Donnerstag, 09.12.2010

Nach Sieg im Test gegen Polen

Hens: "Mit uns rechnet momentan keiner"

Die deutschen Handballer haben das Länderspieljahr mit einem Sieg gegen Polen ausklingen lassen, doch bis zur WM in fünf Wochen in Schweden wartet auf das Team von Bundestrainer Heiner Brand noch viel Arbeit.

Pascal Hens erzielte beim DHB-Sieg gegen Polen zwei Tore
© Getty
Pascal Hens erzielte beim DHB-Sieg gegen Polen zwei Tore

Die Fans feierten die deutschen Handballer ausgelassen, doch Bundestrainer Heiner Brand und seine Spieler dämpften fünf Wochen vor WM-Beginn die Erwartungen. "Ich habe Fehler in Abwehr und Angriff gesehen. Es waren auch gute Dinge dabei, aber es muss sich noch einiges tun. Das war keine Standortbestimmung", sagte Brand nach dem 28:22 in Köln gegen den WM-Dritten Polen.

Brand und sein polnischer Kollege Bogdan Wenta probten einige taktische Varianten und wechselten ihre Formationen munter durch. Daher fand auch Routinier Torsten Jansen vom Bundesliga-Tabellenführer HSV Hamburg, dass man gegen eine gute Mannschaft zwar überzeugend gespielt habe, aber Testspiele nie einen fingerzeigenden Charakter hätten.

Bangen um Holger Glandorf

Auf den Bundestrainer und sein Team warten bis zum Saisonhöhepunkt in Schweden (13. bis 30. Januar) noch viel Arbeit. Die Abwehr wirkte besonders in der Anfangsphase unsortiert. Im Angriff gab es technische Fehler, zudem wurden einige klare Tormöglichkeiten leichtfertig vergeben. "Alle sind mit dem Kopf noch ein bisschen beim Verein. Daher ist das alles nicht so einfach", meinte Kapitän Pascal Hens (Hamburg).

Heiner Brand plagen daher im Hinblick auf die WM einige Sorgen. Bis zum Jahresende spielt die Bundesliga, er kann seinen Kader zur WM-Vorbereitung erst am 2. Januar zusammenziehen. Tags darauf wartet ein Test in Hamburg gegen WM-Gastgeber Schweden, dann stehen nur noch zwei Begegnungen beim Olympiazweiten Island an. "Neue taktische Varianten kann man in dieser kurzen Zeit nicht einstudieren", erklärte der Weltmeistercoach von 2007.

Hinzu kommt das fast schon traditionelle Verletzungspech. Während der Göppinger Lars Kaufmann nach seiner schweren Schulterverletzung bis zur WM wohl fit wird, sieht es bei Rückraum-Ass Holger Glandorf (Lemgo) schon schlechter aus. "Ein bisschen Hoffnung haben wir aber noch. Holger war gerade auf dem Weg zu alter Stärke", meinte Brand.

Pfahl springt in die Bresche

Glandorf hatte sich in der Vorbereitung auf das Spiel gegen Polen verletzt und muss sich einer Operation am Innenmeniskus des linken Knies unterziehen. Gegen Polen sprang vor 12.244 Besuchern für den 27-Jährigen der Gummersbacher Adrian Pfahl in die Bresche und war mit sechs Toren bester Werfer der Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB).

Auch die anderen Spieler aus der zweiten Reihe boten ansprechende Leistungen und zeigten dem Bundestrainer, dass er über Alternativen zum Stammpersonal verfügt. "Es ist wichtig, dass die Mannschaft Sicherheit und Selbstvertrauen bekommt. Dafür könnte das Spiel hilfreich gewesen sein", so Brand.

Bei der WM wartet mit Titelverteidiger Frankreich, Ex-Weltmeister Spanien, Tunesien, Ägypten und Bahrain die schwerste Vorrundengruppe auf das DHB-Team.

"Mit uns rechnet momentan keiner. Das ist eine ganz gute Ausgangsposition. An uns selber haben wir natürlich andere Ansprüche", meinte Hens und fügte mit Blick auf den enttäuschenden zehnten Platz bei der EM in Österreich an: "Wir wissen, dass wir es besser können."

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