Handball-WM 2011: Wie schlägt man Spanien?

"Wer die besseren Torhüter hat, gewinnt"

Von Für SPOX in Kristianstad: Florian Regelmann
Montag, 17.01.2011 | 03:07 Uhr
Silvio Heinevetter und Johannes Bitter gehören zu den besten Torwart-Duos der Welt
© Getty
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Spanien spielt den schönsten Fußball der Welt - aber für viele Experten auch den hässlichsten Handball. Und das erfolgreich. SPOX erklärt gemeinsam mit Ex-Nationalspieler Christian Schwarzer, wie man die Iberer packt.

Frage 1: Wie gut ist Spanien eigentlich einzuschätzen?

Was haben sich Deutschland und Spanien nicht schon für Hammerduelle bei großen Turnieren geliefert. Die Olympia-Schlachten 2000 (Kretzschmar-Pfosten-Drama) und 2004 sind ebenso in die Geschichte eingegangen, wie der Viertelfinal-Sieg des DHB-Teams bei der WM 2007 im eigenen Land. Den letzten Vergleich entschieden allerdings die Iberer für sich. Im vergangenen Jahr traf man sich in der EM-Hauptrunde und Spanien siegte 25:20. Im Anschluss verpassten die Spanier nur ganz knapp das Halbfinale.

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Das Problem ist: Spanien ist seit Jahren völlig unberechenbar. Sie können groß bei Turnieren aufspielen, diese aber auch genau so gut komplett in den Sand setzen - wie bei der WM 2009, als man nicht mal die Vorrunde überstand und den President's Cup spielen musste. Das bedeutet: Rang 13-24. Für ein Top-Team die absolute Erniedrigung.

Deshalb scheint niemand wirklich zu wissen, was man von Spanien bei dieser WM erwarten soll. Der glanzlose Sieg gegen Bahrain und das mühevolle 21:18 gegen Tunesien am Sonntag gaben noch keinen Fingerzeig, was für Spanien drin sein könnte. Einige sehen sie als einen der absoluten Topfavoriten, andere halten sie für überhaupt nicht so stark und trauen Deutschland einen Erfolg absolut zu.

Christian Schwarzer: "Für mich persönlich gehören die Spanier nicht zu den ganz großen Topfavoriten. Weil sie sich ein bisschen im Umbruch befinden und weil es andere Mannschaften gibt, die länger zusammenspielen. Oder die zuhause spielen - wie die Schweden. Wenn man ihr Kreisläufer-Spiel wegnimmt, was ihre stärkste Waffe ist, dann hat man sehr gute Möglichkeiten zu gewinnen. Individuell sehe ich sie nämlich nicht so stark wie beispielsweise die Franzosen."

Frage 2: Was ist der Charakter des spanischen Spiels?

Es ist unbestritten, dass Spanien den schönsten Fußball der Welt spielt. Wenn die Iberer erst Europameister und dann noch Weltmeister werden, ist das aus deutscher Sicht zwar enttäuschend und bitter, aber man kann ein Stück besser damit leben, weil es die Spanier aufgrund ihrer Spielweise eben verdient haben. Im Handball liegt die Sache anders.

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Es sind sich eigentlich alle Experten einig, dass die Spanier einen furchtbar hässlichen Handball spielen, vielleicht den hässlichsten überhaupt. Dass sie dafür 2005 mit dem WM-Titel "belohnt" wurden, gefällt nicht jedem. Bei Spanien ist nicht viel von Handball-Kunst zu sehen. Häufig sieht der Spielzug so aus: Den Ball an den Kreis zum bulligen Julen Aguinagalde hinfummeln und dieser fährt sein Hinterteil aus. Selbst wenn der Abwehrspieler vorher eine gute Abwehrposition inne hatte, wird er von Aguinagalde in den Kreis gerammt. Die häufige Folge: Siebenmeter. Und man kann nichts dagegen machen.

Christian Schwarzer: "Sie haben ihr Kreisläufer-Spiel, aber das war es dann auch schon. Sonst ist da ja nicht viel mehr. Im Fußball ist es anders, aber so unterschiedlich ist es eben. Wenn man mal Chema Rodriguez beobachtet, muss ich ehrlich sagen: Den könnte ich als Trainer nicht in meinem Team haben. Ich könnte mit solchen Leuten auch nicht trainieren. Das ist eine Katastrophe in meinen Augen. Es ist immer das gleiche Spiel und vor allem diese Prellerei... Wenn das jemand gut macht, ist es ja alles schön und gut, aber mit Handball im eigentlichen Sinne hat das nicht viel zu tun."

Frage 3: Was machen die Spanier in der Abwehr?

Spanien ist bekannt dafür, hinter ihrem Star-Torhüter-Duo Arpad Sterbik/Jose Javier Hombrados verschiedene Deckungsvarianten spielen zu können. Von einer ganz offensiven Ausrichtung bis hin zu einer 6-0-Abwehr ist alles möglich. Wobei die Tendenz in letzter Zeit immer mehr in Richtung offensive Deckung ging. Sich da durchzusetzen und den Ball gut laufen zu lassen, wird für das Brand-Team entscheidend sein.

Christian Schwarzer: "Die normale spanische Abwehr ist eine klassische 5-1, dahinter fühlen sich auch beide Torhüter wohl, weil Ciudad Real mit Didier Dinart in der Mitte und Jonas Källman vorgezogen auch so spielt. Ich glaube aber einfach, dass sie nicht mehr so sicher sind, weil sie durch den Umbruch neue Leute ausprobieren müssen. Wenn wir es schaffen, uns selbst gut zu bewegen und die spanische Abwehr wiederum damit in Bewegung zu bringen, werden wir sehr gute Möglichkeiten haben, frei vors Tor zu kommen. Wir müssen uns aber auch wieder mit einer guten Abwehr möglichst viele Gegenstoß-Chancen erarbeiten. Das ist international das beste Mittel. Wenn du pro Halbzeit vier, fünf Gegenstoß-Tore machst, was schon viel ist, dann gewinnst du auch das Spiel."

Frage 4: Was machen die Spanier im Angriff?

Der spanische Angriff und vor allem Kreisläufer Aguinagalde werden nur mit einer sehr, sehr aggressiven Abwehrarbeit zu stoppen sein. Egal, wer im Mittelblock steht - die oberste Maxime wird eine gute Beinarbeit sein. Wenn die deutschen Abwehrspieler an Aguinagalde dranhängen, ist es schon zu spät.

Auch wenn Oliver Roggisch keine leichte Phase durchmacht, gegen Spanien könnte er eine große Hilfe sein. Als Fels in der Mitte. Und als emotionaler Leader. Denn der Bundestrainer weiß, dass der lautstarke Roggisch in einem Team mit ansonsten vielen stilleren Typen ein Spiel in eine richtige Bahn lenken kann.

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Christian Schwarzer: "Über Aguinagalde haben wir schon gesprochen, der kann aber auch nur das, was er immer macht. Vielleicht pfeifen auch Schiedsrichter, die die Regel der breiten Fußstellung betreffend mal anwenden und sein Spiel etwas unterbinden. Gegen ihn muss man auf jeden Fall immer zu zweit verteidigen, alleine wird es schwer. Ansonsten leben die Spanier noch von ihrer individuellen Klasse. Es kommt darauf an, wie Alberto Entrerrios aufgelegt ist, Iker Romero kann an einem guten Tag auch mal 10 Buden machen. Das sind gute Leute, die man aber in den Griff kriegen kann. Ich könnte mir auch vorstellen, dass wir mal mit einer 5-1-Abwehr spielen, um das Kreisläufer-Spiel mit Chema Rodriguez wegzunehmen. Mit den anderen funktioniert es nicht ganz so gut."

Frage 5: Was/Wer ist der X-Faktor?

Deutschland braucht Top-Torhüter und eine geschlossene Mannschaftsleistung, aber ein Mann, der den Unterschied ausmachen könnte, heißt Michael Kraus. Seine Explosivität ist gegen die spanische Abwehr enorm wichtig.

Aber: Nach einer so verheißungsvollen Vorbereitung ist der Hamburger noch überhaupt nicht im Turnier angekommen. Er muss gegen Spanien etwas zeigen. Und er weiß das auch. Man darf gespannt sein, wie Kraus mit dem Druck umgehen wird. Macht er in so einem entscheidenden Moment wieder kein gutes Spiel, werden seine Kritiker aus ihren Löchern kommen. Auch das weiß er.

Christian Schwarzer: "Der X-Faktor sind für mich die Torhüter. Wenn unsere beiden Jungs im Verbund mit der Abwehr die Kiste zumachen, haben wir gute Chancen. Es ist international immer so: Wenn zwei gleichstarke Mannschaften aufeinander treffen, entscheiden die Torhüter. Da geht es um zwei, drei gehaltene Bälle, so wird es denke ich wieder sein. Wer die besseren Torhüter hat, gewinnt. Und wer da den Vorteil hat, ist völlig offen. Sterbik und Hombrados, das ist genauso gut wie Heinevetter und Bitter. Mal abgesehen von Thierry Omeyer gibt es im Welthandball nicht viel Besseres."

Fazit

Es gibt keinen Zweifel. Deutschland hat das Potenzial, um Spanien zu schlagen. Wenn man irgendwas mit dem Halbfinale zu tun haben will, so muss man Spanien auch schlagen. Denn wer die Franzosen in den ersten Spielen schon wieder gesehen hat, der kann unmöglich mit einem Erfolg gegen den amtierenden Olympiasieger, Welt- und Europameister rechnen.

Nein, das Schlüsselspiel heißt Spanien. Gewinnt man es, ist die Tür zur Hauptrunde auf und es könnte mehr drin sein. Verliert man es aber, droht ein Entscheidungsspiel um den Hauptrunden-Einzug gegen die gefährlichen Tunesier.

Und selbst, wenn man das gewinnen würde, droht dann eine Hauptrunde, in der es nur noch um Rang sieben geht, um sich die Chance auf Olympia zu erhalten. Das Halbfinale ist bei einer Niederlage gegen Spanien aller Voraussicht nach schon weg. So einfach ist das.

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