Boxen

Arthur Abraham: "BUMMS! Und alles war gut"

Von Für SPOX in Berlin: Haruka Gruber
12. Runde: Abraham hat Taylor mit einer krachenden Rechten böse auf die Bretter geschickt
© Imago

Arthur Abraham hat einen Traumstart in die Champions League des Boxens hingelegt: In Berlin gewann der 29-Jährige im Rahmen des Super-Six-Turniers gegen US-Star Jermain Taylor durch K.o. in der letzten Runde.

Der Offizielle hatte es genau gestoppt: Sechs Sekunden vor dem Ende der zwölften Runde schlug Arthur Abraham zum Auftakt des Super-Six-Turniers in Berlin spektakulär den amerikanischen Superstar Jermain Taylor K.o. und sorgte für einen Traumstart des Sauerland-Boxstalls.

"Das ist wie im Hollywood-Drehbuch. Besser kann man es nicht planen. Arthur hat eine Weltklasse-Leistung gezeigt und einen absoluten Weltstar geschlagen", sagte Kalle Sauerland, Promoter und Erfinder des Super Six.

Kontrahent Taylor musste nach dem Niederschlag ins Krankenhaus eingeliefert und wegen einer schwereren Gehirnerschütterung behandelt werden. Im Interview spricht Abraham über seine Taktik, die Angst vor der Unfruchtbarkeit und eine riesengroße Erleichterung.

Runde für Runde: Der Kampf zum Nachlesen im LIVE-TICKER

Frage: K.o. sechs Sekunden vor dem Ende: Haben Sie Taylor in eine Falle gelockt?

Arthur Abraham: Das stimmt, ich wollte ihn austricksen. Es war unsere Taktik. Er sollte den Eindruck gewinnen, dass ich nicht mehr schlagen will. In den letzten 60 Sekunden habe ich es aber dreimal versucht. Zweimal ging es daneben, beim dritten Mal hat es aber geklappt.

Frage: Geht es genauer?

Abraham: Normalerweise versuche ich nach Punkten zu gewinnen. In den letzen zwei Minuten habe ich aber gemerkt, dass noch etwas geht. Ich habe mich bewegt, mich locker gemacht und immer nach der Lücke gesucht. Am Ende gab es dann einen Bumms, und alles war gut.

Frage: Zu Beginn war jedoch Taylor dominanter.

Abraham: Am Anfang war es nichts Besonderes. Er war sehr explosiv und hat viel geschlagen. Die ersten beiden Runden habe ich abgegeben, ich bin eben ein Spätstarter. Ich beobachte am liebsten meinen Gegner und habe ihn schlagen lassen. Das hat natürlich wehgetan. Aber zwischendurch habe ich immer wieder attackiert - und das hat ja gut geklappt. Nach der vierten, fünften Runde habe ich gespürt, dass ich den Kampf im Griff habe.

Frage: Aber birgt diese Taktik nicht ein Risiko? Wenn Sie zum nächsten Kampf an der amerikanischen Ostküste gegen Andre Dirrell in den Ring steigen, haben Sie keine deutschen Fans im Rücken, die Sie puschen.

Abraham: Der Ring ist gleich, egal ob er in Deutschland oder Amerika steht. Ich kann aber auch nicht anders. Gegen Taylor war es beispielsweise so, dass wegen eines Vorkampfs der Cutman nicht einmal die Zeit hatte, meine Tapes zu bandagieren. Ich hatte nur zehn Minuten Zeit, warm zu werden. Trainer Ulli Wegner hat aber gesagt: 'Kein Problem, wirst halt im Ring warm!' So habe ich es dann ja gemacht (lacht).

Frage: Taylor sorgte für Unmutsäußerungen, weil er so tief geschlagen hat.

Abraham: Ich habe Angst gehabt, dass ich keine Kinder mehr kriegen werde, so weh hat das getan. Ich habe mir Sorgen gemacht. Dennoch würde ich ihn nicht als schmutzigen Boxer bezeichnen. Er ist kein sauberer Boxer, aber er ist immerhin normal. Man darf Boxen auch nicht mit Schach vergleichen. Mir war schon vor dem Kampf klar, dass ein Tiefschlag einen nicht durcheinander bringen darf.

Frage: Bereits in der neunten Runde hat Taylor vor dem K.o. gestanden. Warum haben Sie den Kampf nicht beendet?

Abraham: Taylor hat gewackelt und sich dank seiner Erfahrung gerade noch so gerettet. Ich wollte mich hingegen nicht auspowern, weil er sehr clever ist. Ich musste mich in Acht nehmen.

Frage: Wie verlief der Sprung vom Mittelgewicht in das Super-Mittelgewicht?

Abraham: Ich fühle mich so gut wie vielleicht noch nie. Früher habe ich in zwei Wochen neun Kilo abgenommen. Diesmal waren es nur drei, vier Kilo. Es war so mühsam, wie ein Glas Wasser zu trinken. Das war so eine Erleichterung, das ist unglaublich.

Frage: Ihr nächster Gegner heißt Dirrell. Was wissen Sie über ihn?

Abraham: Ich bin ein Mensch, der einen Schritt macht und dann den nächsten. Daher habe ich mich bisher auch nicht auf den Taylor-Kampf konzentriert. Ich habe zum Beispiel noch keinen einzigen Kampf von Dirrell oder Ward gesehen. Ich wollte halt nicht, dass mein Kopf durcheinander kommt (lacht).

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