Freitag, 15.02.2008

Trotz Niederlage in Lissabon

Nürnberg glaubt an die Sensation

Lissabon - Der Fehlgriff von Jaromir Blazek kann den 1. FC Nürnberg Millionen kosten, doch der DFB-Pokalsieger denkt überhaupt nicht an ein vorzeitiges Aus im UEFA-Pokal.

Nürnberg, Club, Lissabon, UEFA-Cup
© DPA

"Die Leistung der Mannschaft war absolut in Ordnung. Wenn wir im Rückspiel mit dieser Leidenschaft, dem Mut und Engagement auftreten, können wir die Überraschung perfekt machen", stellte Thomas von Hessen nach dem 0:1 (0:1) im Zwischenrunden-Hinspiel gegen Benfica Lissabon "super zufrieden" fest, obwohl ihm Tschechiens Nationaltorhüter die Premiere als neuer Club-Trainer verdorben hatte.

Sportdirektor Martin Bader war an seinem 40. Geburtstag vom ersten Auftritt des FCN drei Tage nach dem Ende der Ära Hans Meyer angetan und glaubt an ein Weiterkommen: "Wir werden Benfica einen heißen Tanz liefern. Die Jungs wollen die Sensation schaffen."

Harmlose Nürnberger im Estadio da Luz

Bis zum größten Erfolg der Nürnberger seit dem Erreichen des Halbfinales im europäischen Pokalsiegerwettbewerb vor 45 Jahren ist es allerdings noch ein weiter Weg. Ein Sieg mit zwei Treffern Unterschied würden dem Tabellen-16. der Bundesliga reichen. Doch schon im Estadio da Luz wurde der FCN an Harmlosigkeit nur vom portugiesischen Rekordmeister überboten, bei dem allein noch der Name an frühere Glanzzeiten erinnert.

Nach dem Gegentor in der 43. Minute durch Ariz Makukula, bei dessen 20-Meter- Schuss Blazek folgenschwer daneben griff, besaßen die in der Abwehr fehlerfreien, aber nach vorne unpräzisen Franken gerade einmal zwei gute Ausgleichsmöglichkeiten durch Marco Engelhardt (74.) und  Jan Kristiansen (77.).

"Die Mannschaft lebt"

"Benfica ist keine No-Name-Mannschaft. Die Leistung meines Teams war absolut in Ordnung, denn wir haben nichts zugelassen und sind nicht vorgeführt worden. Die Mannschaft lebt", zog von Heesen mit viel psychologischem Fingerspitzengefühl ein geschöntes Fazit, das ihm Mut für das Gastspiel bei Werder Bremen mache: "Wir haben nicht viel Zeit, um den Akku wieder aufzuladen, aber die Leistung lässt hoffen". Doch in Bremen fällt Angelos Charisteas, Griechenlands Schütze beim EM-Triumph vor vier Jahren, wegen eines verrenkten Lendenwirbels aus.

Trotz der Personalprobleme ist von Heesen davon überzeugt, dass der FCN aus der Abstiegszone der Liga herauskommt, "wenn sie sich mal für ihren Aufwand belohnt". Die Mannschaft hat sich den Konzeptfußball des neuen Übungsleiter noch nicht einverleibt, dafür aber schon dessen Optimismus und Selbstbewusstsein. "Ich ärgere mich maßlos über diese Niederlage, denn ich hasse es, zu verlieren", sagte von Heesen.

"Es ist noch alles drin", gab Innenverteidiger Andreas Wolf die Parole für die Revanche gegen Lissabon aus. "Nächsten Donnerstag werden wir den richtigen FCN erleben", sagte Linksverteidiger Javier Pinola.

Kein Vorwurf an Blazek

Den schweren Patzer des in dieser Saison nicht immer fehlerlosen Blazek legten die Nürnberger schnell ad acta. "Jaromir weiß, dass es sein Fehler war, aber deswegen werde ich keine Torhüterdiskussion führen. Dazu habe ich keine Zeit und keine Lust", betonte von Heesen.

Auch die Mannschaft machte dem unglücklichen Spielverderber keinen Vorwurf. "Jaromir hat uns andere Spiele schon gerettet", sagte Engelhardt, der wie alle Nürnberger ans Weiterkommen glaubt.

Nur das Geburtstagskind befasste sich zu mitternächtlicher Stunde mit einem möglichen K.o. "Aber wenn wir im Rückspiel mit Pauken und Trompeten untergehen sollten, können wir behaupten, dass wir dem großen Benfica das Leben schwer gemacht haben", sagte Bader nach einem flauen Europacupabend. Dessen einzige Attraktion war die spektakuläre Stadionrunde eines leibhaftigen Adlers, dem Wappentier Benficas, vor dem Anpfiff.


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