Malade Kieler humpeln ins Final Four

SID
Sonntag, 01.05.2016 | 11:41 Uhr
Der THW Kiel setzte sich mit letzter Kraft gegen die Rivalen aus Katalonien durch
© getty
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Bärenstark in Barcelona: Mit einer herausragenden Leistung hat sich der deutsche Rekordmeister THW Kiel zum fünften Mal nacheinander in der Champions League für das Final Four in Köln qualifiziert.

Tapas für den Triumph: Mit köstlichem Fingerfood feierten die Handball-Profis des THW Kiel in einer katalanischen Bar ausgelassen ihren Champions-League-Coup von Barcelona. Gebeutelt von Verletzungen verteidigte der deutschen Rekordmeister gegen den FC Barcelona erfolgreich seinen 29:24-Vorsprung auf dem Hinspiel, die 30:33 (14:13)-Niederlage im Palau Blaugrana reichte für den Sprung ins Final Four der Königsklasse am 28./29. Mai in Köln - und damit auch zur Verteidigung der deutschen Handball-Ehre.

Der eigentlich eher coole Isländer Alfred Gislason war angesichts dieses Husarenstreichs emotional aufgeladen wie schon lange nicht mehr. "Bei uns musste jeder spielen, der in der Lage war aufzustehen", sagte der THW-Coach mit respektvollem Blick auf seine invaliden Spieler, die im wahrsten Sinne des Wortes die Zähne zusammenbissen.

So verwandelte Niclas Ekberg trotz eines Muskelfaserrisses in der Wade zwei wichtige Siebenmeter, Christian Dissinger und Christian Sprenger hielten sich ungeachtet ihrer Knieprobleme für Kurzeinsätze bereit, und Linkshänder Steffen Weinhold trug sich sogar mit gebrochener rechter Hand bei den Gästen in die Torschützenliste ein.

"Nicht über Schmerzen nachgedacht"

"Ich habe einfach nicht über die Schmerzen nachgedacht", sagte der Nationalspieler, der am Montag in Hamburg operiert werden muss. Doch daran verschwendete der 29-Jährige auch während der spontanen Feier der Zebras keinen Gedanken.

Für die spanischen Gastgeber war schmerzhaft, dass ausgerechnet ihre ehemalige Stammkraft Joan Canellas in der entscheidenden Phase kühlen Kopf bewahrte und mit drei Treffern in Serie eine kurze Wackelphase des THW beendete. Routinier Dominik Klein ließ nach dem Schlusspfiff große Ehrfurcht vor seinem Teamkollegen erkennen: "Große Spieler gewinnen große Spiele."

Mindestens ein weiteres großes Spiel steht für die Norddeutschen nun noch in Köln auf dem Programm. Als Überflieger indes sieht Trainer Gislason seine Schützlinge im Kampf um die europäische Krone im Vereinshandball nicht: "Wir freuen uns, dass wir dabei sind. Favoriten sind dort dieses Mal aber andere."

Ein deutscher Klub mit dabei

Immerhin: Die Energieleistung seines Team verhinderte, dass die prestigeträchtige Veranstaltung unweit des Rheins ohne einen deutschen Klub stattfinden muss. Vorzeitig auf der Strecke geblieben waren diesmal die Rhein-Neckar Löwen und die SG Flensburg-Handewitt.

Dieses Trio wird auch in den kommenden Wochen in der Bundesliga die deutsche Meisterschaft unter sich ausmachen, wobei die Mannheimer mit zwei bzw. drei Minuspunkten Vorsprung auf die Zielgerade einbiegen. Über die THW-Chancen in diesem Dreikampf wollte Kiels Champions-League-Held Canellas unmittelbar nach dem Coup von Barcelona noch nicht nachdenken: "Heute geht es erst einmal nur ums Genießen."

Das Final Four im Überblick

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