"Die Magie ist nicht mehr zu 100 Prozent da"

Freitag, 13.01.2017 | 13:00 Uhr
Der SPOX-Handball-Talk befasst sich mit der WM in Frankreich
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Wird die gestiegene Erwartungshaltung zum Problem für das DHB-Team? Wer ist der Schlüsselspieler? Führt der Weg zum Titel nur über Frankreich? Und wie schwer wiegt der Abschied von Bundestrainer Dagur Sigurdsson? Vor dem WM-Auftakt gegen Ungarn (17.45 Uhr im LIVETICKER) diskutiert SPOX-Redakteur Felix Götz mit Weltmeister Henning Fritz, Handball-Kommentator Markus Götz und Sascha Staat, dem Macher des Handball-Podcast Kreis Ab.

Gestiegene Erwartungshaltung wird zum DHB-Problem

Henning Fritz: In dieser Mannschaft steckt meiner Meinung nach eine Mentalität und Moral, die es nicht zulässt, dass die Erwartungshaltung zum Problem wird. Das Team wurde gerade bei der EM vor unterschiedlichste Aufgaben gestellt. Mal waren sie in der Favoritenrolle, mal der Underdog, es gab Verletzungsprobleme, neue Spieler kamen hinzu. Das haben sie alles gelöst bekommen, sie hatten immer eine Antwort. Auch bei Olympia hat sich die Mannschaft wacker geschlagen. In Rio gab es lediglich das Problem, dass sie aus meiner Sicht im Halbfinale in der ersten Halbzeit zu viel Respekt vor den Franzosen hatten. Danach wurde dieser Respekt abgelegt, es ist ein Lernprozess. Die Spieler haben gesehen: Wir können mit den Franzosen gut mithalten. Aus allen diesen Erfahrungen, die sie gesammelt haben, gehen sie gestärkt hervor. Ich schätze diese Mannschaft so ein, dass sie daraus Selbstbewusstsein schöpft.

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Markus Götz: Jetzt, da wichtige Ausfälle wie die von Weinhold und Wiede zu beklagen sind, wo wochenlang nur über TV-Rechte gesprochen wurde, habe ich das Gefühl, dass die Erwartungshaltung gar nicht so riesig ist. Das kann sich im Verlaufe des Turniers natürlich wieder ändern. Da die Mannschaft bei den vergangenen beiden Turnieren Platz eins und drei belegt hat, würde natürlich ein Gefühl der Unzufriedenheit aufkommen, falls man es nicht wieder bis ins Halbfinale schaffen sollte. Da steigt die Erwartungshaltung automatisch, damit muss die Mannschaft klar kommen. Am Ende des Tages wird es aber auch ganz eng damit zusammenhängen, wie die Mannschaft grundsätzlich auftritt. Wenn wieder ein Spirit entwickelt und im Viertelfinale dramatisch gegen einen Top-Gegner verloren wird, würde man das anders bewerten, als wenn man sich nur durch das Turnier mogeln und rausfliegen würde.

Sascha Staat: Ich sehe in der Erwartungshaltung kein Problem. Schon vor den Olympischen Spielen in Rio ist die Erwartungshaltung deutlich angestiegen und das Team kam mit der neuen Rolle sehr gut zurecht. Die Mannschaft wirkte bei den letzten öffentlichen Medienterminen sehr locker und entspannt. Ich habe den Eindruck, dass man durch die erzielten Erfolge ausreichend Selbstvertrauen besitzt, um mit der Bürde der Favoritenrolle umzugehen. Bis auf die Zeit unter Martin Heuberger als Trainer war das eigentlich auch immer so. Die Tiefe im Kader ist - trotz erneut vieler Verletzter und Absagen - nach wie vor bemerkenswert. Entscheidend wird sein, wie man ins Viertelfinale kommt. Wie immer bei Weltmeisterschaften ist das die Schlüsselpartie.

Felix Götz: Die Erwartungshaltung wird sich meiner Meinung nach während des Turniers nicht negativ auf die Mannschaft auswirken. Dagur Sigurdsson hat seinen Spielern längst beigebracht, Druck in positive Energie umzuwandeln. Außerdem ist die Truppe zwar jung, verfügt aber trotzdem über Spieler mit beträchtlicher Erfahrung auf allerhöchstem Niveau. Vielmehr könnte die Erwartungshaltung bei der Nachbetrachtung, also der Einordnung des Turniers aus deutscher Sicht, eine Rolle spielen. Gefühlt ist es doch so, da stimme ich Markus zu, dass es nach den Auftritten bei der EM in Polen und bei Olympia in der öffentlichen Wahrnehmung in die Richtung geht: Das Halbfinale darf es dann bitte schon sein. Ist schon vorher Endstation, dürfte es schwierig werden, die WM als Erfolg zu verkaufen.

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