Ein Turm-Opfer im finalen Showdown

Russe Karjakin fordert Carlsen

SID
Dienstag, 29.03.2016 | 14:01 Uhr
Magnus Carlsen im Duell gegen Sergei Zhigalko
© getty
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36 Züge lang war der finale Showdown im Kandidatenturnier zur Schach-WM absolut ausgeglichen, ehe Sergej Karjakin zum entscheidenden Manöver ansetzte. Der Russe überraschte seinen Kontrahenten Fabiano Caruana mit einem mutigen und zu diesem Zeitpunkt ungewöhnlichen Turm-Opfer. Nur fünf Züge später war das Duell entschieden - und Karjakin damit der nächste Herausforderer von Weltmeister Magnus Carlsen.

"Ich bin wahrscheinlich gerade die glücklichste Person der Welt", sagte Karjakin nach dem bis dato größten Triumph seiner Karriere. Ein Triumph, zu dem ihm auch der amtierende Champion Carlsen via Twitter umgehend gratulierte.

Über zwei Wochen hatten sich die acht Teilnehmer des Vorentscheids duelliert. Nach insgesamt 14 Spieltagen und 56 Partien, lief schließlich alles auf die letzte Partie zwischen dem 23 Jahre alten US-amerikanischen Wunderkind Caruana und dem drei Jahre älteren Karjakin hinaus. Nur der Gewinner würde den norwegischen Superstar im November in New York herausfordern dürfen.

Das Duell zwischen den USA und Russland besitzt im Schachsport ohnehin eine besondere Brisanz. 1972 hatte der US-Amerikaner Bobby Fischer in Reykjavik dem Russen Boris Spasski dessen Weltmeistertitel abgejagt und der stolzen Schach-Nation mitten im Kalten Krieg damit einen Dolch ins Herz gejagt. 44 Jahre später schlug nun Karjakin zurück - und schnappte Caruana, der großen Hoffnung des US-Schachs, ein mögliches Heim-Finale vor der Nase weg.

Voraussichtlich Spektakel in New York

Spätestens jetzt ist Karjakin, einst im Alter von zwölf Jahren jüngster Schach-Großmeister überhaupt, das Aushängeschild des russischen Schachsports. Dabei war der gebürtige Ukrainer erst 2009 wegen der besseren Trainingsmöglichkeiten in den russischen Verband gewechselt. Politisch präsentiert er sich als Unterstützer von Präsident Putin und befürwortete öffentlich die Annexion der Krim, wo auch seine Geburtsstadt Simferopol liegt.

Beim Kandidatenturnier im Moskauer Telegraphenamt bewies der Russe vor allem seine sportlichen Fähigkeiten. Sein Stil ähnelt dem von Magnus Carlsen: Beide legen weniger Wert auf die Eröffnung und Spielvorbereitung, vertrauen aber auf ihre genialen Kombinationsfähigkeiten. Das anstehende WM-Duell in New York verspricht damit zu einem Spektakel zu werden.

''Erst den Sieg feiern''

Wobei Carlsen der große Favorit ist. Nur wenn Karjakin eine ähnlich starke Defensivarbeit wie beim Kandidatenturnier gelingt, kann er auch gegen den Weltranglistenersten überraschen. "Wenn ich gut spiele, habe ich vielleicht Chancen", meinte er nach dem Sieg in Moskau entsprechend zurückhaltend.

Die Partie gegen den Weltmeister scheint für Karjakin derzeit allerdings noch weit weg. "Ich schaue nach vorne, aber erst will ich den Sieg feiern", sagte er nach dem Triumph in Moskau. Allzu ausschweifend dürfte die Party jedoch kaum ausgefallen sein. Auf die Frage, was er nun mit dem Preisgeld des Kandidatenturniers von rund 100.000 Euro machen würde, antwortete er lapidar: "Ich gebe es meiner Frau, sie weiß schon, was damit zu tun ist."

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