Ein "fantastisches Gefühl"

Wellinger siegt im Krimi von Wisla

SID
Donnerstag, 16.01.2014 | 19:39 Uhr
Andi Wellinger feierte in Polen den ersten Weltcup-Sieg seiner Karriere
© getty
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Ein wenig schüchtern reckte Andreas Wellinger die rechte Faust, wenige Minuten später ließ er sich dann aber gebührend feiern: Mit 18 Jahren hat der Youngster aus Ruhpolding seinen ersten Weltcup-Sieg eingefahren und damit die Durststrecke der deutschen Skiadler eindrucksvoll beendet.

Beim Skisprung-Weltcup im polnischen Wisla bewies Wellinger Nervenstärke und setzte sich in einem packenden Finale vor dem Gesamtweltcup-Führenden Kamil Stoch (Polen) und Michael Hayböck (Österreich) durch.

"Ich bin überglücklich, das ist ein fantastisches Gefühl. Ich kann es gar nicht beschreiben, das ist einfach der Wahnsinn", sagte Wellingern nach seinem Coup in der "ARD". Mit Weiten von 127,0 und 128,5 Metern hatte er die namhafte Konkurrenz in Schach gehalten und 22 Tage vor Beginn der Olympischen Winterspiele in Sotschi Medaillenhoffnungen geweckt.

"Vor dem zweiten Sprung war ich etwas nervös, aber ich habe ja schon im Training gute Sprünge gezeigt. Das ist ein geiles Gefühl, das muss man ein bisschen feiern. Ich will öfters da oben stehen", sagte der überglückliche Sieger.

Hinter Wellinger eine Lücke

Hinter Wellinger verpassten die weiteren DSV-Adler allerdings eine Top-Platzierung. Zweitbester Deutscher war Severin Freund (Rastbüchl), der sich dank eines starken Sprungs im zweiten Durchgang noch um elf Plätze auf den 13. Rang verbesserte. Richard Freitag (Aue) wurde 19. und lag damit noch vor Michael Neumayer (Berchtesgarden/25.), der im teaminternen Duell mit Andreas Wank (Oberhof/27.) noch um das letzte Sotschi-Ticket kämpft. Marinus Kraus (Oberaudorf) landete auf dem 29. Platz.

Dass Wellinger in Südpolen das mit Abstand beste Resultat für den Deutschen Skiverband (DSV) liefern würde, hatte sich angedeutet. Am 3. August des vergangenen Jahres gewann er den Sommer-Grand-Prix auf der Adam-Malysz-Schanze, auch am Donnerstag überzeugte er schon im Probedurchgang mit dem weitesten Flug im gesamten Teilnehmerfeld.

Wohlwissend pokerte Bundestrainer Werner Schuster vor Wellingers erstem Sprung und ließ den Anlauf verkürzen, um seinem Schützling eine gute Landung zu garantieren und gleichzeitig Bonuspunkte zu kassieren."Das war extrem schwierig, weil sich die Verhältnisse immer wieder verändert haben. Aber es ist ja nochmal gutgegangen", sagte Schuster, der gleichzeitig dem eigentlich besten DSV-Adler Freund trotz der zwiespältigen Leistung Respekt zollte: "Er ist auf einem guten Weg und dicht an seiner Spitzenleistung dran. Severin muss jetzt aber geduldig bleiben."

Wank und Neumayer kämpfen um Olympia-Platz

In Geduld müssen sich zumindest bis zum Wochenende auch Wank und Neumayer üben. Nach dem Abschluss der Polen-Tour mit den beiden Springen in Zakopane wird Schuster entscheiden, wer neben den bereits gesetzten Freitag, Freund, Kraus und Wellinger nach Sotschi reisen wird. Objektiv gesehen dürfte trotz des schwachen zweiten Durchgangs derzeit Wank die Nase vorn haben - doch das scheint den "Langen" überhaupt nicht zu interessieren.

"Ich bin es wirklich leid, ständig darüber zu reden", meckerte der 25-Jährige: "Es geht doch schon den ganzen Winter um die Tickets für die Olympischen Spiele in Sotschi. Jetzt sind es eben nur noch zwei, die darum kämpfen. Ich mache mir keine Gedanken um den direkten Konkurrenzkampf und werde das Skispringen weiter genießen."

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