Das Feindbild geht in Rente

SID
Montag, 14.05.2012 | 12:55 Uhr
Sascha Rösler wird in der Relegation gegen Hertha sein letztes Spiel überhaupt absolvieren
© spox
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Nett und freundlich kommt er daher. Wer Sascha Rösler im täglichen Leben trifft, würde wohl kaum ein schlechtes Wort über ihn verlieren. Doch der Blondschopf kann auch anders.

Wenn der Stürmer von Fortuna Düsseldorf auf dem Rasen seine Betriebstemperatur erreicht hat, wird diskutiert, provoziert und polarisiert. Nur allzu oft ist er bei gegnerischen Fans, Trainern und Spielern der Buhmann schlechthin.

Doch damit ist bald Schluss, das Feindbild geht in Rente. Rösler steht vor seinem letzten Auftritt im Profifußball, und dabei geht es im Relegations-Rückspiel gegen Hertha BSC am Dienstag (20.30 Uhr im LIVE-TICKER) um nichts weniger als um die Bundesliga-Rückkehr der Fortuna nach 15 Jahren.

Ein Spiel, das Rösler auf dem Leib geschneidert ist. Denn der 34-Jährige liebte derartige Duelle um "Alles oder Nichts". Und nebenbei ist er auch der Experte in Sachen Bundesliga-Aufstieg.

Bereits dreimal schaffte Rösler mit dem SSV Ulm (1999), Alemannia Aachen (2006) und Borussia Mönchengladbach (2008) den Sprung ins Fußball-Oberhaus. Und die Chancen stehen nach dem 2:1 im Hinspiel nicht schlecht, dass zum Abschluss der Karriere Aufstieg Nummer vier hinzukommt.

"Gibt kaum einen Spieler, der langsamer ist"

Nach dem Spiel ist die Karriere von Rösler auf jeden Fall beendet, egal wie es ausgeht. Dem Verein bleibt er jedoch erhalten, vermutlich im Nachwuchsbereich als Schnittstelle zwischen Profis und Jugendlichen. "Die Fortuna-Fans sollen mich in guter Erinnerung behalten. Es gibt kaum noch einen Spieler, der langsamer ist als ich", sagt der Stürmer.

Er kennt seine Schwächen, und so akzeptierte Rösler auch die Entscheidung von Trainer Norbert Meier, dass er im Hinspiel nicht in der Startelf stand. "Wir wollten auf Konter setzen. Da war klar, dass er uns nicht entscheidend voranbringt", erklärte Meier.

Im Rückspiel dürfte die Sache anders gelagert sein. Dort wird Rösler mit seiner Routine und Cleverness wohl wieder eine zentrale Rolle im Fortuna-Spiel zukommen. Und wenn es nötig sein sollte, ist er auch derjenige, der seine Mannschaft mit einer Portion Bissigkeit und Aggressivität wachrüttelt. So wie etwa beim Spiel gegen Eintracht Frankfurt, als er Trainer Armin Veh zur Weißglut getrieben hatte.

Rösler sei ein "Rotzlöffel" und eine "Schande für den Fußball", echauffierte sich Veh anschließend über den Düsseldorfer, der nach dem späten Ausgleich der Fortuna mit provokanten Gesten in Richtung Frankfurter Bank auf die schweren Anschuldigungen im Vorfeld des Spiels genüsslich reagiert hatte.

Traumtor gegen Bochum

Der Name Rösler steht aber auch für Tore, viele entscheidende und mitunter schöne. Beim Saisonauftakt erzielte Rösler beim 2:0 gegen den VfL Bochum den Führungstreffer per Fallrückzieher, womit er den zweiten Platz bei der Wahl zum Tor des Jahres 2011 belegte.

Zwölf weitere Tore kamen in dieser Saison hinzu, allerdings nur noch zwei in der Rückrunde. Ein Indiz auch für Rösler, dass die Zeit zum Aufhören gekommen ist.

Vor diesem Punkt hatte er schon im Oktober 2010 gestanden. Rösler war arbeitslos und erst nach neun Tagen Probetraining bekam er bei den damals mit sechs Niederlagen gestarteten Rheinländern eine Anstellung. Eine Win-Win-Situation für beide Seiten - womöglich am Dienstag sogar mit einem krönenden Abschluss.

Sascha Rösler im Steckbrief

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