Boxen

"Das Schwergewicht ist ausgetrocknet"

Von Ingo Rohrbach
SPOX-Reporter Ingo Rohrbach traf Sylvester Stallone zum Interview
© Getty

SPOX traf Sylvester Stallone in Hamburg. Der Hollywood-Star besuchte in St. Pauli die Proben zum Musical "Rocky", das er gemeinsam mit Witali und Wladimir Klitschko auf die Beine stellt. Im Interview spricht Sly über die Dominanz der Klitschkos, die Probleme des Schwergewichts-Boxens in den USA und die romantischen Songs in "Rocky".

SPOX: Herr Stallone, Witali Klitschko kämpft am Wochenende gegen Manuel Charr (Samstag, 22.45 Uhr im LIVE-TICKER). Sein Karriereende steht im Raum. Soll er aufhören?

Sylvester Stallone: Schauen Sie ihn sich doch an, er ist toll in Form. Er sollte weitermachen, solange er Spaß am Boxen hat. Denn im Moment sehe ich keinen, der ihn schlagen könnte.

SPOX: Wladimir wird im November zum nächsten Mal in den Ring steigen. Sein Gegner ist der Pole Mariusz Wach.

Stallone: Ganz egal, wer er ist, er wird zu Boden gehen. Wladimir ist in so toller Form und hat so eine tolle Einstellung zum Boxen, er wird unmöglich zu schlagen sein. Ich würde mich sehr freuen, wenn einer der Klitschkos mal wieder in den USA boxen würde.

SPOX: Dort gibt es im Moment aber keine guten Schwergewichtler. Warum?

Stallone: Das Schwergewicht ist leider ausgetrocknet. Die Jungs dort sind mittlerweile solche Riesen. Ein Joe Frazier wog 95 Kilo, ein George Foreman 97. Heute wiegen die Jungs zwischen 110 und 120 Kilo. Es ist extrem schwer, einen Boxer zu finden, der die perfekte Kombination aus Größe und technischen Fähigkeiten mitbringt, die man heutzutage braucht. Don King und all die anderen Promoter haben es versäumt, ein neues Talent aufzubauen. Die großen Jungs haben heute keine Lust mehr darauf, sich ins Gesicht schlagen zu lassen. Sie entscheiden sich für andere Sportarten. Erst wenn sie sich verletzen, denken sie sich: ‚Okay, dann werde ich jetzt eben Boxer.' Du kannst aber nicht erst anfangen, wenn du schon 22 oder 23 Jahre alt bist. Die anderen prügeln dir die Scheiße aus dem Leib.

SPOX: Sehen Sie denn irgendjemanden, der die Klitschko-Brüder schlagen kann?

Stallone: Nein. Niemanden. Nur die Zeit kann die Klitschkos schlagen.

SPOX: Warum sind sie so dominant?

Stallone: Dazu muss man sich nur ihre Größe ansehen. Sie sind beeindruckend und wirklich fit. Ihr Jab ist großartig und ihr Punch überwältigend. Außerdem sind beide mental sehr stark. Dann kommt dazu, dass sie auch zwischen ihren Kämpfen fit bleiben, also nie auf den letzten Drücker Gewicht machen müssen. Sie sind intelligent und arbeiten hart. Sie haben innerhalb und außerhalb des Rings alles unter Kontrolle. Viele US-Boxer schaffen es nicht, auf ihre Ernährung zu achten. Und einen Boxkampf gewinnt man nicht nur im Ring. Die Klitschkos wissen das und sind deshalb da, wo sie hin gehören: an der Spitze.

SPOX: Warum haben Sie die Klitschko-Brüder gewählt, um das Musical als Weltpremiere nach Deutschland zu bringen?

Stallone: Weil sie unglaublich enthusiastisch waren. Vor allem Witali hat mir gesagt, dass ihn Rocky unheimlich beeinflusst hat. Als er ein Junge war, hat er Rocky gesehen und daraufhin beschlossen, selbst ein Boxer zu werden. Er und Wladimir waren also emotional voll bei der Sache.

SPOX: Wie kam es dann genau zur Zusammenarbeit?

Stallone: Das war kurios. Ich hatte die Idee für ein Rocky-Musical schon seit acht Jahren in der Schublade, aber niemand hat sich dafür interessiert. Dann klopfte eines Tages plötzlich Wladimir an meine Bürotür und sagte: 'Hey, ich habe da eine Idee.' Ich dachte, er wollte mich für die Promotion für einen Kampf anwerben, aber dann sagte er: 'Warum machen wir nicht ein Rocky-Musical?' Ich antwortete: 'Aber du bist doch Boxer!' Er meinte: 'Klar, aber wir wollen das Musical unbedingt auf die Beine stellen.' Da konnte ich nur noch zustimmen. Die ganze Sache kam wirklich aus dem Nichts.

SPOX: Was können die Leute von Ihrem Rocky-Musical erwarten?

Sylvester Stallone: Ich denke, es ist eine einzigartige Kombination. Da ist natürlich der Boxer Rocky, der physische Part der Story. Aber es ist trotzdem keine Sport-Geschichte. Denn die romantische Komponente mit Adrian und der Suche nach Anerkennung macht das Musical einzigartig. Vor allem die romantische Seite drückt sich in den Songs aus, was wirklich fantastisch ist.

SPOX: Wo rangieren die Klitschkos in ihrer Rangliste der Besten aller Zeiten?

Stallone: Das ist ganz schwer zu sagen. Man denkt ja immer, dass früher alles besser war, schneller, härter, spektakulärer. Aber das ist wie bei einem Song, den man als Jugendlicher cool fand. Wenn man ihn heute seinen Kindern vorspielt, stellt man fest, dass er eigentlich schrecklich ist. Damals war man davon beeindruckt, aber mit den Jahren stellt man fest, dass der Song doch nicht so besonders war. Ähnlich ist es bei den Boxern. Die Klitschkos sind in ihrer Zeit die Besten. Würde einer von ihnen gegen Muhammad Ali boxen? Ich denke, das gäbe einen harten Kampf. Einen richtig harten Kampf! Joe Frazier hätte keine Chance gegen die Klitschkos, denke ich. Das ist eine Frage des Boxstils. Ich denke, die Leute wären geschockt, wenn sie diesen Kampf sehen würden. Sehr geschockt.

SPOX: Welchen Klitschko-Bruder halten Sie denn für besser?

Stallone: Dazu werde ich die Aussage verweigern. (lacht)

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