Augen auf - Handy raus!

Von Andreas Lehner
Donnerstag, 14.02.2008 | 09:59 Uhr
Bremen, Braga, UEFA-Cup, Wiese
© Imago
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München - Deutschland hatte schon immer die besten Torhüter der Welt. Diese Behauptung sei hier einfach mal erlaubt.

Auch deshalb meinte Andreas Herzog vor dem Länderspiel Deutschland gegen Österreich im Gespräch mit SPOX.com: "Ein Torwartproblem braucht's ihr euch nicht einreden."

Natürlich hat Deutschland kein Torwartproblem im klassischen Sinne - wie beispielsweise England. Dennoch hat Deutschland ein Problem damit, dass es viele gute Torhüter hat, die in bestechender Form sind und somit ins Nationalteam drängen.

Dort steht aber noch immer Jens Lehmann zwischen den Pfosten, der bei Arsenal derzeit nur zu Einsätzen kommt, wenn Rivale Manuel Almunia verletzt ist oder ein Spiel im FA-Cup ansteht. 

Lehmann zeigt ungewohnte Schwächen

Lehmann hatte die Chance, beim Länderspiel in Wien die Diskussion um seine Person zu beenden. Doch anders als in der EM-Quali in Irland war der Auftritt des 38-Jährigen gegen Österreich eine Aneinanderreihung von Fehlern und Unsicherheiten. Die fehlende Spielpraxis wurde deutlich.

Besonders erschreckend war, dass er fußballerische Schwächen und Defizite in der Strafraumbeherrschung offenbarte. Gebiete, auf denen er seinen Konkurrenten normalerweise voraus ist. Somit wurde der Druck auf Joachim Löw größer. Und er wächst weiter, solange die anderen Torhüter auf höchstem Niveau spielen. Denn wie lange kann Löw noch die Augen verschließen vor den Top-Leistungen der Bundesliga-Keeper?

"Bis zur EM kann noch viel passieren", sagte Bundestorwarttrainer Andreas Köpke im "Kicker", erklärte aber gleichzeitig, dass derzeit Lehmann als Nummer eins und dahinter Timo Hildebrand und Robert Enke der "Stand der Dinge" sei.

Top-Leistung auf internationaler Bühne

Vor allem Rene Adler und Tim Wiese glänzten jedoch zuletzt in der Liga und lieferten nun auch international überragende Leistungen ab.

Adler rettete Bayer Leverkusen im UEFA-Cup praktisch im Alleingang das 0:0 bei Galatasaray Istanbul. Der 23-Jährige zeigte sich dabei auch von der hitzigen Atmosphäre im Ali-Sami-Yen-Stadion unbeeindruckt. "Wenn man so ein positives Ergebnis erreichen will, dann muss man den einen oder anderen Ball auch halten", so Adler.

Für die Nationalelf hat Köpke den Leverkusener ohnehin auf dem Zettel: "Natürlich ist das eine Überlegung. Er hat von allen Bundesliga-Torhütern die beste Saison gespielt, davor verschließen wir auch nicht die Augen." Allerdings könne man in der Nationalelf ja auch "nicht ständig durchwechseln".

"Ihm und Manuel Neuer von Schalke 04 gehört die Zukunft, aber es wird wohl erst nach der Europameisterschaft sein", sagte Bayer-Sportdirektor Rudi Völler, stellte allerdings auch klar: "Es geht um die drei, die dabei sind, sowie Adler und Neuer. Vom Rest brauchen wir nicht mehr zu sprechen."

Für Köpke geht es vorerst darum, dass man zu gegebener Zeit entscheiden müsse: "Nehmen wir drei erfahrene Torhüter mit oder doch lieber einen jungen Keeper."

"Wiese für Deutschland"

Während sich Adler also noch Hoffnungen machen darf, fällt der Name Tim Wiese eher selten im Umfeld der Nationalelf. Gegen den SC Braga betrieb Bremens Keeper nun einmal mehr Werbung in eigener Sache.

Wiese hatte maßgeblichen Anteil am 3:0-Erfolg der Bremer gegen die Portugiesen. Der 26-Jährige hielt in der ersten Hälfte zwei Strafstöße, strahlte eine enorme Selbstsicherheit aus und hinterließ den Eindruck der Unbezwingbarkeit. Schon gegen die Bayern hatte Wiese einen Elfmeter von Luca Toni pariert. Danach lobte ihn auch Oliver Kahn in den Kreis der Nationalmannschaft.

Und auch Werders Fans, bei denen Wiese nicht unbedingt der Publikumsliebling ist und lange Zeit einen schweren Stand hatte, forderten schon zur Pause: "Wiese für Deutschland!"

Schaaf sieht Wiese im Vorteil

Wiese selbst will sich nicht in die Debatte einmischen und wiegelte die Frage schon im Ansatz ab. "Ich habe so viel zu diesem Thema gesagt, irgendwann reicht es. Ich versuche immer meine Leistung zu bringen. Ob das dann für die Nationalmannschaft reicht, sollen andere beurteilen", sagte er nach dem Braga-Spiel.

Thomas Schaaf hat es bereits beurteilt und sich klar für Wiese ausgesprochen. "Bei all den Namen, die immer in der Diskussion sind, muss man auch Wiese dazunehmen. Er hat konstant gute Leistungen gezeigt. Die anderen haben auch Phasen gehabt, in denen sie nicht überzeugt haben", so der Werder-Coach.

Deadline rückt näher

Doch das Sagen haben in diesem Fall Löw und Köpke. Die müssen für das Länderspiel gegen die Schweiz am 26. März eine weitreichende Entscheidung fällen. Denn der Test gegen den EM-Gastgeber ist der letzte vor der Nominierung für die Endrunde im Sommer.

Löw muss sich bis dahin also entscheiden, ob er mit Lehmann, Hildebrand und Enke zur EM fahren will. Noch rechnen Wiese, Adler und auch Hamburgs Frank Rost nicht mit einem Anruf. Ihr Handy sollten allerdings alle drei immer griffbereit haben.

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