Fussball

Kolumbiens Davinson Sanchez im Porträt: Eine Google-Suche später Stammspieler

Von Christoph Franz
Dienstag, 19.06.2018 | 08:04 Uhr
Davinson Sanchez war vor seinem Wechsel zu Tottenham Hotspur in weiten Teilen Englands gänzlich unbekannt.
© getty

Davinson Sanchez ist vor seinem Wechsel zu Tottenham Hotspur in England gänzlich unbekannt gewesen. Der 22-Jährige brauchte dennoch nicht lange, um sich zu etablieren. Bei der WM in Russland ist er Kolumbiens Abwehrchef. Am Dienstag steht das erste Spiel gegen Japan an (14 Uhr im LIVETICKER).

Ein gewisser Davinson Sanchez soll Medienberichten zufolge kurz vor einem Wechsel zu den Tottenham Hotspur stehen - hieß es im August 2017. Spurs-Verteidiger Danny Rose zeigt sich alles andere als begeistert und sagte der Sun: "Ich würde liebend gerne zwei oder drei bekannte Spieler sehen - und nicht Spieler, die du googeln musst und sagst: 'Wer ist das?'".

Und genau so kam es, als die Spurs knapp drei Wochen später den teuersten Transfer der Vereinsgeschichte bekanntgaben. In den sozialen Medien waren vermehrt die Fragen "Wer zum Teufel ist Davinson Sanchez?" und "Warum kostet ein kolumbianischer Verteidiger von Ajax Amsterdam 40 Millionen Euro?" zu lesen.

Vor allem Rose wird daraufhin zum Running Gag im Netz. "Danny Rose googelt gerade, wer Davinson Sanchez ist", schrieb ein Twitter-User. In einem Wikipedia-Artikel stand kurzzeitig, dass Sanchez ein kolumbianischer Koch sei, der aktuell als Chefkoch beim Ledley Peking Restaurant angestellt ist. Ein Jahr später sollte nun auch der gemeine Engländer wissen, dass Tottenham keine kulinarischen Künste, sondern fußballerische Klasse verpflichtet hat.

Davinson Sanchez: Beginn bei Nacional, Durchbruch bei Ajax

Entscheidender Karrieresprung von Sanchez war die Copa Libertadores im Jahr 2016. Für den kolumbianischen Spitzenklub Atletico Nacional stand er in allen Partien auf dem Platz und holte sich in den Finalspielen gegen Independiente aus Ecuador den Titel. In einem Wettbewerb, in dem auch große Offensivspieler wie Neymar, James Rodriguez oder Radamel Falcao international auf sich aufmerksam machten, fiel Sanchez als robuster Defensivspieler mit für seine Position gewaltiger Geschwindigkeit auf.

Ajax schnappte sich das Defensivtalent für knapp fünf Millionen Euro und wollte dem damals 20-Jährigen Zeit geben, sich in Europa zu akklimatisieren. Doch diese Zeit brauchte Sanchez nicht. Nach einem Einsatz in der Jugendmannschaft setzte ihn Trainer Peter Bosz sofort bei den Profis ein und fortan war Sanchez nicht mehr aus der Startelf wegzudenken.

Von 56 möglichen Spielen bestritt er 47 und stand stets von Beginn an auf dem Feld. Selbst weite Reisen zu Partien der Nationalmannschaft warfen Sanchez nicht zurück. Eine Eigenschaft, die in Holland sehr geschätzt wurde. Mike Verweeij, Journalist bei De Telegraaf, verglich ihn in dieser Hinsicht mit Luis Suarez. "Wir machten immer Witze darüber, dass [Luis] Suarez selbst dann spielen wollte, wenn er verletzt wäre. Genauso ist es mit Sanchez." Und so folgte bereits nach einem Jahr im europäischen Fußball der Wechsel zu Tottenham.

Tottenham Hotspur: Sanchez sofort Stammspieler

Für die Spurs bestritt Sanchez in seiner Debütsaison 41 Spiele. In der Champions League stand er in allen acht Partien über die gesamte Spielzeit auf dem Platz. Trainer Mauricio Pochettino stellte das System auf eine Dreierkette um, in der Sanchez sofort die zentrale Rolle einnahm - mit Erfolg. Tottenham kassierte die drittwenigsten Gegentore der Liga. Einziger Wermutstropfen: Sanchez verlor seine Torgefahr. Schoss er für Ajax noch sieben Tore, blieb ihm ein Treffer im Spurs-Trikot bislang verwehrt.

"Ich habe hier so viel gelernt, nicht nur von den anderen Innenverteidigern Jan und Toby", sagte Sanchez. Gemeint sind Vertonghen und Alderweireld, die mit dem Kolumbianer meist die Abwehrkette bildeten. "Als ich zu den Spurs kam war ich 25 Jahre alt und es war wirklich schwer. Er hat das mit 21 Jahren gemacht und vorher nur eine Saison im europäischen Fußball gespielt. Das war sehr beeindruckend", sagte Vertonghen.

WM 2018: Sanchez ist der Abwehrchef Kolumbiens

Bei der WM in Russland könnte es zu einem schnellen Wiedersehen der drei Abwehrspieler kommen. Denn bereits im Achtelfinale ist ein Aufeinandertreffen von Belgien und Kolumbien möglich. Werden die "Roten Teufel" Gruppenerster, so müssten die Südamerikaner die Gruppe H als Zweiter abschließen. Oder eben umgekehrt.

Feststeht: Sanchez wird im Team von Trainer Jose Nestor Pekerman eine wichtige Rolle spielen. Zwar bestritt der Abwehrchef erst neun Länderspiele, seit September 2017 ist er allerdings auch in der Nationalmannschaft unumstrittender Stammspieler. Einzig sein Partner in der Innenverteidigung ist noch offen. Hier hat aktuell Barcelonas Yerry Mina die besten Chancen auf einen Startelfeinsatz im ersten Spiel gegen Japan.

Doch zurück zum möglichen Achtelfinal-Gegner: Wird es nicht Belgien, könnten kurioserweise die Three Lions der Kontrahent für Sanchez und Co. sein. Inzwischen dürfte Englands Nationalspieler Rose seinen Teamkameraden bei den Spurs nicht mehr googeln müssen.

Davinson Sanchez' Leistungsdaten in der Übersicht

VereinEinsätzeToreVorlagen
Tottenham Hotspur4100
Ajax Amsterdam4772
Atletico Nacional3310
Kolumbien900
Gesamt13082
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