UFC

Josip Drmic im UFC-Interview: "Dann sitzt Conor McGregor in der Gladbach-Kabine"

Conor McGregor mit seinem Sohn Conor Jr. auf dem Arm
© getty

Conor McGregor trifft im Main-Event von UFC 229 in der Nacht auf Sonntag ( 4 Uhr live auf DAZN) in der T-Mobile Arena in Las Vegas, Nevada auf Titelverteidiger Khabib Nurmagomedov.

Wer dann auf jeden Fall vor dem Bildschirm mitfiebern wird? Gladbach-Stürmer Josip Drmic. Der 26-jährige Schweizer ist ein großer Conor-McGregor-Fan und erzählt im Interview mit SPOX-Chefreporter Florian Regelmann, warum "The Notorious" sein Held ist.

SPOX: Josip, der Kampf zwischen Conor McGregor und Khabib Nurmagomedov wird am Sonntag in den frühen Morgenstunden stattfinden. Sie werden ihn sicher nicht verpassen, oder?

Josip Drmic: Nein, auf keinen Fall. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, ein Kino-ähnliches Event daraus zu machen bei mir zuhause, aber leider ist mir etwas dazwischengekommen. Meine ganze Familie kommt mich besuchen.

SPOX: Ausgerechnet am Conor-Wochenende? Das ist schlechtes Timing.

Drmic: (lacht) Ja, sehr schlechtes Timing. Aber ich freue mich natürlich, meine Mama und meinen Bruder mit seiner Familie zu sehen. Jetzt muss ich mal schauen, wie ich es mache. Und ob die dann alle schlafen, oder nicht. Vielleicht gehe ich auch lieber zu einem Freund, um die anderen nicht zu stören. Etwas Größeres, wie beim Kampf zwischen Conor und Floyd Mayweather, kann ich jetzt leider nicht organisieren.

SPOX: Wie sah das bei Conor vs. Floyd bei Ihnen genau aus?

Drmic: Wir waren bestimmt zehn, zwölf Leute, die es sich bei mir am großen Bildschirm reingezogen haben. Wir sind vorher noch unterwegs gewesen und als es sich dann abzeichnete, dass es bald losgehen würde, hat uns ein Freund, der daheim geblieben war, geschrieben, dass wir jetzt schnell kommen müssen. Bis 4 oder 5 Uhr auf Conor zu warten, ist manchmal etwas schwer.

SPOX: Wenn wir schon beim Floyd-Kampf sind: Wie haben Sie diesen erlebt?

Drmic: Ich muss zugeben, dass ich vor dem Kampf mit jedem gewettet habe, dass Conor gewinnt. Ich dachte, dass er jünger, schneller und vielleicht sogar fitter ist. Aber im Fight selbst hat man dann einfach gesehen, dass die Kraft eines Boxers mächtiger ist als die Kraft eines UFC-Fighters. Aber ich finde dennoch, dass sich Conor in seinem ersten Boxkampf richtig wacker geschlagen und eine gute Show hingelegt hat.

SPOX: Waren Sie schon mal bei einem Conor-Fight live vor Ort?

Drmic: Nein, leider nicht. Erstens hat mir da bis jetzt immer die Zeit gefehlt und zweitens wüsste ich ehrlich gesagt auch nicht so ganz, wie ich an ein Ticket kommen würde. (lacht) Aber es wäre natürlich ein Traum. Ich bin ein riesengroßer Conor-Fan. Ich verfolge ihn 24 Stunden lang, im und neben dem Octagon. Ich habe ein paar Freunde, die diese Faszination für Conor mit mir teilen. Wir feuern ihn zusammen an, wir kaufen seine Sachen, wir diskutieren über ihn - Conor ist etwas Großes für uns.

SPOX: Wie sind Sie überhaupt UFC- bzw. dann vor allem Conor-Fan geworden?

Drmic: Ich habe die UFC eigentlich immer schon beobachtet. Ich habe auch alle Bruce-Lee-Filme gesehen, das Faible für Mixed Martial Arts war immer da. Noch mehr reingezogen wurde ich durch den kroatischen Fighter Mirko "Cro Cop" Filipovic und dann war da plötzlich dieser coole Junge namens Conor McGregor, der den Traum hatte, auf seine Art ganz nach oben zu kommen. Conor hat mich sofort gepackt. Er ist einfach anders als alle anderen. Conor ist wie Zlatan Ibrahimovic im Fußball. Außerdem bin ich aber auch noch ein Fan von Jon Jones. Ihn und Conor würde ich als meine Vorbilder bezeichnen. Ich beobachte immer, was sie machen, wie sie trainieren, wie sie leben.

Josip Drmic über Conor McGregor als Inspiration

SPOX: Conor McGregors Film "Notorious" haben Sie sicher auch gesehen.

Drmic: Natürlich. Ich habe ihn verschlungen. Conor McGregor war während meiner ganz schwierigen Verletzungsphase eine Inspiration für mich. Ich habe den Film und unendlich viele Videos auf YouTube gesehen. Daraus habe ich Motivation gezogen, als es mir so schlecht ging. Ich habe versucht, Conor nachzueifern. Er sagt von sich, dass er besessen vom Training ist. Dass er eine Maschine ist. Das habe ich verinnerlicht und mir gesagt: Wenn ich Fußball spiele, will ich das auch mit dieser Besessenheit machen. Conor hat mir sehr geholfen in der Zeit. Ich habe sogar Trainingseinheiten kopiert in der Phase, als ich nicht auf den Platz durfte und nur im Kraftraum arbeiten konnte. Tim Hiemer, bei uns in Gladbach Torwart der U-23, ist ein guter Kumpel von mir und sogar ein noch verrückterer Conor-Fan. Er macht eigentlich alles wie er. Conor ist unser Thema Nummer eins.

SPOX: Khabibs Bilanz (26-0-0) ist eindrucksvoll. McGregor ist der Striker, aber als Wrestler ist Khabib wahrscheinlich unerreicht. Was erwarten Sie für einen Fight?

Drmic: Ich bin sehr gespannt, was passiert. Ich habe einen gewissen Respekt vor den Qualitäten von Khabib als Ringer, das muss ich zugeben. Wenn er sich darauf fokussiert, wird der Kampf langweilig und doof. Ich hoffe, dass er seinen Worten Taten folgen lassen wird und es zu einem echten Fight kommt. Die Fäuste müssen fliegen, ich will kein Ringen sehen. Conor erledigt den Job im Octagon auf die coole Art, deshalb ist es auch so geil, was er macht. Es macht einfach Spaß, ihm zuzuschauen. Die beiden Kämpfe gegen Nate Diaz sind für mich die größten Conor-Momente, weil er da endlich einen Gegner auf Augenhöhe hatte.

Jospi Drmic' Tipp für McGregor vs. Khabib

SPOX: Conor hat jetzt zwei Jahre lang nicht mehr im Octagon gestanden. Könnte das nicht zum Problem werden?

Drmic: Nein, das glaube ich nicht. Die Pause wird ihm gutgetan haben. Ich weiß, wie es bei mir nach meiner langen Auszeit war. Und auch, wenn man Fußball und die UFC nicht vergleichen kann, in einer Hinsicht kann man es schon. Ich war extrem hungrig nach meiner Pause und Conor wird jetzt auch extrem hungrig sein. Conor hat Bock. Man wird ihm die Auszeit nicht anmerken im Octagon.

SPOX: UFC-Boss Dana White spricht vom größten UFC-Fight aller Zeiten, was nach dem ganzen Aufbau inklusive Bus-Attacke auch kein Wunder ist.

Drmic: Ich bin mir nicht ganz sicher, wie viel Show da dabei war. Aber ich glaube schon, dass sie sich wirklich hassen. Und bei zwei solchen Kämpfern wird dann im Gegensatz zum normalen Leben nicht mehr lange gefackelt, da explodiert die Sache sofort. Ich hoffe, es war nicht nur Show alles. Conors Auftritte sind natürlich generell Entertainment pur, aber man muss auch sagen, dass es eine andere Seite gibt, über die nicht so oft gesprochen wird. Wie er sich für kranke Kinder einsetzt und Geld spendet, wie er mit seiner Familie umgeht, wie dankbar er seinem Coach ist und ihm ein Auto hinstellt, das wird nicht so gesehen. Man sieht eher den Conor, der prahlt und mit Geld um sich wirft. Aber ich bin mir sicher, dass Conor ein Riesenherz hat. Er ist total authentisch.

SPOX: Die Frage nach einem Tipp erübrigt sich fast bei Ihnen, aber trotzdem: Wer gewinnt?

Drmic: Falls Conor gewinnt, dann durch K.o. in der ersten Runde. Weil er ihm ins Gesicht schlagen und ihn sofort ausknocken wird, so wie im Aldo-Fight. Falls das nicht passiert, wird leider Khabib über die Runden gewinnen.

Josip Drmic über McGregor in der Gladbach-Kabine

SPOX: Gibt es in der Kabine eigentlich auch Spieler, die Sie für völlig verrückt halten angesichts Ihrer Begeisterung für Conor?

Drmic: Die gibt es sicher. Ich würde sagen, dass die meisten denken, dass ich ein bisschen verrückt bin. Ab und zu komme ich in die Kabine, wie Conor ins Octagon reinläuft. Ich imitiere seine Pressekonferenzen und ziehe mich im Kraftraum an wie er. Außerdem haben wir ja alle Namensschilder in der Kabine. Da stehen die ganzen Namen wie Josip Drmic, Fabian Johnson, Tobias Strobl, aber ich mache dann meinen Namen weg und dafür kommt Conor McGregor hin. Dann sitzt Conor McGregor in der Gladbach-Kabine. (lacht) Natürlich finden das die anderen lustig, aber so ist es eben, ich bin nun mal ein großer Fan.

SPOX: Conor hat ja früher selbst ein bisschen Fußball gespielt. Was würden Sie ihn fragen, wenn Sie ihn mal treffen könnten?

Drmic: Oh Gott, eine Frage würde nicht ausreichen, ich hätte tausende Fragen. Ich würde so gerne mal eine Stunde mit Conor verbringen, vielleicht spazieren gehen, und über alles Mögliche sprechen.

SPOX: Aktuell stecken Sie in Gladbach wieder in einer schwierigen Situation, haben mit Rückenproblemen zu kämpfen und sind generell weit weg von Einsätzen. Wie gehen Sie damit um?

Drmic: Das Leben ist so, der Fußball ist so. Es gibt immer Ups and Downs. Vor drei Monaten habe ich an einer WM teilgenommen und sogar ein Tor geschossen, jetzt sieht es für mich komplett anders aus. Niemand kann sagen, dass ich nicht mehr Fußball spielen kann oder dass ich es nicht verdienen würde, auf dem Platz zu stehen, aber ich muss es akzeptieren. Es ist eine Momentaufnahme. Ich weiß, dass es nur eine Phase ist. Ich weiß auch, dass meine jetzige Situation eigentlich nicht so wild und gar nicht schlimm ist. Ich hatte einen Knorpelschaden im Knie, ich weiß also, wie sich wirklich schlimme Situationen anfühlen. Ich werde nicht aufgeben und mich auch aus dieser Situation wieder herausarbeiten. So wie es Conor auch machen würde, das ist völlig klar.

Die UFC-Kämpfe von Conor McGregor

ErgebnisProfi-RekordWettbewerbGegnerDatum
Sieg (TKO)13-2UFC on Fuel TV 9Marcus Brimage6. April 2013
Sieg (Punktentscheidung)14-2UFC Fight Night 26Max Holloway17. August 2013
Sieg (TKO)15-2UFC Fight Night 46Diego Brandao19. Juli 2014
Sieg (TKO)16-2UFC 178Dustin Poirier27. September 2014
Sieg (TKO)17-2UFC Fight Night 59Dennis Siver18. Januar 2015
Sieg (TKO)18-2UFC 189Chad Mendes11. Juli 2015
Sieg (KO)19-2UFC 194Jose Aldo12. Dezember 2015
Niederlage (Aufgabe)19-3UFC 196Nate Diaz5. März 2016
Sieg (Punktentscheidung)20-3UFC 202Nate Diaz20. August 2016
Sieg (TKO)21-3UFC 205Eddie Alvarez12. November 2016
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