Aussagen über Riesch

In Kanada hatte sie nach der alpinen Goldfahrt von Maria Riesch vermeintlich privat geäußert: "Wenn die mich nicht ordentlich grüßt, gönne ich ihr auch keine Medaille." Bei der Live-Übertragung des ARD-Digitalsenders "Einsfestival" lief jedoch der Ton mit. Schöpps Worte schlugen hohe Wellen, sie entschuldigte sich anschließend bei Riesch.

In Champéry ergibt sich für den DCV nun eine pikante Situation. Denn Kolb und Co. müssen Schöpp fest die Daumen drücken, denn die Gewinnerin des olympischen Demo-Wettbwerbs 1992 muss in der Schweiz mindestens Platz acht belegen, um das WM-Ticket für 2015 zu lösen. Gleiches gilt bei den Männern für Skip Alexander Baumann (Schwenningen).

Denn nur bei der WM werden Punkte für die Olympia-Qualifikation vergeben. Für den finanziell schwer angeschlagenen DCV, der nach dem Zudrehen des Geldhahnes gegen das Aus der Sportart kämpft, wäre ein Scheitern bei der EM eine schlechte Ausgangsbasis für künftige Verhandlungen mit dem DOSB. Ihrem Sport jedenfalls hat Schöpp in dieser Situation ungewollt bereits einen Bärendienst erwiesen.

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