Der letzte Typ

Safin ist zurück und will in die Politik

SID
Freitag, 28.10.2011 | 14:32 Uhr
Marat Safin zerstörte in seiner Karriere 1055 Schläger
© Getty
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Er war der letzte Bad Boy im Tennissport: Aus Frust und Jähzorn zerstörte Marat Safin 1055 Schläger in seiner Karriere. Zum Start seiner zweiten Laufbahn auf der Senioren-Tour ehrte ihn die ATP dafür nun mit einem Preis. Jetzt zieht es Safin in die Politik.

Seine Senioren-Laufbahn startete Marat Safin mit genau zwei Schlägern. Derart karg ausgestattet wurde es dem letzten Bad Boy des Tennis wohl etwas mulmig. Beim Turnier im cinesischen Chengdu bestellte Safin 100 Rackets nach - man kann ja nie wissen.

Besonders dann nicht, wenn Ehrgeiz und Jähzorn eine Hauptrolle spielen. Safins aufbrausendes Gemüt sorgte in seiner zwölfjährigen Karriere für jede Menge Metallschrott. 1055 Schläger zerhackte Safin. Die Statistiker hatten genau mitgezählt. Nun darf sich der mittlerweile 32-jährige Russe eine weitere Trophäe neben die Pokale der US Open (2000) und Australian Open (2005) in den Schrank stellen. Die ATP zeichnete Safin für sein rüpelhaftes Verhalten aus.

Die Vereinigung der professionellen Tennisspieler drückte damit ihren Respekt für einen Spieler aus, der nie unumstritten war. Dabei hatte Safin an der Spitze der Weltrangliste gestanden und im Finale von New York den damals überragenden Pete Sampras bezwungen.

"Karriere der verpassten Chancen"

"Es ist eine Karriere der verpassten Chancen", sagte sein Manager Ion Tiriac einst und Safin erklärte: "Ich bin ein Typ, der in keine Schablone passt. Und Tennis konnte nie mein ganzes Leben sein."

Die Diskussion um fehlende Charaktere auf der Tennis-Tour reißt trotz der faszinierenden Duelle zwischen Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic nicht ab. Safins Trainer, der Schwede Peter Lundgren, wusste um die Vorzüge seines Schützlings: "Die ATP-Tour braucht ihn eigentlich. Er ist eine sehr spezielle Persönlichkeit und kann in der richtigen Stimmung ein echter Künstler auf dem Platz sein."

Die Wutausbrüche und knallharten Grundschläge waren jedoch nur ein Teil dieser Persönlichkeit. Als Partykönig mit dicken Zigarren, Champagner und einer Entourage von ansehnlichen Blondinen schrieb Safin immer wieder Schlagzeilen. Im letzten Jahr seiner Karriere tauchte er nach einer wüsten Diskoschlägerei in Moskau mit blau unterlaufenen Augen beim Hopman-Cup auf. "Ihr hättet mal den anderen Typen sehen sollen", rief Safin gutgelaunt in die Menge.

Kandidatur bei Parlamentswahl in Russland

Auf der ATP-Champions-Tour, dem Altherren-Zirkus, ist Safin nun einer von vielen Typen. Gemeinsam mit Sampras, Carlos Moya aus Spanien und dem Australier Mark Philippoussis ist er der Star der Chengdu Open. Ab und an schwingen sogar John McEnroe, Michael Stich und Mats Wilander die Schläger - zumeist vor beeindruckenden Kulissen. "Ich werde sicherlich nicht am Strand auf meinem Arsch sitzen und für den Rest meines Lebens nichts tun", hatte Safin bei seinem Abschied gesagt und Wort gehalten.

Da sein Leben jedoch nicht ausschließlich auf dem Tennisplatz stattfindet, überraschte er in China mit einer neuen Idee. "Ich trete bei der Parlamentswahl in Russland an", sagte Safin und erläuterte: "Die Wahlen sind am 4. Dezember. Es ist eine neue Herausforderung. Ich denke, ich bin ein intelligenter Typ und bringe viele Ideen mit."

Wie es sich für den Bad Boy des Profitennis gehört, garnierte er seine Bewerbung mit einem markigen Spruch: "Ich wäre der bestaussehende Kerl in der Duma - aber nur, weil alle anderen über 60 sind."

Die ATP-Weltrangliste im Überblick

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