Sonntag, 19.01.2014

Skisprung-Weltcup in Zakopane

Schuster schimpft: "Hochgradig unfair"

Bundestrainer Werner Schuster stand fassungslos im strömenden Regen und schüttelte den Kopf über das Chaos-Springen von Zakopane. "Unfassbar, dass die jetzt auch noch krampfhaft einen zweiten Durchgang durchbringen wollen", schimpfte Schuster ins "ARD"-Mikro.

Werner Schuster betreut die deutschen Skispringen seit 2008
© getty
Werner Schuster betreut die deutschen Skispringen seit 2008

Kurz darauf brach die Jury dann endlich und wohl zu spät einen irregulären Wettbewerb ab, der aus deutscher Sicht zwar einen dritten Platz für Richard Freitag, aber auch viel Frust für Aufsteiger Andreas Wellinger und eine Schrecksekunde für Andreas Wank brachte.

Über mehr als zweieinhalb Stunden zog sich erste Durchgang vor 30.000 Zuschauern an der Schanze Wielka Krokiew hin. Zunächst böige, wechselnde Winde, später dann eine durch den Dauerregen zur Wasserrutsche gewordene Anlaufspur sorgten immer wieder für Unterbrechungen. "Schade um dieses schöne Springen. Aber das Wetter muss man manchmal einfach hinnehmen", sagte Schuster.

Spur gleicht Sturzbach

Nicht hinnehmen wollte der Bundestrainer indes, dass die Jury Wellinger und Österreichs Tourneesieger Thomas Diethart von der Schanze winkte, als die Spur einem Sturzbach glich: "Das war hochgradig unfair", sagte Schuster.

Beide waren bei ihrem Versuch chancenlos, durften zwar noch einmal antreten, hatten dabei aber erneut zwei (Diethart) beziehungsweise drei Stundenkilometer weniger auf dem Tacho als die Schnellsten bei vergleichsweise trockener Spur. Diethart wurde letztlich 43., Wellinger 50. und letzter.

Noch recht gute Bedingungen hatte Freitag, der nach einem Sprung auf 129 m (122,1 Punkte) lange führte, ehe noch Sieger Anders Bardal aus Norwegen (131,5 m/127 Punkte) und der Slowene Peter Prevc (124,5/124,7) vorbeizogen. Marinus Kraus (Oberaudorf) belegte mit 130 m (121,4 Punkte) den starken vierten Platz, Severin Freund (Rastbüchl) sicherte sich mit 124 m (117 Punkte) Platz sechs.

Entwarnung bei Wank

Glück im Unglück hatte Andreas Wank. Nach einem tollen Sprung auf 128 m landete er zunächst sicher, dann aber löste sich die Bindung, der Oberhofer stürzte und verdrehte sich das Knie. Gestützt und unter Schmerzen wurde der 25-Jährige aus dem Auslauf geführt, konnte aber einige Zeit später Entwarnung geben: Verletzt hat er sich wohl nicht.

Im polnischen Skisprung-Mekka war Wank am Samstag der große Gewinner aus deutscher Sicht. Bundestrainer Schuster hatte den 25 Jahre alten Thüringer als fünften DSV-Adler für Sotschi nominiert. "Michael Neumayer ist zuletzt auf der Stelle getreten, während Andreas Wank schon einzelne richtig gute Durchgänge gezeigt hat, auch hier im Training stark war", sagte Schuster: "Deshalb glaube ich, dass er auch in Sotschi eine richtige Verstärkung sein wird."

Starke Saisonpremiere des DSV

Ein befreit aufspringender Wank trug schließlich einiges zum starken deutschen Auftritt im zweiten Teamwettbewerb des olympischen Winters bei, in dem sich die DSV-Adler wie bei der Saisonpremiere Ende November in Klingenthal nur Slowenien geschlagen geben mussten. Wank (123+133 m), Freitag (126+122), Wellinger (130+129) und Freund (125,5+130,5) hatten von ersten Sprung an bis zur letzten Gruppe in Führung gelegen, doch Freund hatte letztlich gegen Prevc deutlich das Nachsehen.

"Es war ein emotional berührender Wettkampf. Wir hatten eine Riesenchance, und ich hätte das gerne bis zum Sieg durchgezogen. Dazu war der zweite Durchgang aber nicht gut genug", sagte Schuster. Emotionen hatte der Bundestrainer an einem vogelwilden Wochenende freilich genug.


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