Fussball

BVB-Juwel Youssufa Moukoko: Sehnsucht nach Normalität

Von SPOX
Youssufa Moukoko erzielte als 13-Jähriger bereits 62 Tore für die U17 des BVB.
© imago

Schon vor etwas mehr als einem Jahr stand Youssufa Moukoko beim BVB im medialen Fokus: Seine Leistungen und seine physische Statur wollten für Skeptiker einfach nicht zu seinem Alter passen. Es entstand eine Debatte, die sich nicht nur um seine fußballerische Qualität drehte, sondern auch um die Glaubwürdigkeit seines Alters. Mit gerade einmal 13 Jahren schoss der Deutsch-Kameruner den BVB dann auch noch fast im Alleingang zur B-Junioren-Meisterschaft. Seitdem ist es ruhiger um Moukoko geworden - und das hat Gründe.

"Fußball-Phänomen", "Wunderkind", "das größte Talent im deutschen Fußball". Sobald Medien von etwas Notiz nehmen, das so offensichtlich von der Norm abweicht wie es Moukoko tut, geizen sie nicht mit Superlativen. Das war auch schon früher so, galt doch beispielsweise Sebastian Deisler einst als "das größte Versprechen in die Zukunft des deutschen Fußballs".

Nun ist es jener erst 14 Jahre alt gewordene Moukoko, der in einer Liga mit im Schnitt drei Jahre älteren Jungen kickt und in aller Regelmäßigkeit mit Dreier- oder Viererpacks zum Matchwinner wird. Ihm wird eine große Zukunft vorausgesagt und damit auch eine Bürde auferlegt.

Scouts des FC Barcelona sollen den Deutsch-Kameruner im vergangenen Sommer bereits beobachtet haben. Einem Sommer, in dem der Hype um das "Phänomen" Moukoko immer größer wurde und auszuufern drohte.

Moukoko schießt den BVB zur Meisterschaft: Hype wird "real"

Nahezu im Alleingang schoss der Stürmer die B-Jugend von Borussia Dortmund ins Finale um die Deutsche Meisterschaft und den BVB dort mit seinem Treffer zum 3:2 gegen den FC Bayern zum Titel.

Es folgten haufenweise Interviewanfragen, Fragen nach Autogrammen und man vergaß schon fast, dass derjenige, um den es dabei ging, eigentlich noch ein Kind ist. Das merkte vor kurzem auch Moukokos Berater Patrick Williams gegenüber dem Sportbuzzer an. "Es ist zuletzt einfach zu viel geworden. Vor allem, wenn Youssoufa beim DFB war", erklärte Williams, der neben den Trainern das Reden für Moukoko in der Öffentlichkeit übernimmt.

Eigene Interviews soll Moukoko noch nicht geben. "Das ist zu seinem Schutz", merkte BVB-Nachwuchskoordinator Lars Ricken diesbezüglich an. Thematisch ging es bei Williams' kritischer Auseinandersetzung mit dem medialen Brimborium um Moukoko unter anderem um die Nicht-Nominierung des 14-Jährigen für das UEFA-Vorbereitungsturnier der deutschen U17-Nationalmannschaft.

Das sei jedoch auch der explizite Wunsch der Familie gewesen, begründete DFB-Nachwuchstrainer Michael Feichtenbeiner die gemeinsame Entscheidung, Moukoko vorerst nicht in der deutschen U17 spielen zu lassen.

Moukoko-Debüt beim DFB, famose Torquote und Zweifel am Alter

Die Sehnsucht nach Normalität ist groß. Der Normalität, die eigentlich jedem Kind in Moukokos Alter zusteht. Umgekehrt ist aber nicht jedes Kind wie Moukoko. Dieser debütierte mit gerade einmal zwölf Jahren für die U16 der deutschen Nationalmannschaft und machte dort in vier Spielen drei Tore.

Damit bestätigte er seine beeindruckende Torquote, die ihn schon in seinem ersten Jahr bei der Dortmunder U17 so derartig in den medialen Fokus katapultierte (62 Tore in 40 Spielen). Die offensichtliche Abweichung von der Norm eben. Diese wäre auch ohne die explizite Erwähnung von Moukokos Alter früher oder später aufgefallen, doch seine zarten 13 Lenze machten die Geschichte eben noch außergewöhnlicher.

Aufgrund seiner für einen 14-Jährigen außergewöhnlichen physischen Statur und Größe wurden immer wieder Zweifel an der Richtigkeit seines tatsächlichen Alters laut und zeitweise zu einem zentralen Bestandteil der Berichterstattung. Zwar bestätigten entsprechende Tests des BVB und des DFB mittlerweile Moukokos Alter, das Thema aber ist dennoch ein sensibles geblieben. Auch deshalb soll Moukoko in Absprache mit dem Verband und dem Verein keine Interviews geben.

Moukokos Statistiken in der U17 des BVB

SaisonSpieleToreTorvorlagen
2018/1912226
2017/1828407

Moukoko: Wechsel zum FC Bayern? "Er ist total klar im Kopf"

Alle Seiten sind bemüht, dem "Wunderkind" eine Möglichkeit zu geben, so normal wie möglich aufzuwachsen. "Das Wohl des Jungen steht im Vordergrund", sagt auch sein Berater, der weiß, wie schnell das alles auch wieder vorbei sein kann. "Es gibt genügend Beispiele von Nachwuchsspielern, die zu früh zu hochgejazzt wurden. Ein Tritt und alles kann vorbei sein", sagt Williams.

Da passte es auch überhaupt nicht ins Bild, als Mitte Oktober mitten in die allmähliche Ruhe, die scheinbar um die Personalie Moukoko eingekehrt war, ein Instagram-Post des 13-Jährigen für reichlich Verwirrung sorgte. "Ich wechsel zu Bayern", schrieb Moukoko. Wenig später wurde der Eintrag wieder gelöscht.

Wie die Bild-Zeitung hinterher berichtete, soll ein Hacker-Angriff auf das Profil Moukokos für den dubiosen Post verantwortlich gewesen sein. Alles also halb so wild, zumal Moukoko offenbar vertraglich langfristig an die Schwarz-Gelben gebunden ist. "Der Junge ist total klar im Kopf - trotz der umfangreichen Berichterstattung", sagte auch BVB-Nachwuchskoordinator Ricken.

Mit Blick auf ein sich möglicherweise bald schon nahendes Profidebüt Moukokos beim BVB will der 42-Jährige aber "ganz ruhig bleiben", da er erst mit 17 Jahren überhaupt bei den Profis spielen dürfe. Zwar könnte eine Sondergenehmigung, die bereits Nuri Sahin zum jüngsten Bundesliga-Profi der Dortmunder machte, diese Regelung umgehen, doch momentan dominiert bei der Personalie die Sehnsucht nach Normalität.

Obwohl Moukoko auch in dieser Saison in der B-Junioren Bundesliga West da weitermacht, wo er im vergangenen Sommer aufgehört hat. 22 Tore in 12 Spielen hat er schon wieder auf dem Konto, im Schnitt trifft er alle 42 Minuten. Diese Quote ist beeindruckend, aber sicher nicht normal.

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