Themenwoche: Schalke und Dortmund im Frühling 1997

Freundschaft auf Zeit

Montag, 08.05.2017 | 11:26 Uhr
Die Menschen aus dem Ruhrpott rückten im Frühling 1997 zusammen
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Als das industrielle Herz Deutschlands im Frühling 1997 eine schwere Krise durchlebte, wurde es kurzerhand zum fußballerischen. Borussia Dortmund gewann die Champions League, Schalke 04 den UEFA-Cup - und die Fanlager beider Vereine verbrüderten sich für einige Monate. "Ruhrpott! Ruhrpott!", schallte es durch die Stadien, eine Region stand zusammen.

Im Juni 1934 war es, als Schalke 04 den 1. FC Nürnberg in Berlin besiegte und zum ersten Mal die deutsche Meisterschaft gewann. Auf der Heimreise aus der Hauptstadt, so will es zumindest die Legende, wurden die siegreichen Knappen am Dortmunder Hauptbahnhof frenetisch bejubelt und anschließend ins Rathaus der Stadt geleitet, um sich dort ins Goldene Buch Dortmunds einzutragen.

Der lokale Ballspielverein Borussia 09 hinkte dem Rivalen zu dieser Zeit fußballerisch hinterher und so wurde in der Stadt eben stellvertretend den Schalkern gehuldigt. Genau wie der BVB war Schalke schließlich auch ein Arbeiterverein und noch dazu ebenfalls im Ruhrpott, gleich in der Nachbarschaft beheimatet.

Nach dem Krieg gewann Dortmund aber das erste Spiel gegen Schalke mit 3:2 und das sollte ein Zeichen sein. Schalke büßte seine nationale und später auch regionale Vormachtstellung mehr und mehr ein, während Dortmund Meisterschaften und 1966 gar den Europapokal der Pokalsieger gewann. Die Spiele zwischen den neuen Rivalen wurden härter, die Fanlager standen sich immer gehässiger gegenüber und es entwickelte sich eine Feindschaft. Bis der Frühling 1997 eine freundschaftliche Renaissance zwischen den Klubs gedeihen ließ. Eine auf Zeit.

Beendet hat die Freundschaft dann Jens Lehmann und einige Monate später hat er kurzerhand auch noch die Feindschaft in den Ruhrpott zurückgeholt. Zuerst wagte es der Schalke-Keeper beim Spiel gegen Dortmund im Dezember 1997, es lief schon die Nachspielzeit, doch tatsächlich mit nach vorne zu stürmen und den Ball zum 2:2-Ausgleich ins Tor zu köpfen. Aus einem Eckball, der eigentlich gar keiner war. Dann wechselte Lehmann für ein halbes Jahr zum AC Milan, ehe er nach Deutschland zurückkehrte. In den Ruhrpott. Zu Borussia Dortmund.

"Eigenartig", nennt Lehmanns einstiger Kollege und späterer Gegenspieler Olaf Thon den Wechsel heute im Gespräch mit SPOX und die Fans sahen es damals ähnlich. Lehmann wurde von beiden Seiten als Verräter beschimpft und auch standesgemäß ausgepfiffen.

Schwarze Fahnen auf den Fördertürmen

Im Frühling 1997 wurden Lehmann und seine Schalker Kollegen noch von beiden Seiten, von schwarz-gelb und von blau-weiß, zugejubelt und umgekehrt genauso. Im Frühling 1997 stand eine Region nicht zuletzt aus gesellschaftspolitischen Gründen zusammen und die lokalen Fußballvereine und ihre Erfolge waren das Ventil, um diesen Zusammenhalt der großen, weiten Welt zu demonstrieren.

Geschaffen hat diesen städte- und vereinsübergreifenden Zusammenhalt eine schwere Krise, die den Ruhrpott heimsuchte. Die Zukunft des Steinkohleabbaus stand auf dem Spiel und mit ihr die Zukunft der ganzen Region. Der Steinkohleabbau sicherte hunderttausende Existenzen - und wurde damals jährlich mit knapp zehn Millionen DM vom Staat subventioniert. Im März 1997 beschloss die Regierung, die staatlichen Förderungen schrittweise zu kürzen. Knapp 36.000 Jobs waren plötzlich in Gefahr und die Menschen in der Region protestierten.

"Je weniger Fördertürme, so scheint es, desto größer wird die Sehnsucht nach den Relikten der Vergangenheit. Nostalgie ist die Antwort auf den Fortschritt, den die Politik dem Revier verordnet hat", schrieb der Spiegel damals. Die Menschen wollten, dass alles so bleibt, wie sie es kannten. Um das zu erreichen, besannen sie sich auf die Gemeinsamkeiten, vergaßen Eitelkeiten und verbündeten sich. "Menschen aus allen Fanlagern waren betroffen", erklärt Fritz Lünschermann, der schon damals beim BVB arbeitete und nun Teammanager ist, gegenüber SPOX. "Das hat zusammengeschweißt."

Bergarbeiter besetzten am Tag nach dem Regierungsbeschluss die Zechen und streikten. Sie hissten schwarze Fahnen auf den Fördertürmen und zogen mit den Fahnen ihres Klubs ins Stadion. Am Abend dieses 7. März empfing der VfL Bochum den Lokalrivalen Schalke. Die Spieler zeigten Solidarität und marschierten mit demonstrierenden Kumpels ins Stadion. "Die ganze Region hat uns geprägt", erzählt der gebürtige Gelsenkirchener Thon, "und die Bergarbeiter waren damals sicher unsere größten Fans." Sie und alle anderen Fans skandierten dabei erstmals auf den Rängen: "Ruhrpott! Ruhrpott!"

"Ich fand die Identifikation des Vereins mit der Region sehr beeindruckend. Das kannte ich so noch nicht", sagt der Thüringer Uwe Weidemann, der bis Januar 1997 für Schalke spielte, im Gespräch mit SPOX und berichtet von Mannschafts-Ausflügen unter Tage. Die Region stand zusammen und protestierte zusammen, bei kilometerlangen Menschenketten beteiligten sich auch Vertreter der großen Vereine und immer wieder schallte es von den Rängen der Stadien in Gelsenkirchen und Bochum, in Duisburg und Dortmund: "Ruhrpott! Ruhrpott!"

Fußballgötter aus der Defensive

Im Namen des Ruhrpotts und gefolgt von zahlreichen Fans reisten so die Schalker und Dortmunder Fußballer quer durch Europa und feierten Sieg um Sieg. Schalke gewann im UEFA-Cup erst gegen den FC Valencia und dann im Halbfinale gegen CD Teneriffa, obwohl es laut Thon schon ein "kleines Wunder war, dass wir überhaupt die erste Runde überstanden haben".

Dortmund arbeitete sich in der Champions League unterdessen über AJ Auxerre und Manchester United bis ins Endspiel. "Im ganzen Ruhrgebiet herrschte eine unglaubliche Euphorie und ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl", sagt Lünschermann und erinnert sich: "Die Merchandising-Abteilungen der Vereine ließen sogar Schals und Tassen mit dem neutralen Aufdruck 'Ruhrpott' anfertigen."

Auf dem Platz begeisterte Schalke gleichermaßen wie Dortmund mit leidenschaftlichem, mitreißendem Fußball. Besonders gefeiert wurden nicht die Offensiv-Zauberer, sondern die Defensiv-Rackerer. In Dortmund wurde Jürgen Kohler als "Fußballgott" gepriesen, auf Schalke der heutige Ingolstadt-Sportdirektor Thomas Linke. "Wir hatten Spieler, die gefightet haben und mit Kampf und Cleverness siegten", sagt Thon. Sein Team bekam den Spitznamen "Eurofighter" und es bekam ihn mit Recht. Einen Spitznamen, der zur Region passte.

Und dann empfing Dortmund Anfang Mai, einige Tage vor den großen Europapokal-Endspielen der beiden Klubs, die Schalker "Eurofighter" - und beide Fanlager feierten sich und ihre Region. "Es gab keine aufgeheizte Stimmung und keine Rivalität wie sonst, sondern gemeinsame und gegenseitige Freude über die jeweiligen Erfolge", sagt Lünschermann, "und alle waren unter dem Hut des Ruhrpotts vereint." Und das ließen sie alle anderen auch wissen: "Ruhrpott! Ruhrpott!"

Fußballerisches statt industrielles Herz

"Das Herz der deutschen Industrie", wurde der Ruhrpott einst genannt. Just als sich abzuzeichnen begann, dass dieses Herz nicht ewig schlagen würde, trumpften die lokalen Fußball-Vereine auf. "Das Herz des deutschen Fußballs schlägt im Ruhrgebiet", analysierte Franz Beckenbauer.

Am heftigsten schlug das fußballerische Herz des Ruhrpotts dann kurze Zeit dort, wo es einst Beckenbauer selbst schlagen ließ und sich die nationalen Titel nur so stapelten. In München. Nachdem Schalke in zwei dramatischen Endspielen Inter Mailand besiegt, sich somit selbst mit dem UEFA-Cup und die lokalen Schüler mit einem offiziellen Frei-Tag beschenkt hatte, machten sich Schalker Spieler und Trainer geschlossen gen Süden auf, denn in München fand das Champions-League-Endspiel statt.

"Wir wollten den BVB bei seinem Finale anfeuern", sagt Thon, "mehr Zusammenhalt im Revier geht nicht." Auch Dortmund traf als Außenseiter auf einen italienischen Spitzenklub, auf Juventus Turin. Auch Dortmund siegte und machte so den gesamten Triumph des Ruhrpott perfekt.

Bei den exzessiven Feierlichkeiten beider Klubs wurde wieder "Ruhrpott! Ruhrpott!" gebrüllt, ehe die Rufe über die folgenden Monate hinweg leiser wurden. "Mit dem Alltag kehrte die Rivalität zurück", sagt Lünschermann. Bald verschwanden die Rufe ganz und mit ihnen die Zechen, denn auch all die Proteste konnten den Niedergang des Steinkohleabbaus nicht aufhalten. Bald wechselte Lehmann nach Dortmund und die Fans lernten sich wieder zu hassen wie zuvor.

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