French Open - Tag 15

Vive le Roi!

Sonntag, 05.06.2016 | 18:28 Uhr
Novak Djokovic, French-Open-Sieger: Der Serbe ist am Ziel seiner Träume
© getty

Der Sieger der French Open 2016 heißt Novak Djokovic! Die Nummer eins der Welt setzte sich im Finale in vier Sätzen letztlich deutlich mit 3:6, 6:1, 6:2 und 6:4 gegen Andy Murray durch und holte sich damit den einzigen Grand-Slam-Titel, der ihm in seiner Sammlung noch fehlte. Es ist der insgesamt zwölfte Major-Triumph seiner Karriere, zudem gehört dem Schützling von Boris Becker nun der "Nole Slam" - er hat die letzten vier Grand Slams allesamt gewonnen.

In einem nicht immer hochklassigen Endspiel startete der Serbe trotz Break insgesamt zu nervös und fehlerbehaftet in die Partie, während Murray befreit aufspielte und schnell mit 4:1 davon zog. Djokovic kam jedoch im Anschluss zurück in die Partie und spielte ab Satz zwei souveränes, teilweise dominantes Tennis.

Sein Gegner fand kein Mittel mehr und konnte auch über das im Turnierverlauf so glänzende Service kaum mehr punkten. Frühe Breaks in den Durchgängen zwei bis vier brachten den Djoker auf die Siegerstraße, während Murray, der fast fünf Stunden mehr auf dem Platz verbracht hatte, zunehmend müder wirkte.

Der dritte Matchball musste es im letzten Durchgang, in dem Murray von 2:5 auf 4:5 verkürzen konnte, richten. Eine lange Rally setzte der Schotte ins Netz, Djokovic ließ sich zunächst in den Sand fallen und war dann einfach nur noch völlig überwältigt. Vor den Augen des früheren Siegers Gustavo Kuerten malte er mit dem Schläger ein Herz in den Sand und legte sich unter dem Jubel auf dem Chatrier ins Glück.

Es war der sechste Sieg in den letzten acht Grand Slams für den Dominator auf der Tour, der seine komfortable Führung in der Weltrangliste weiter ausbaut. Seit Rod Laver 1969 hat niemand alle vier Grand Slams in Folge gewonnen. In der ewigen Bestenliste stehen nur noch Pete Sampras, Rafael Nadal (je 14 Grand Slams) und Roger Federer (17) vor dem 29-Jährigen. Für Murray, der schon im Finale von Melbourne den Kürzeren gezogen hatte, ist es im zehnten Finale die achte Niederlage.

Finale der Damen: Muguruza triumphiert gegen Williams

Die Reaktionen

Novak Djokovic: "Das ist ein sehr spezieller Moment, vielleicht der größte in meiner Karriere. Vielen Dank an alle.

Andy, Glückwunsch für ein tolles Turnier. Es ist immer eine Freude, gegen dich zu spielen. Einer muss leider verlieren, ich bin sicher, dass du in Zukunft weiter um große Trophäen spielen wirst. Danke an mein Team und an meine Lieben, dass ihr so viel Verständnis für mich habt und mich immer ertragt. Ihr wisst, was ich meine. An das Publikum: Euch gehört mein Herz, wir sehen uns im nächsten Jahr."

Andy Murray: "Danke an mein Team, an meine Freunde und meine Familie. Ich möchte mich beim Publikum für die fantastische Atmosphäre bedanken. Gratulation an Novaks Team. Er hat den Sieg heute verdient. Das ist sein Tag heute, was er in den letzten zwölf Monaten geleistet hat, ist unglaublich. Alle vier Grand Slams zu gewinnen ist eine herausragende Leistung. Das hat es schon lange nicht mehr gegeben. Ich bin stolz, Teil dieser Geschichte zu sein."

Der Spielfilm:

Satz 1

Was für ein Auftakt von Djokovic! Den ersten Punkt macht er mit einem wunderschönen Rückhandstopp, returniert brutal - und breakt zu Null! Aber bei feuchten, langsamen Bedingungen funktioniert auch sein Service nicht, dazu kommen leichte Fehler. Mit einem wunderschönen Rückhandlob stellt Murray auf 1:1. Und hat plötzlich die Kontrolle. Viel zu viele Unforced Errors des Serben, gerade auf der Vorhandseite, und dann ist sogar die Netzkante für den Schotten. Erst bei 1:4 wacht der Djoker auf und macht jetzt mehr, aber Murray punktet über das Service. Bei 5:3 überstimmt der Stuhlschiedsrichter einen Ausruf und gibt den Punkt an Murray, was für lebhafte Diskussionen mit dem Djoker und Pfiffen des Publikums sorgt. Der Nummer zwei der Welt ist das herzlich egal, er holt den ersten Durchgang mit 6:3. Murray hat mehr Asse, mehr Winner, weniger Fehler. Djoker über den 2. Aufschlag: 25 Prozent!

Satz 2

Djokovic stellt schnell auf 40:15, aber dann folgen Fehler, Doppelfehler und ein sensationeller Defensivkonter von Murray. Aber die Nummer eins hält das Service und den Ball danach erst einmal nur im Spiel, um Sicherheit zu bekommen. Der Doppelfehler von Murray bringt wieder das frühe Break. Djokovic nimmt bei eigenem Service Tempo raus, um den ersten Aufschlag ins Feld zu bekommen, was auch funktioniert. Er hat mehr Kontrolle über die Rallys und stellt auf 3:0. Auch das Publikum ist - Überraschung - mittlerweile auf der Seite des Serben. Murray wehrt bei eigenem Service Breakbälle ab und ist weiter im Satz. Fünftes Ass zum 1:3! Aber dann gibt es nichts mehr zu holen für ihn: Djokovic ist voll da, wird härter und präziser von der Grundlinie. Da brennt nichts mehr an! 6:1 Djokovic. 72 Prozent erster Aufschlag, 11:3 Winner für den Djoker. Das Spiel ist gekippt.

Satz 3

Jetzt wird es langsam hochklassiger! Die Fehler werden weniger, Djokovic kontert einen Gegenstopp sensationell mit einer Rückhand kurz cross. Aber diesmal hält er über den guten Aufschlag zum 1:0, hält beim nächsten Spiel gut mit. Aber dann wird er wieder zu passiv, steht bei 0:30 und kassiert nach einem Passierschlag von Nole die Breakbälle. Er hat sie eigentlich schon abgewehrt, aber dann verpatzt er einen ganz leichten Volley ins Nylon! Was war denn das? Break Djokovic zum 2:1. Die Rallys werden immer besser, bis jemand bricht. Der Djoker erkennt bei 30 beide einen zu langen Ball und bekommt Recht, gefrustet prügelt Murray den nächsten Ball ins Netz. 3:1! Murray hat wieder diesen allseits bekannten verätzten Gesichtsausdruck - wieder Breakbälle für die Nummer eins. Ein brillanter Stop hat ihm Einstand eigentlich schon sicher, aber Nole kommt irgendwie ran - und legt die Rückhand kurz quer auf die Linie. Wahnsinn! Das nächste Spiel könnte ein Knackpunkt sein: Richtig stark von beiden, aber Murray kann gleich vier Breakbälle nicht nutzen, der Serbe ist einfach zu gut. Murray hält noch einmal, aber dann ist Schicht: 6:2 für Djokovic! 13:3 Winner diesmal! Und: 67 Prozent Punkte über den zweiten Aufschlag.

Satz 4

Murray kommt wieder nicht in den Satz! Einen Stopp von Djokovic haut Murray ins Netz, einen Stopp des Schotten kontert der Gegner unnachahmlich kurz cross. Drei Breakbälle folgen, ein leichter Fehler und der Djoker ist schon wieder Break vor. War es das schon? Djokovic bringt alles zurück, Murray macht die Fehler. Zwar fightet der Schotte und hält mit starkem Spiel sein Service, aber insgesamt wirkt er auch ein bisschen zu platt für ein episches Comeback. Beim Stand von 2:4 gibt es weitere drei Breakbälle für den Djoker. Und der nutzt gleich den ersten, indem er Murray an der Grundlinie locker ausspielt und die Vorhand zum Winner setzt. 5:2! Und dann? Die Nerven? Bei 5:2 kommt Murray noch einmal zurück, spielt packend und pusht sich zum 4:5. Die Zuschauer stehen mittlerweile, als sich die Nummer eins zwei Matchbälle holt, die Zuschauer pusht - und sie per Doppelfehler und Fehler vergibt! Der dritte muss es richten, den Murray schließlich mit der Rückhand ins Netz setzt. 6:4! Game, Set and Match Djokovic!

Schlag des Spiels

Djokovic kurz cross gegen den Stop. Immer wieder lockten sich die beiden mit Stoppbällen ans Netz, die sie aufgrund ihrer enormen Laufstärke und Antizipation auch fast immer erreichten. Aber es war vor allem der Serbe, der mit diesen Bällen mehr anfangen konnte. Ein ums andere Mal legte er die Filzkugel sensationell quer am hilflosen Murray vorbei.

Ballwechsel des Spiels

Es muss der Matchball sein. Es war am Ende auch ein Nervenflattern beim Djoker, der zwei Championship Points zuvor unbedrängt vergeben hatte. Es war ein typischer langer, kräftezehrender Ballwechsel von der Grundlinie, beide schickten sich in die Ecken und verlangten sich alles ab. Am Ende war Nole einfach einen Tick konstanter, besser. Murray machte den Fehler - und Djokovic schrieb Geschichte.

Das fiel auf

  • Das französische Publikum ist bekanntlich nicht gerade das fairste der Welt, und der Djoker bekanntlich nicht immer Publikumsliebling Nummer eins. Aber an diesem Sonntag hatte die Nummer eins die Mehrheit der Fans auf seiner Seite, gerade nach Satz eins. Jubel, "Nole!"-Sprechchöre - man traute seinen Ohren kaum. Gut, ein wie üblich unwirscher Murray ist kein Federer oder Nadal, aber es war ohne Zweifel extrem hilfreich für den anfangs so nervösen Serben, endlich einmal die Zuschauer hinter sich zu wissen. Vielleicht war es die Chance, Geschichte zu erleben, vielleicht auch der enorm sympathische Auftritt nach dem verlorenen Finale 2015.
  • Murray hatte im Finale von Madrid auf Sand vor wenigen Wochen noch überraschend deutlich gegen Djokovic gewonnen, und spätestens nach dem starken Auftritt im Halbfinale gegen Titelverteidiger Stan Wawrinka war er alles andere als chancenlos. Aber während der Djoker in Madrid schlapp war, gab es diesmal umgekehrte Vorzeichen: Murray hatte vor dem Finale bereits zwei Fünfsatzmatches und fünf Stunden mehr auf dem Platz in den Knochen. Er schien nach dem ersten Satz konditionell abzubauen, bewegte sich teilweise nicht mehr so gut und war am Ende chancenlos gegen die serbische Ballwand. Zehn Winner im ersten Satz, in den drei folgenden waren es gerade einmal 13.
  • Im Turnierverlauf hatte Murray vor allem über den schnelleren, ersten Aufschlag besser punkten können als Djokovic. Auch vor diesem Match war klar: Er brauchte die leichten Punkte. Das gelang im ersten Satz, doch dann stürzte die Quote beim Ersten auf teilweise unter 50 Prozent ab, sogar nur 40 Prozent im vierten Satz.
  • Wie famos diese beiden Herrschaften returnieren? Ganze drei unerzwungene Return-Fehler gab es im gesamten Match. Service-Winner weist die offzielle Statistik überhaupt keine auf. Wenn sie irgendwie an den Ball kommen, ist der auch drin - und macht direkt Druck.
  • Im zwölften Anlauf in Roland Garros war es der erste Titel für Djokovic. Das ist Rekord: So spät hatte noch nie jemand bei den French Open triumphieren können.
  • In Paris hatte Murray in seiner Karriere noch nie verloren, wenn er den ersten Satz gewonnen hatte - bei 26-0 stand die Bilanz. Jetzt heißt es 26-1.

Die Weltrangliste der Herren im Überblick

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