Sonntag, 05.01.2014

Nach Chaos-Wettbewerb in Innsbruck

DSV Adlern droht Tournee-Desaster

Schon vor dem Abschluss am Montag in Bischofshofen (15.45 Uhr im LIVE-TICKER) steht fest: Die 62. Vierschanzentournee ist aus deutscher Sicht eine einzige Enttäuschung. Bundestrainer Werner Schuster ordnet das bisherige Abschneiden seiner Schützlinge als "äußerst unbefriedigend" ein.

DSV Adler fliegen einem historisch schlechtem Tournee-Ergebnis entgegen
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DSV Adler fliegen einem historisch schlechtem Tournee-Ergebnis entgegen

Beim Blick auf die Ergebnisliste schüttelte Werner Schuster nur noch mit dem Kopf. "Die Gesamtwertung sieht wirklich fürchterlich aus", sagte der Skisprung-Bundestrainer nach dem Chaos-Wettbewerb in Innsbruck und fügte an: "Was hier abläuft, ist äußerst unbefriedigend."

Bester Deutscher der Gesamtwertung ist nach drei Wettbewerben Michael Neumayer auf Rang zwölf. Damit droht ein historisch schlechtes Ergebnis: Bei 55 von 61 Tourneen landete bislang immer mindestens ein Springer aus Deutschland oder der DDR in den Top 10.

Kein Deutscher in den Top 10

Mit "Ach und Krach" wolle er nun "noch einen unter die ersten Zehn kriegen", sagte Schuster, ehe er hinzufügte: "Aber das ist für die Statistik, wenn man ehrlich ist."

Zu retten ist ohnehin nicht mehr viel. Beim nach einem Durchgang abgebrochenen Wind-Springen in Innsbruck schaffte es am Samstag kein Deutscher in die Top 10. Das Podest oder gar der Gesamtsieg sind in weiter Ferne.

Besonders Severin Freund, vor der Tournee als Mitfavorit gehandelt, enttäuschte bislang. "Er hat selbst auch geglaubt, dass er weiter ist. Alle Anzeichen hatten darauf hingedeutet", sagte Schuster.

Auch die anderen beiden heißen Eisen waren schnell aus dem Feuer. Richard Freitag tüftelte nach seiner Verletzungspause am Material, was schon beim Start in Oberstdorf mit dem verpassten zweiten Durchgang "ein bisschen nach hinten losging", wie der Sachse zugibt. Und der erst 18 Jahre alte Wellinger "war noch nicht so weit", wie Schuster angesichts der schwankenden Leistungen des Schülers feststellte.

Vierschanzentournee: Die Sieger der letzten 20 Jahre
Die Vierschanzentournee ist jedes Jahr auf Neue ein Highlight. SPOX blickt auf die letzten 20 Sieger zurück
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2014/15: Stefan Kraft (Österreich). Der 22-Jährige setzte sich vor seinem Landsmann Michael Hayböck und Peter Prevc durch
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2013/14: Thomas Diethart (Österreich). Der Sensationssieger kam aus dem Nichts und gewann sowohl in Garmisch als auch in Bischofshofen
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2013/14: Thomas Diethart (Österreich). Der Sensationssieger kam aus dem Nichts und gewann sowohl in Garmisch als auch in Bischofshofen
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2012/13: Gregor Schlierenzauer (Österreich). Der Dominator wiederholte seinen Triumph bei der Vierschanzentournee dank Siegen in Innsbruck und Bischofshofen
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2012/13: Gregor Schlierenzauer (Österreich). Der Dominator wiederholte seinen Triumph bei der Vierschanzentournee dank Siegen in Innsbruck und Bischofshofen
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2011/2012: Gregor Schlierenzauer (Österreich). Der 23-Jährige gewann in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen und bescherte den Österreichern den vierten Titel in Folge
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2011/2012: Gregor Schlierenzauer (Österreich). Der 23-Jährige gewann in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen und bescherte den Österreichern den vierten Titel in Folge
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2010/2011: Thomas Morgenstern (Österreich). Morgi ließ Simon Ammann (SUI) und Tom Hilde (NOR) hinter sich
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2010/2011: Thomas Morgenstern (Österreich). Morgi ließ Simon Ammann (SUI) und Tom Hilde (NOR) hinter sich
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2009/2010: Andreas Kofler (Österreich). Ihm reichte für den Gesamtsieg ein erster Platz in Oberstdorf, in den anderen drei Wettbewerben landete er nicht auf dem Podest
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2009/2010: Andreas Kofler (Österreich). Ihm reichte für den Gesamtsieg ein erster Platz in Oberstdorf, in den anderen drei Wettbewerben landete er nicht auf dem Podest
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2008/2009: Wolfgang Loitzl (Österreich). Loitzl gewann gleich drei der vier Springen
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2008/2009: Wolfgang Loitzl (Österreich). Loitzl gewann gleich drei der vier Springen
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2007/2008: Janne Ahonen (Finnland). Er holte sich als erster Skispringer den fünften Gesamtsieg. Erstmals wurden zwei Springen in Bischofshofen ausgetragen, Innsbruck (zu viel Wind) fiel aus
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2007/2008: Janne Ahonen (Finnland). Er holte sich als erster Skispringer den fünften Gesamtsieg. Erstmals wurden zwei Springen in Bischofshofen ausgetragen, Innsbruck (zu viel Wind) fiel aus
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2006/2007: Anders Jacobsen (Norwegen). Setzte sich nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit Gregor Schlierenzauer durch
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2006/2007: Anders Jacobsen (Norwegen). Setzte sich nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit Gregor Schlierenzauer durch
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2005/2006: Janne Ahonen (Finnland) und Jakub Janda (Tschechien). Das Duo hatte nach vier Springen jeweils 1081,5 Punkte. Erstmals in der Geschichte der Tournee gab es zwei Sieger
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2005/2006: Janne Ahonen (Finnland) und Jakub Janda (Tschechien). Das Duo hatte nach vier Springen jeweils 1081,5 Punkte. Erstmals in der Geschichte der Tournee gab es zwei Sieger
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2004/2005: Janne Ahonen (Finnland). Er knackte fast den Rekord von Sven Hannawald mit den vier Tagessiegen. Doch im letzten Springen landete Ahonen nur auf Platz zwei
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2004/2005: Janne Ahonen (Finnland). Er knackte fast den Rekord von Sven Hannawald mit den vier Tagessiegen. Doch im letzten Springen landete Ahonen nur auf Platz zwei
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2003/2004: Sigurd Pettersen (Norwegen). Kam ebenfalls auf drei Siege. Peter Zonta war nur in Innsbruck besser
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2003/2004: Sigurd Pettersen (Norwegen). Kam ebenfalls auf drei Siege. Peter Zonta war nur in Innsbruck besser
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2002/2003: Janne Ahonen (Finnland). Ihm reichte ein Sieg in Innsbruck, um die Tournee zum zweiten Mal zu gewinnen
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2002/2003: Janne Ahonen (Finnland). Ihm reichte ein Sieg in Innsbruck, um die Tournee zum zweiten Mal zu gewinnen
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2001/2002: Sven Hannawald (Deutschland). Historisch! Hanni gewann als bislang einziger Athlet alle vier Springen. Da verbeugte sich selbst der 2007 verstorbene Bundestrainer Reinhard Heß
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2001/2002: Sven Hannawald (Deutschland). Historisch! Hanni gewann als bislang einziger Athlet alle vier Springen. Da verbeugte sich selbst der 2007 verstorbene Bundestrainer Reinhard Heß
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2000/2001: Adam Malysz (Polen). Musste sich auf den ersten beiden Schanzen noch geschlagen geben, ehe er in Innsbruck und Bischofshofen triumphierte
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2000/2001: Adam Malysz (Polen). Musste sich auf den ersten beiden Schanzen noch geschlagen geben, ehe er in Innsbruck und Bischofshofen triumphierte
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1999/2000: Andreas Widhölzl (Österreich). Er gewann auf den letzten drei Schanzen und sicherte sich so den Tourneesieg
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1999/2000: Andreas Widhölzl (Österreich). Er gewann auf den letzten drei Schanzen und sicherte sich so den Tourneesieg
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1998/1999: Janne Ahonen (Finnland). Schnappte sich 1999 den ersten seiner insgesamt fünf Tourneesiege
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1998/1999: Janne Ahonen (Finnland). Schnappte sich 1999 den ersten seiner insgesamt fünf Tourneesiege
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1997/1998: Kazuyoshi Funaki (Japan). Er siegte auf den ersten drei Schanzen und holte sich vor Sven Hannewald den Titel
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1997/1998: Kazuyoshi Funaki (Japan). Er siegte auf den ersten drei Schanzen und holte sich vor Sven Hannewald den Titel
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1996/1997: Primoz Peterka (Slowenien). Gewann im knalligen Orange in Garmisch - dieser Erfolg reichte am Ende zum Tourneesieg
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1995/1996: Jens Weißflog (Deutschland). Der Floh vom Fichtelberg holte sich 1996 zum vierten und letzten Mal den Gesamtsieg
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Viel Arbeit bis Olympia

Mit Blick auf Olympia wartet noch viel Arbeit auf den Bundestrainer. "Im Moment fehlt die Selbstsicherheit", sagte Schuster. Erstes Ziel sei es daher, die Leistungsträger wieder in Form zu bekommen.

Nach Möglichkeit schon in Bischofshofen. "Wir wollen dort näher herankommen und einen guten Abschlusswettkampf machen", sagte der Österreicher. Die Form werde wieder kommen, davon sei er überzeugt.

Davon gehen auch die Springer aus. "Mein zweiter Sprung in Innsbruck war gut. Auch wenn danach abgebrochen wurde, den nehme ich gerne mit", sagte etwa Freund.

Eine mögliche Pause für den 25-Jährigen schloss Schuster aus. "Er braucht eher ein Erfolgserlebnis. Und Bischofshofen ist leichter für ihn, um seinen Absprungfehler in den Griff zu bekommen." Freund müsse endlich sein Potenzial ausschöpfen, sagte Schuster.

Freund will kein Mitleid

Auch Freitag gab sich kämpferisch, obwohl der dreimalige Weltcup-Gewinner noch immer mit den Folgen seiner Knochenhautentzündung zu kämpfen hat. "Wenn ich auf die Stelle drücke, merke ich noch was", sagte Freitag nach dem Bergisel-Springen, das er als bester Deutscher auf Rang elf beendet hatte.Seine normalen Schuhe hat der Pechvogel sogar mit der Schere zerschnitten, damit keine Druckstellen entstehen.

Eines jedoch können die deutschen Skispringer im Moment am allerwenigsten gebrauchen: Mitleid. An Neujahr habe ihm jemand viel Glück gewünscht, berichtete Werner Schuster, er könne es ja brauchen. "Da müssen wir mal die Kirche im Dorf lassen", sagte der Bundestrainer: "Wir arbeiten hart, wir sind keine Nasenbohrer. Wir wissen, was wir tun müssen, dazu haben wir in den letzten Jahren zu viel erreicht."

Die Gesamtwertung der Vierschanzentournee


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