Stephen Hendry im Interview

"Sie wollen deinen Skalp"

Montag, 18.04.2016 | 16:30 Uhr
Stephen Hendry voll konzentriert am Tisch. Rechts hofft Altmeister Steve Davis auf einen Fehler
© getty
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Mit sieben Weltmeistertiteln ist Stephen Hendry der erfolgreichste Snooker-Spieler aller Zeiten: In den 90er Jahren dominierte der "Golden Boy" nach Belieben, 2012 beendete der heute 47 Jahre alte Schotte seine Karriere. Mit SPOX spricht der BBC-Experte am Rande der Weltmeisterschaft im ehrwürdigen Crucible Theatre über Titelfavoriten und verrät, warum ihn die Spieler nicht mögen. Außerdem: Hass von Steve Davis, Erpressung durch den Verband - und warum er früher auch blind gewonnen hätte.

SPOX: Mr. Hendry, die Snooker-WM läuft mittlerweile auf vollen Touren. Lassen Sie uns kur auf ihre Karriere im Crucible Theatre zurückschauen, bevor wir über die Favoriten sprechen. Erinnern Sie sich an ihr allererstes Spiel dort?

Stephen Hendry: Ja, daran kann ich mich noch sehr gut erinnern. Das war 1986 gegen Willie Thorne. Ich verlor 8-10, aber es war trotzdem ein tolles Erlebnis, weil ich schon immer davon geträumt hatte, im Crucible zu spielen.

SPOX: Drei Jahre später schlugen Sie Jimmy White im Finale und holten Ihren ersten WM-Titel. Was hat Ihnen geholfen, so schnell den Durchbruch zu schaffen?

Hendry: Ich verbesserte mich sehr schnell, aber der entscheidende Moment war der World Grand Prix 1987, da war ich 18. Dort konnte ich zum ersten Mal Steve Davis in einem großen Ranking Tournament besiegen. Das war ein großer Schritt für mich, weil Steve Davis damals die dominante Figur im Snooker war. Ich hatte schon oft gegen ihn gespielt, bestimmt zwölf, 13 oder sogar 14 Mal, aber hatte ihn noch nie geschlagen. Das war quasi die finale Zutat, die ich für mein Selbstbewusstsein brauchte: den besten Spieler der Welt zu besiegen.

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SPOX: Wenig später waren Sie der beste Spieler der Welt - und gewannen insgesamt sieben WM-Titel. Sie bekommen diese Frage sicherlich oft gestellt: Welcher Titel bedeutet Ihnen am meisten? Der erste? Der letzte? Oder ist das so, als müsste man sich zwischen den eigenen Kindern entscheiden?

Hendry: Es ist schwer, zwischen dem ersten und dem letzten zu wählen. Aber der erste ist noch einmal etwas ganz Besonderes. Nicht jeder Spieler kann sich den WM-Titel zum Ziel setzen, bevor er Profi wird - man weiß ja nicht, wie gut man sein wird. Ich dagegen hatte diesen Ehrgeiz von Anfang an. Als ich mit 16 Profi wurde, sagte ich in Interviews, dass ich mit 21 Weltmeister sein würde. Niemand glaubte mir, aber ich hatte diese innere Überzeugung. Dann mit 21 wirklich meinen ersten WM-Titel zu holen, das war unglaublich. Genauso wie die Tatsache, dass ich fünf Jahre nach dem Beginn meiner Karriere die Nummer Eins der Welt war. Ein sensationelles Gefühl.

SPOX: Und der siebte Titel?

Hendry: Zum siebten Mal Weltmeister zu werden und den Rekord von Steve Davis zu brechen war ebenfalls besonders, aber der allererste Titel sticht noch etwas mehr heraus. Und ich bin sehr stolz darauf, dass ich immer noch der jüngste Weltmeister aller Zeiten bin.

SPOX: Sie haben von 1992 bis 1996 fünf WM-Titel in Folge gewonnen. Gab es Zeiten, als Sie sich am Tisch unbesiegbar fühlten? Oder spielen die Zweifel immer mit?

Hendry: In dieser Zeit fühlte ich mich tatsächlich unbesiegbar. Der Titel war für mich eine Selbstverständlichkeit. Einmal sagte ich meiner Frau, dass sie ein ganz bestimmtes Jackett mitbringen solle - für die Party nach dem Finale. Dabei hatte ich noch nicht einmal mein Erstrundenmatch gespielt. Damals war mein Selbstvertrauen grenzenlos.

SPOX: Steve Davis hat einmal gesagt, dass er Sie damals richtiggehend hasste, weil Sie ihn vom Thron gestoßen haben. Im Deutschen gibt es ein Sprichwort: Erfolg macht einsam. Wenn man Ihre beste Phase in den 90ern vergleicht mit Ihrer Karriere zehn Jahre später: Hatte sich das Verhältnis zu Ihren Kollegen verändert?

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Hendry: Definitiv. Und ein Grund dafür, dass ich später nicht mehr so erfolgreich war, war die Tatsache, dass ich die anderen Spieler immer besser kennen lernte und mich mit ihnen befreundete.

SPOX: Wieso denn das?

Hendry: In einem Individualsport muss man sich von seinen größten Rivalen abgrenzen, glaube ich. Es ist kein Problem, mit Spielern befreundet zu sein, die keine Gefahr für dich sind. Aber wenn es um deine größten Konkurrenten geht, ist das meiner Meinung nach ein Fehler. Ich war nicht mehr so "kalt" und aggressiv wie zuvor, und das lag daran, dass ich mit zunehmendem Alter ein bisschen softer wurde und mehr Zeit mit den anderen Spielern verbrachte.

SPOX: Sie haben Ihre Karriere 2012 beendet, nach über 25 Jahren. Was war in diesen letzten Jahren schwerer: der physische oder der mentale Aspekt des Sports?

Hendry: Es gab eine Reihe von Gründen. Der wichtigste war meine abnehmende Form. Manche Spieler sagen dann: "Oh, ich mache weiter, weil ich immer noch Spaß daran habe." Mir bedeutet das nichts. Bei mir kommt der Spaß durch das Gewinnen. Wer mir die Siege und die Trophäen nimmt, der nimmt mir einen Großteil der Freude am Spiel.

SPOX: Können Sie sich Ihren damaligen Formverlust erklären?

Hendry: Ich hatte nicht mehr so hart trainiert und mich nicht mehr so sehr dem Sport gewidmet wie früher. Wie ich schon sagte: In einer Einzelsportart muss das ganze Leben auf den Erfolg ausgerichtet sein - was sich dann nachteilig auf die anderen Aspekte des Lebens auswirkt. Auf die Familie, die Partner, die Kinder. Wenn man älter wird, hat man eine Frau und eine Familie, und damit andere Prioritäten im Leben, andere Belastungen abseits des Snookertisches. Widmet man sich dann nicht mehr vollständig dem Sport, ist man nicht mehr so präzise, nicht mehr so fokussiert. Ich fing an, gegen Spieler zu verlieren, gegen die ich niemals hätte verlieren dürfen. Das wiederum nagt an deinem Selbstvertrauen und an deiner Freude am Spiel. Und so wird es immer schwieriger, dein bestmögliches Snooker abzurufen.

SPOX: Was ist mit Ihrem Queue? Sie hatten über 20 Jahre mit dem gleichen Queue gespielt, dann wurde es im Flugzeuggepäck zerstört. Was ist das besondere an einem Snooker-Queue? Tennisspieler zum Beispiel wechseln ihr Racket andauernd.

Hendry: Das Queue ist für einen Snookerspieler wie die Verlängerung seines Arms. Man muss bedenken, dass jedes Stück Holz anders ist und damit unterschiedlich reagiert, während Tennisschläger problemlos identisch hergestellt werden können. Mit diesem Queue hatte ich alle sieben WM-Titel gewonnen, insgesamt ungefähr 70 Turniere. Und danach waren es nur noch sieben oder acht. Das hatte einen großen Einfluss auf meine Karriere. Ich weiß, dass das zum Großteil auch meine Schuld ist, weil es sich um ein psychologisches Problem handelt: Ich hätte eigentlich einfach ein anderes Queue nehmen und auf dem gleichen Niveau weiterspielen sollen. Aber es war danach nie mehr so wie früher.

SPOX: Sind Sie im Rückblick der Meinung, zum perfekten Zeitpunkt aufgehört zu haben? Hört man zu spät auf, haben die Leute Mitleid. Hört man zu früh auf, muss man sich immer fragen, ob nicht doch ein letzter Anlauf möglich gewesen wäre...

Hendry: Wie der Sport damals organisiert war, hat ebenfalls eine Rolle gespielt. Es gab viele Events der Players Tour Championship (PTC): Kleine Turniere in Großbritannien und außerhalb, in engen Sälen ohne Zuschauer, nur zwei Spieler und ein Referee. Ohne jegliche Atmosphäre. Aber damals musste man diese Turniere spielen, weil sie die gleichen Ranglistenpunkte brachten wie die großen Turniere - obwohl es fast überhaupt kein Preisgeld gab. Man wurde als mehr oder weniger von Barry Hearn (Vorsitzender der World Snooker Association, Anm. d. Red.) erpresst und dazu gezwungen, diese Turniere zu spielen. Und mir machten sie einfach überhaupt keinen Spaß. Ein Grund für meinen Rücktritt war also auch, dass ich keine Lust auf diese Events hatte.

SPOX: Das System wurde dann nach großem Protest wieder geändert.

Hendry: Ja, ein oder zwei Jahre nach meinem Karriereende wurde das System abgeschafft: Jetzt kann man sich aussuchen, ob man die PTC-Turniere spielt oder doch lieber andere. Wäre das schon früher so gewesen, hätte ich vielleicht noch das eine oder andere Jahr weitergemacht und nur die großen Turniere gespielt.

SPOX: Hat es Sie immer inspiriert, vor großem Publikum zu spielen?

Hendry: Mein bestes Snooker habe ich immer auf den größten Bühnen gespielt. Der Tisch Nummer eins im Crucible, oder das Masters im Wembley Conference Centre, vor 2.500 Zuschauern. Wenn du dann plötzlich in einem kleinen Raum allein bist mit deinem Gegner und einem Schiedsrichter, dann spornt das einfach nicht zu Höchstleistungen an. Zumindest mich nicht, vielleicht ja andere. Und es ist ein großer Vorteil für einen jungen Emporkömmling. Der ist zu einhundert Prozent konzentriert, weil er dich schlagen will: Für ihn bist du ein großer Skalp. Und du gehst in diesen Raum und bist einfach nur deprimiert, weil du am liebsten ganz woanders wärst...

SPOX: Sie haben auch ein paar Mal in Deutschland gespielt. Woran erinnern Sie sich in Bezug auf die deutschen Fans?

Hendry: Ich hatte das Glück, in meinem letzten Jahr als Profi im Tempodrom in Berlin zu spielen. Dort fand zum ersten Mal das German Masters statt. Ich hatte dort sehr viel Spaß, obwohl ich nach einem Erstrundensieg über Judd Trump schon in der zweiten Runde gegen Mark Selby verloren habe, glaube ich. Aber ich bin froh, dass ich einmal in dieser Arena spielen durfte. Heute ist es ein fantastisches Turnier, mit der perfekten Snooker-Atmosphäre.

SPOX: Spielen Sie heute noch ab und zu?

Hendry: Ja, hin und wieder bestreite ich Freundschaftsspiele. Ich trainiere auch, aber natürlich nicht mehr so viel wie früher. Zwei oder dreimal die Woche ein paar Stunden, zum Spaß und weil ich sehen will, wie gut ich noch bin. Es gibt aber keinerlei Pläne für ein Comeback oder dergleichen.

Seite 1: Hendry über Steve Davis, unbesiegbare Zeiten und sein Karriereende

Seite 2: Hendry über Ronnie O'Sullivan, Favoriten und den Zauber des Crucible

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