Montag, 05.04.2010

Bernhard Langer im Interview

"Gut, dass Tiger wieder dabei ist"

Das Masters in Augusta ist 2010 dank Tiger Woods nicht nur eines der größten Sport-Events in den USA. Es ist das Medienereignis des Jahres, das für Einschaltquoten sorgen wird, wie man sie sonst nur vom Super Bowl kennt. Kurz vor Turnierstart hat SPOX mit Deutschlands Golf-Legende Bernhard Langer gesprochen. Über Tigers Comeback, seine schönsten Masters-Erinnerungen, Martin Kaymers Siegchancen und Deutschlands Ryder-Cup-Bewerbung.

Bernhard Langer gewann das Masters in Augusta in den Jahren 1985 und 1993
© Getty
Bernhard Langer gewann das Masters in Augusta in den Jahren 1985 und 1993

SPOX: Herr Langer, Sie sind in diesem Jahr zum 28. Mal beim Masters in Augusta dabei. Im Rückblick: Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre beiden Triumphe?

Bernhard Langer: Die beiden Siege waren total unterschiedlich. 1985 lag ich nach drei Runden zwei Schläge zurück, 1993 lag ich nach drei Runden mit vier Schlägen in Führung. Der Sieg am Ostersonntag 1993 bedeutete mir als gläubigem Christ sehr viel.

SPOX: Welche entscheidenden Momente haben Sie aus den Siegjahren noch im Kopf?

Langer: 1985 kann ich mich gut an einen Schlag vom Fairway an der 13 erinnern, einem Par 5, dogleg links. Ich habe für den zweiten Schlag das Holz 3 genommen - eigentlich war der Schlag nicht perfekt und zu flach, aber der Ball ist vor dem Wassergraben aufgekommen und über das Wasser aufs Grün gesprungen. Daraufhin habe ich den langen Eagle-Putt eingelocht und bin näher an die Führenden herangekommen. Mit Birdies an der 15 und 17 bin ich in Führung gegangen, aber ich musste die 18. Bahn noch unter hoher Anspannung spielen, weil weitere Flights hinter mir waren und ich nicht wusste, ob ich gewinnen würde oder nicht.

SPOX: Das war ja dann 1993 ganz anders.

Langer: Richtig. Damals bin ich mit vier Schlägen Vorsprung zum letzten Abschlag gekommen und konnte die Standing Ovations die 18. Spielbahn entlang und auf dem Grün richtig genießen.

SPOX: Abgesehen von den Jahren, in denen Sie gewonnen haben: Was sind die schönsten Erlebnisse, an die Sie immer gerne zurückdenken?

Langer: Das Past Champions Dinner am Dienstagabend ist immer ein Highlight. Wenn sich so viele Legenden unseres Sports wie Sam Snead, Jack Nicklaus, Byron Nelson, Raymond Floyd, Tom Watson, Gary Player, Gene Sarazan, Tiger Woods, Severiano Ballesteros, Nick Faldo und viele andere treffen, ist das etwas ganz Besonderes. Oder auch die Übungsrunden mit Jack Nicklaus, Gary Player und Seve, als wir über gewisse Strategien diskutierten, wie man gewisse Löcher spielen sollte, das vergisst man nicht.

SPOX: Gary Player hat einmal gesagt: "Sollte es jemals im Himmel einen Golfplatz geben, sollte es der von Augusta sein." Was macht den Platz aus?

Langer: Charakteristisch sind die extremen und sehr schnellen Grüns mit den starken Hanglagen. Dazu kommen die vielen Schräglagen auf den Fairways, es geht dauernd bergauf und bergab, und natürlich der tolle Zustand des Golfplatzes - jedes Gras ist perfekt, die Grüns sind fantastisch, die Fairways sind phänomenal. Und daneben stehen die großen, alten Bäume und Büsche, die Azaleen - alles blüht und ist einfach wunderschön.

SPOX: Wenn Sie den Platz von früher, als Sie gewonnen haben, mit dem von heute vergleichen: Was fällt Ihnen als erstes ein?

Langer: Der Platz ist inzwischen ganz anders als früher. Er wurde wesentlich verlängert, an die 300 Meter, glaube ich. Außerdem wurden mehrere Tausend neue Bäume gepflanzt, gewisse Abschläge sind dadurch sehr viel enger geworden. Inzwischen gibt es auch Rough links und rechts von den Fairways, was früher nicht der Fall war. Somit spielt sich der Platz viel enger vom Abschlag und natürlich wesentlich länger.

Augusta-Platzbeschreibung: Amen Corner entscheidet

SPOX: Die Länge ist ein sehr entscheidender Faktor. Seit wann haben Sie sich gedanklich damit abgefunden, dass Sie auf diesem Platz einfach keine Chance mehr auf den Sieg haben?

Langer: Die letzten beiden Jahre, denke ich, habe ich mich wohl mehr und mehr damit abgefunden, dass es unheimlich schwer sein wird, dort zu gewinnen. Da müsste ich nicht nur sehr, sehr gut Putten, sondern auch vier Runden ohne irgendwelche Fehler spielen. Denn bei Nässe spielt sich der Platz extrem lang. Bei trockenem Wetter spielt er sich zwar etwas kürzer, jedoch sind dann die Grüns unglaublich hart.

Masters: Sieger und Rekorde

SPOX: Wie groß würden Sie in Prozent Ihre Siegchance beziffern?

Langer: Das ist schwer, meine Siegchance in Prozent umzusetzen. Es sind rund hundert Spieler am Start, die Prozentchance ist immer gering, selbst wenn man einer der Besten ist und auf den Sieg hofft. Inzwischen gehöre ich nicht mehr zum engen Favoritenkreis, somit sehe ich die prozentuale Chance relativ gering.

SPOX: Wie schwer ist es, für so einen erfolgreichen Sportler wie Sie es sind, damit umzugehen, dass es für ganz vorne wohl nicht reichen wird? Sie scheinen ja noch den gleichen Ehrgeiz zu haben wie mit 25, wie schwer macht das die Motivation?

Langer: Motiviert bin ich trotzdem, denn ich will so gut wie möglich spielen und das beste Ergebnis erreichen, selbst wenn die Siegchancen sehr gering sind. Wenn alles relativ gut läuft, kann ich vielleicht doch vorne dabei sein. Es ist immer noch ein tolles Erlebnis, dort überhaupt mitspielen zu dürfen und wenn man vielleicht noch unter die ersten Zehn oder 20  kommt, dann wäre das schon noch etwas Besonderes.

"Es ist immer noch ein tolles Erlebnis, dort überhaupt mitspielen zu dürfen und wenn man vielleicht noch unter die ersten Zehn oder 20 kommt, dann wäre das schon noch etwas Besonderes."

Bernhard Langer über seine Aussichten

SPOX: Greg Norman oder Tom Watson haben gezeigt, dass man auch im hohen Alter noch um Major-Siege kämpfen kann. Vielleicht nicht in Augusta, aber auf jeden Fall bei einer British Open.

Langer: Ja, das ist richtig. Auf gewissen Golfplätzen können wir über 50-Jährigen sicherlich mithalten, so wie das Tom Watson und Greg Norman ja in den letzten beiden Jahren bewiesen haben. Wenn es nicht nur um Länge geht, sondern eben auch um Präzision, um Strategie oder wie gut man eben den Ball trifft. Beim Masters ist das noch etwas schwieriger. Der Platz ist einer der längsten, die wir spielen, und die Grüns sind so extrem, dass man einfach leichter mit einem kürzeren Eisen aufs Grün schlägt als mit einem längeren Eisen. Das andere Problem ist natürlich, dass einige von uns nicht mehr qualifiziert sind, um bei den British Open oder dem einen oder anderen Major mitzuspielen, das auf einem Golfplatz stattfindet, wo wir eventuell noch Chancen hätten. Das ist schade.

Teil 2: Bernhard Langer über Martin Kaymer, Tiger Woods und Deutschlands Ryder-Cup-Bewerbung

Interview: Florian Regelmann

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