Golf

Phil Mickelsons vierter Streich?

Von Matthias Kohlmaier
Holte sich bereits 2004, 2006 und 2010 den Titel in Augusta: Phil Mickelson
© Getty

Phil, Martin oder doch Bubba? Beim Masters in Augusta kämpfen die Golf-Professionals aus aller Welt ab Donnerstag um das Green Jacket. SPOX analysiert fünf der absoluten Topfavoriten und hat noch einen Geheimtipp parat.

Martin Kaymer

Er hat das letzte Major gewonnen und ist die Nummer eins der Golf-Welt - natürlich muss Martin Kaymer auch im SPOX-Favoritencheck auftauchen. Obwohl sich seine bisherige Masters-Bilanz schauderhaft liest: Bei drei Teilnahmen im Augusta National Golf Club verpasste Kaymer drei Mal den Cut. Aber der 26-Jährige hat aus den bisherigen Erfahrungen gelernt und seine Vorbereitung auf das erste Major des Jahres verändert.

Im Interview mit SPOX verriet Kaymer: "Ich habe in den vergangenen Wochen viel Zeit mit dem kurzen Spiel verbracht und darauf den Fokus gelegt. Das größte Problem hatte ich in Augusta immer auf den Grüns." Außerdem habe er in den letzten Jahren immer noch vor dem Masters die Shell Houston Open gespielt, dieses Jahr dagegen eine zweiwöchige Pause eingelegt. Bei seinen beiden Auftritten als Nummer eins hat Kaymer eher mittelmäßige Resultate eingefahren. Bei der Cadillac Championship wurde er 24., bei der Transitions sprang dank einer starken Schlussrunde immerhin ein 20. Platz heraus.

Ein Problem bringt allerdings der Platz in Augusta für Martin Kaymer mit sich. Viele Löcher beim Masters verlangen nach einem Draw, einer Rechts-Links-Kurve. Kaymer dagegen bevorzugt den Fade. Aber dafür hat der Weltranglistenerste schon eine Lösung parat: "Man kann in Augusta auch sehr gut spielen, wenn man den Ball gerade schlägt."

Phil Mickelson

Der Mann weiß auf jeden Fall, wie sich ein Masters-Sieg anfühlt. Phil Mickelson ist dreifacher Masters-Champion und eigentlich jedes Jahr - unabhängig vom Saisonverlauf - einer der Topfavoriten in Augusta. Bis vor einigen Tagen hätte man wohl sagen müssen, Mickelson ist beim Masters immer stark, auch wenn er in den vergangenen Wochen keine guten Platzierungen einfahren konnte. Aber dann kamen die Shell Houston Open.

Mickelson startete mit zwei 70er Runden mäßig ins Turnier, explodierte dann aber mit einer unglaublichen 63 am Moving Day und setzte in der Schlussrunde noch eine 65 oben drauf. Nach dem Sieg in Texas sagte Mickelson dem "Telegraph": "Es fühlt sich alles ein bisschen wie 2006 an. Da brauchte ich auch vor dem Masters eine Woche, in der einfach alles gepasst hat." Zur Erinnerung: Auch '06 triumphierte der beste Linkshänder der Welt in Houston und holte sich in der folgenden Woche den Titel in Augusta.

Im Endeffekt bleibt also doch alles beim Alten: Wer sich am Sonntag das Grüne Jacket überstreifen will, muss vorher an Phil Mickelson vorbei.

Nick Watney

Vor dem ersten Major des Jahres muss man Nick Watney einfach auf der Rechnung haben. Er ist 2011 mit Abstand der kontstanteste der Topspieler und ihm scheint der Platz in Augusta zu liegen. Drei Mal nahm er bisher am Masters teil, Platz 19 im Jahr 2009 war dabei seine schlechteste Platzierung.

Bei seinem letzten Tour-Auftritt landete er bei der Transitions am Ende auf Platz 13, aber viel wichtiger: Das war sein schwächstes Resultat 2011. Davor ging er bei fünf Events an den Start, kam jedes Mal in die Top Ten und holte sich bei der stark besetzten Cadillac Championship gar den Sieg. Dabei ging er als Zweitplatzierter mit Landsmann Dustin Johnson im letzten Flight auf die Schlussrunde und fing Johnson dank einer fast fehlerfreien 67 noch ab. Watney scheint also auch in kritischen Situationen seine Nerven im Griff zu haben.

Der Amerikaner hat allerdings eine Schwäche, die ihn in Augusta teuer zu stehen kommen könnte: seine Präzision vom Tee. Gerade mal gut 58 Prozent von Watneys Drives finden das Fairway, damit ist er auf der Tour nicht mal in den Top 100. Falls er in den kommenden Tagen den Ball aber regelmäßig auf die Bahn bringt, könnte das die Woche des Nick Watney werden.

Bubba Watson

Im ersten Moment könnte man sich jetzt natürlich fragen: Was hat Bubba Watson im Favoritencheck für das Masters zu suchen? Die Antwort wäre: Eine Menge!

Wirft man einen Blick auf die Statistiken der PGA Tour, zeigt sich, dass der Linkshänder eine Stärke hat, die ihm beim Masters zugute kommen wird. Watson trifft über 73 Prozent der Grüns in Regulation und ist damit zweitbester Spieler der gesamten Tour. In Augusta, wo ein Verfehlen des Grüns oftmals schon automatisch mindestens ein Bogey bedeutet, könnte Watson sich damit also viel Stress ersparen.

Der Platz in Augusta ist exakt 7435 Yards lang. Watson kann den Ball unglaublich weit schlagen, nicht umsonst heißt es in einer Werbung seines Ausrüsters: " Don't just hit it long, hit it Bubba long!" Aber das ist noch nicht einmal der Punkt. Wo andere vom Tee den Driver nehmen müssen, da genügt Watson ein Fairwayholz - er muss also nicht ständig volles Risiko gehen. Ein gutes Course Management vorausgesetzt, könnte Watson durchaus um die vorderen Plätze mitspielen.

Luke Donald

Luke Donald hat sich in den letzten Monaten rar gemacht. Nur vier Turniere hat der Engländer 2011 bestritten, dabei aber - alle Martin-Kaymer-Fans werden sich erinnern - einen triumphalen Sieg bei der WGC Accenture Matchplay Championship gefeiert. Danach gab er sich nur noch bei der Honda Classic und eine Woche später bei der Cadillac Championship die Ehre, konnte allerdings bei beiden Events Top-Ten-Platzierungen verbuchen.

Ein Problem von Donald könnte beim Masters seine Länge werden. Mit durchschnittlich nur 272,5 Yards ist er mit dem Driver einer der kürzeren Spieler auf der Tour. Und gerade in Augusta macht es einen großen Unterschied, ob man die brettharten Grüns mit einem Wedge anspielen kann, oder ob man noch ein kurzes bis mittleres Eisen benötigt. Da kommt aber Donalds größte Stärke ins Spiel: die Präzision mit den Eisen. Trifft er die annähernd so wie beim Matchplay Championship, kann er sich aus fast jeder Entfernung eine Birdiechance erarbeiten.

In den vergangenen Jahren zeigte sich Donald beim Masters nicht gerade von seiner besten Seite. 2010 und 2008 verpasste er den Cut, 2009 reichte es nur zu einem geteilten 38. Platz. Luke Donald wird sich bei seiner mentalen Vorbereitung wohl eher auf das Jahr 2005 konzentrieren: Da feierte er mit dem geteilten dritten Rang sein bisher bestes Masters-Resultat.

Der SPOX-Geheimtipp

Justin Rose

33:1. Diese Quote würde man bekommen, wenn man auf Justin Rose als Masters-Sieger 2011 setzt. Damit ist er - zumindest aus Sicht der Buchmacher - kein absoluter Außenseiter, gehört aber bestenfalls zum erweiterten Favoritenkreis. Wagt man jedoch einen genauen Blick auf Rose' letzte Resultate, könnte ihm mit ein bisschen Glück in Augusta der ganz große Wurf gelingen.

Bei acht Turnierteilnahmen verpasste er 2011 kein einziges Mal den Cut und holte immerhin drei Top-Ten-Ergebnisse. Ende März wurde er zuerst geteilter Fünfter bei der Transitions und eine Woche später sogar geteilter Dritter bei der Arnold Palmer Invitational. Wichtiger als die Ergebnisse ist aber die Art und Weise, wie sie zustande gekommen sind.

Bei der Transitions ging Rose als Führender in die Schlussrunde, vergab jedoch mit einer schwachen 74er Runde alle Siegchancen. Beim Arnold Palmer Invitational lag er nach zwei Runden nur Even Par, kämpfte sich aber nach einem starken Wochenende noch bis auf zwei Schläge an Sieger Martin Laird heran.

Falls dem Engländer in Augusta einmal vier Runden auf hohem Niveau gelingen sollten, kann er den Favoriten ein Schnippchen schlagen.

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